GOKA-Star der Woche: Diane Kruger

Diane Kruger war Model, ging nach Hollywood und spielte an der Seite internationaler Stars. Mit ihrer ersten deutschen Hauptrolle in Fatih Akins "Aus dem Nichts" feiert sie große Erfolge.

Schlecht blondierte Haare, triste Klamotten, kein Make-up – so haben wir Diane Kruger im Kino noch nie gesehen! Doch für Fatih Akins intensives Drama "Aus dem Nichts" (Kinostart: 23. November) schlüpfte sie überzeugend in die Rolle einer Frau, die durch einen Neonazi-Anschlag Mann und Kind verloren hat. Sie zeigt Mut zur Hässlichkeit und zu extremen Emotionen, ein Einsatz, der bei den Filmfestspielen in Cannes 2017 zu Recht mit der Auszeichnung als beste Schauspielerin belohnt wurde.

Diane Kruger über "Aus dem Nichts"

Mehr als die schöne Helena

Seit ihrem ersten großen Erfolg in "Troja" 2004 musste sie in Deutschland immer beweisen, dass sie mehr als nur die schöne Helena sein kann. In der Nähe von Hildesheim als Diane Heidkrüger geboren, ging sie mit 15 Jahren nach Paris und machte sich als Model und Schauspielerin einen Namen. Es folgten nach "Troja" drei weitere Hollywoodhits: "Das Vermächtnis der Tempelritter" an der Seite von Nicolas Cage 2004, die Fortsetzung "Das Vermächtnis des geheimen Buches" 2007 und "Inglourious Basterds" von Quentin Tarantino, für den sie 2010 die GOLDENE KAMERA gewann.

In Deutschland wurde dennoch weiter die Nase gerümpft – vielleicht auch, weil sie keine deutschen Filme drehte. "Ich bin 25 Jahre aus Deutschland weg, ich habe keinen Agenten hier und keine Verbindungen. Die Angebote waren tatsächlich nicht wirklich interessant für mich", erklärt die 41-Jährige entspannt beim Exklusiv-Interview mit GOLDENE KAMERA. Zumindest mit zwei Rollen – die allerdings hierzulande eher untergingen – zeigte sie ihr außergewöhnliches Talent: als verbittertes Vergewaltigungsopfer im Richard-Gere-Film "Hunting Party" (2007) und als von ehelichen und beruflichen Pflichten getriebene Frau in "Barfuß auf Nacktschnecken" an der Seite von Ludivine Sagnier (2010).

Zusätzlich machte sie durch interessante Projekte auf sich aufmerksam, etwa die Rolle als Boy George im Musikvideo "Somebody To Love Me" von Mark Ronson oder durch die Synchronisation ihrer eigenen französisch- oder englischsprachigen Rollen.

Zusammenarbeit mit Fatih Akin

Ausgerechnet in Cannes kam die Wende: Bereits 2007 hatte sie als erste Deutsche die Eröffnungsgala moderiert, 2012 saß sie dann in der Jury – und sprach auf einer Party Fatih Akin an. "Wenn ich mal auf Deutsch drehe, dann mit ihm, das war mein Traum", erzählt sie lachend. "Und natürlich sollte es ein Projekt sein, das international Interesse weckt. Das ist das Besondere an dem Film! Er ist zwar von den NSU-Morden inspiriert, aber auf emotionaler Ebene funktioniert er weltweit."

Regisseur Fatih Akin über "Aus dem Nichts"

Der Beginn der Dreharbeiten war nicht einfach: "Ich hatte total Angst und dachte, Fatih schmeißt mich am ersten Tag raus", berichtet Kruger. "Er ist sehr anspruchsvoll, sehr präzise und passioniert." Viel Dialog sei geändert worden. "Fatih gibt Schauspielern sehr viel Raum mit ihrem Spiel. Wir haben ausgiebig über das Drehbuch geredet, am Set hatte ich nicht das Gefühl, dass ich spiele, weil ich alles durchdacht und erlebt habe."

Regisseur Fatih Akin ist bekannt für Filme mit extremer Emotionalität – wie das Kiez-Drama "Kurz und schmerzlos" (1998), "Gegen die Wand" (2004) mit Sibel Kekilli oder zuletzt das Armenien-Drama "The Cut" (2014). Auch diesmal wurde es für die Hauptdarstellerin eine Tour de Force: "Das war meine schwerste Rolle, meine härteste Prüfung als Schauspielerin. Das klingt nach Klischee, aber es stimmt. Diese Rolle hat emotional sehr viel gekostet, und sie ist sehr präsent geblieben. Ich habe monatelang danach nicht gearbeitet. Diese Empathie, diese extreme Trauer und Emotion über so viele Monate mit sich zu tragen – das ist fast unmenschlich."

Doch die harte Arbeit hat sich gelohnt. Nach dem Erfolg in Cannes wurde "Aus dem Nichts" von der Auslandsvertretung des deutschen Films mittlerweile auch ins Rennen um den Auslands-Oscar geschickt. Von den 92 Filmen auf der "Longlist" werden Ende 2017 neun auf die "Shortlist" gesetzt und fünf schließlich im Januar 2018 nominiert.

Diane Kruger wird zu dieser Zeit vielleicht schon das nächste Projekt mit Fatih Akin starten, denn sie planen gemeinsam eine Miniserie über die Kriegsjahre von Marlene Dietrich.

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