Kino-Event der Woche: "Lux - Krieger des Lichts"

Im mediensatirischen Spielfilmdebüt des Nachwuchsregisseurs Daniel Wild schlüpft Durchstarter Franz Rogowski ("Fikkefuchs") in die tragikomische Rolle eines selbsternannten Superhelden.

Neue Superhelden braucht das Land! Nachdem zuletzt in "Justice League" und "Thor: Tag der Entscheidung" die üblichen Blockbuster-Verdächtigen durch unsere Kinos getobt sind, schickt der in Mainz geborene Autorenfilmer Daniel Wild seinen Real-Life-Superhelden "Lux - Krieger des Lichts" ins Rennen. Und das mit Erfolg: Der erste Spielfilm des Absolventen der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf wurde bei den 51. Internationalen Hofer Filmtagen als "Bestes Regiedebüt" mit dem Heinz-Badewitz-Preis ausgezeichnet und startet am 4. Januar in ausgewählten Programmkinos.

Darum geht's in "Lux – Krieger des Lichts"

Wenn sich Torsten (Franz Rogowski) nicht um seine kranke Mutter Luise (Eva Weißenborn) kümmert oder auf dem Gemüsegroßmarkt arbeitet, versucht er, die Welt in einen besseren Ort zu verwandeln. Dafür hat der in Ostberlin lebende Endzwanziger aus Baumarktutensilien ein Superheldenkostüm für sein Alter Ego namens LUX gebastelt und damit die Aufmerksamkeit der Dokumentarfilmer Jan (Tilman Strauss) und Lina (Anne Haug) erregt, die ihn fortan mit Kameras begleiten. Leider beschränken sich Torstens Heldentaten darauf, Lebensmittel an Obdachlose zu verteilen, was vor allem dem quotengeilen Produzenten Brandt (Heiko Pinkowski) gegen den Strich geht. Also wird kurzerhand die unspektakuläre Realität nachgebessert – und die hilfsbedürftige Stripperin Kitty (Kristin Suckow) tritt in Torstens Superheldenleben...

GOKA-Wertung

Daniel Wilds Filmidee, ein Mockumentary-Szenario wie in "Mann beißt Hund" (1992) mit reichlich Humor, einem dramatisch endenden Außenseiterportrait und einem Realitätsebenenmix a la "Die Truman Show" (1998) zu kombinieren, kann getrost als ambitioniert bezeichnet werden. "Lux – Krieger des Lichts" schultert diese konzeptionellen Päckchen überraschend souverän, schießt aber vereinzelt über das Ziel hinaus und tappt – vor allem, wenn es in den Bereich der Mediensatire geht – in so manch undifferenzierte Klischeefalle.

Über solche Stolpersteine im Plotverlauf tröstet jedoch das faszinierende Spiel von Hauptdarsteller Franz Rogowski hinweg. Der 31-Jährige, der sich 2017 mit der kontroversen Vater-Sohn-Tragikomödie "Fikkefuchs" und Michael Hanekes "Happy End" seine Berufung zum "European Shooting Star 2018" auf der kommenden Berlinale bereits redlich verdient hat, versteht es, uns einen kindlich naiven Toren zu präsentieren, ohne dabei die Figur vorzuführen. Damit verwandelt Rogowski Torsten alias LUX zum glaubhaften Sinnbild einer Jugend, deren Tragik darin besteht zu glauben, nur durch Maskierung und Rollenspiel eine eigene Identität entwickeln zu können. Und beweist: In Zeiten von "Scripted Reality" ist der Vorsatz "Be Yourself" eben noch unrealistischer als ohnehin schon.

Muss ich sehen, weil...
...man sich alles ansehen sollte, in dem "European Shooting Star" Franz Rogowski eine Rolle spielt.

Für Fans von...
... "Tiger Girl" (2017) und James Gunns Superhelden-Satire "Super" (2010)

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