Batman erklärt die "Justice League"

Am 16. November startet das mit Spannung erwartete Superhelden-Crossover aus dem DC-Universum. Im Interview verrät uns Batman-Darsteller Ben Affleck, warum sich Marvels "Avengers" warm anziehen können – und welchen Schatten der #MeToo-Skandal auf ihn und die "Justice League" wirft.

Was bei Captain America, Iron Man, Hulk, Thor, Spider-Man und dem Rest der "Avengers"-Familie längst Usus ist, feiert bei den Kollegen von DC Comics mit "Justice League" Premiere. Nachdem 2016 in "Batman v Superman" bereits der spitzohrige Vigilante auf den Mann aus Stahl geprall ist und der damals eingeführte Sidekick "Wonder Woman" einen bejubelten Solofilm beschert bekam, durfte Regisseur Zach Snyder zum 300 Millionen Dollar schweren Crossover-Stelldichein bitten, in dem sich zu den wiederkehrenden Superdarstellern Ben Affleck und Gal Gadot drei neue Hyper-Haudegen gesellen...

Darum geht's in "Justice League"

Nach dem Superheldentod von Clark Kent alias Superman (Henry Cavill) hat Bruce Wayne alias Batman (Ben Affleck) wieder Vertrauen in die Menschheit gefunden. Doch von Entspannung keine Spur, denn im Auftrag des intergalaktischen Schurken Darkseid sind vom gigantischen Steppenwolf (Ciarán Hinds) angeführte Horden von Paradämonen auf dem Weg zur Erde, um drei dort verborgene Artefakte zu rauben.

Um gegen diese Übermacht eine Chance zu haben, versuchen Bruce Wayne und Diana Prince alias Wonder Woman (Gal Gadot) weitere Gerechtigkeitskämpfer mit übermenschlichen Fähigkeiten zu rekrutieren und werden beim superschnellen Studenten Barry Allen alias The Flash (Ezra Miller), dem nach einem Unfall cybernetisch aufgerüsteten Sportler Victor Stone alias Cyborg (Ray Fisher) und dem bärbeißigen Atlantis-Thronfolger Arthur Curry alias Aquaman (Jason Momoa) fündig...

Release-Trailer "Justice League" (Kinostart: 16.11.2017)

Wie es ist, nicht mehr alleine gegen das Böse antreten zu müssen, wie es um seine Batman-Zukunft bestellt ist und warum der #MeToo-Skandal auch die "Justice League" und ihn persönlich betrifft, verrät uns Ben Affleck im Gespräch...

Ben Affleck im Interview

GOLDENE KAMERA: In "Justice League" beweist Batman, dass er Humor besitzt. Wie gefiel es Ihnen, Bruce Wayne von einer neuen Seite zu zeigen?

BEN AFFLECK: Ich mag diese Batman-Version sehr. Im letzten Film lastete die Sturm-und-Drang-Abneigung gegen Superman schwer auf Bruces Schultern, und das bestimmte den Ton in "Batman v Superman: Dawn of Justice". In "Justice League" ist Batman zwar immer noch kein Joker oder so lustig und gelassen wie The Flash, aber er kann mit den anderen mithalten, und das ist eine neue Dynamik, die ich sehr willkommen hieß.

Wie fanden Sie es, dass Batman jetzt kein Einzelkämpfer mehr ist, sondern Teil eines Teams?

Fantastisch! Und der beste Bonus war, dass wir eine tolle Besetzung hatten. Als wir uns alle zum ersten Mal am Set in unseren Kostümen sahen, war das ein sehr großer Geek-Moment. Elektrisierend.

Hat "Justice League" Ihren Appetit auf mehr Batman angeregt? Es gab Gerüchte, dass Sie diese Rolle an den Nagel hängen möchten...

Mein Batman-Appetit hängt weniger von der Rolle, sondern vielmehr vom Drehbuch ab. Ich würde gerne einen "Batman"-Film inszenieren, aber bis jetzt habe ich noch keine Handlung gefunden, die mir dafür gefiel. Und da ich das Drehbuch selber geschrieben hatte, wusste ich, wie lahm es war (lacht). Aber zum Glück ist das DC Universum so unendlich, dass ich zuversichtlich bin, irgendwann einmal im Batman-Kostüm im Regiestuhl zu sitzen. Bis dahin genieße ich die Zusammenarbeit mit Ezra (Miller), Ray (Fisher), Jason (Momoa), Henry (Cavill), Gal (Gadot) und Zack (Snyder). Wir haben uns von Anfang an gut verstanden und durch sie wurde der "Justice League"-Dreh zu einer wahren Wonne.

Es gibt sehr viel Vorfreude auf den Film, aber leider auch eine Schattenseite: Produzent Brett Ratner ist der sexuellen Belästigung beschuldigt worden. Inwieweit kann das dem Erfolg von "Justice League" schaden?

Ich kenne Brett Ratner nicht persönlich und er war nicht kreativ an der Produktion von "Justice League" beteiligt. Er war ein Finanzier für den Film. Für Studios sind Finanziers eine Art Bank, um ihr Risiko zu verteilen. Nicht mehr und nicht weniger.

Harvey Weinstein und Kevin Spacey waren der Anfang, aber jetzt kommen fast täglich Schlagzeilen über Missbrauch aus Hollywood. Selbst Sie sind nicht verschont worden. Wie stehen Sie dazu und wie sehen Sie die Zukunft der Entertainment-Industrie?

Ich kenne die Details der Beschuldigungen nicht und möchte mich deswegen nicht dazu äußern, aber generell ist Missbrauch in jeglicher Form und in jeglichem Ausmaß unakzeptabel. Ich glaube den tapferen Frauen – und Männern, die öffentlich über ihre Erfahrungen gesprochen haben, und unterstütze sie. Es hat sich leider gezeigt, wie unglaublich groß dieses Problem ist – nicht nur in Hollywood, sondern auch in der Welt der Finanzen, der Technik, der Medien. Und nicht nur in Amerika, sondern wahrscheinlich weltweit.

Wir müssen uns zwei Fragen stellen: Wie können wir diesem System ein Ende setzen, das Männern so viel Macht ermöglicht hat? Und wann übernehme ich als Mann die Verantwortung und schaue auf mein eigenes Verhalten? Denn dieses Thema kann nur gelöst werden, wenn Mann und Frau zusammen daran arbeiten. Jeder muss bei sich selbst anfangen. Ich werde weiterhin versuchen, ein besserer Mensch zu werden – für meine Familie und meine Kinder, für meine Kollegen und für alle Menschen, mit denen ich täglich in Kontakt komme.

Sie verdanken Harvey Weinstein ihren Durchbruch. Wie überrascht waren Sie über die Anschuldigungen?

Ich habe seit 15 Jahren nicht mehr mit Harvey Weinstein gearbeitet. Und ich habe nie gerne mit ihm gearbeitet. Er war hinterhältig und heuchlerisch. Ich wusste, dass er einfach schäbig war. Natürlich kannte ich das erschreckende Ausmaß seiner Untaten nicht, aber mir war bewusst, dass nicht alles geheuer war, viel Scheiße passiert ist und ich nichts damit zu tun haben wollte. Im Nachhinein wünschte ich, dass ich mehr getan hätte und dass ich früher aufgehört hätte, mit ihm zu arbeiten. Aber hinterher ist man immer klüger.

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