"Alles nur gespielt": Schweighöfer & Schweiger über Ihre Freundschaft

Im exklusiven Interview kommen wir kaum zu Wort, weil sich die Kinostars selbst so viel zu erzählen haben.

Einige Fragen zu ihrer neuen Buddy-Actionkomödie „Hot Dog“ (ab 18. Januar im Kino) und ihrer langen Freundschaft beantworten sie dann aber doch gern am Treffpunkt Berlin-Tempelhof, wo Matthias Schweighöfer gerade Staffel zwei seiner Amazon-Serie „You Are Wanted“ dreht – und Besuch von Kumpel Til bekommt.

GOLDENE KAMERA: Wie lange kennen Sie sich jetzt eigentlich schon? Und: Mögen Sie sich tatsächlich auch privat?

MATTHIAS SCHWEIGHÖFER: Nein, das ist alles nur gespielt! Im Ernst, ich erzähle mal meine Lieblingsgeschichte über Til, die er schon bis zum Erbrechen nicht mehr hören kann: Ich habe mir als Teenager in Chemnitz ein Autogramm von Til geholt, der mit „Knockin’ on Heaven’s Door“ auf Kinotour war. Wenig später waren wir auf derselben Party in Stockholm. Til mit seiner damaligen Frau Dana, ich mit meiner Mutter. Irgendwann haben wir alle zusammen getanzt. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft – obwohl ich erst 18 war!

Warum haben Sie sich nach fünf Filmen erst jetzt wieder zusammengetan?

TIL SCHWEIGER: Matthias hat sich nach „Zweiohrküken“ – was ja schon acht Jahre her ist – verstärkt eigenen Filmen gewidmet und war so undankbar, mich nie zu besetzen ...

SCHWEIGHÖFER: Ja, ich habe echt Respekt vor Til und will mich vor ihm als Regisseur nicht blamieren. Wenn ich noch besser geworden bin, werde ich ihn auf jeden Fall anfragen. Ich würde total gern mit ihm mal einen Sommerfilm machen. „Hot Dog“ wurde im Winter gedreht, es war also die meiste Zeit kalt und dunkel. Hey, Til, unser nächster Film wird im Sommer gedreht, das müssen wir uns jetzt endlich mal vornehmen.

Was mögen Sie an Til Schweiger?

SCHWEIGHÖFER: Ich mag an ihm, dass er ein echter Freund ist. Er ist loyal, hat ein großes Herz und passt auf seine Leute auf. Wir sagen uns immer mehr die Meinung, trotzdem habe ich vor ihm auch immer noch wahnsinnig viel Respekt. Til ist ein echter Filmkenner und toller Filmemacher. In Deutschland wird so etwas leider viel zu wenig geschätzt, darüber habe ich mich kürzlich mit unserem gemeinsamen Freund Milan Peschel unterhalten...

SCHWEIGER: ...der dich wirklich liebt, muss ich mal sagen.

SCHWEIGHÖFER: Ich liebe ihn auch. Und ich liebe dich! Mal im Ernst, Til hat mich früher ein wenig an die Hand genommen, aber ich schlage eben auch mal öfter um mich und bin gelegentlich nicht zuverlässig genug. Dann verstehe ich, dass er sauer ist. Man darf aber nicht vergessen, wie viel Druck auf uns und unserer Arbeit liegt.

Ihre Figuren in „Hot Dog“ sind extrem gegensätzlich. Der beinharte Bulle Luke ist von seinem Kollegen Theo – einem echten Nerd – mächtig genervt.

SCHWEIGER: Na klar. Etwa, wenn Matthias eine perfekte Szene gespielt hat und am Schluss anfängt zu lachen. Im Schneideraum sieht man dann, wie sich dieses Lachen in seinem Gesicht anbahnt und dass der komplette Take nicht benutzt werden kann. Oft musste ich selbst dann auch in der Szene lachen, aber ich habe ihm schon tausendmal gesagt: Ey, Matthias, das musst du in den Griff kriegen, weil du dir selbst so manches Highlight vergeigst.

Prallen bei Ihnen manchmal auch die Egos aufeinander?

SCHWEIGER: Zum Glück nicht. Ich habe Matthias immer gern darin unterstützt, sich freizuschwimmen und sein Ding zu machen.

SCHWEIGHÖFER: Das ist richtig.Neulich haben wir telefoniert, und ich habe gesagt, dass wir häufiger mal essen gehen sollten. Wir trinken nie mal einen Wein zusammen, das ist doch scheiße!

Trailer zu "Hot Dog"

Am Schluss von „Hot Dog“ gibt es Actionszenen im Stil von „Fast & Furious“. Wie sind die entstanden?

SCHWEIGER: Torsten ü̈nstler, der Regisseur, der ja Erfahrung mit uns beiden hat, da er jahrelang unser Regieassistent war, hat sich einen tollen Stunt Coordinator gesucht und das großartig umgesetzt. Dazu stimmen zwischen uns Chemie und Timing, was wichtig ist für das Genre. Eine Buddy-Actionkomödie hat es in Deutschland bisher so noch nicht gegeben. Die Rollenverteilung im Film ist klar, Luke macht Theo regelmäßig runter.

Herr Schweighöfer, hätten Sie Til Schweiger nicht auch mal auf den Pott setzen können?

SCHWEIGER: Ach, das tut er doch. Gegen Ende mutiert Theo regelrecht zum Superhelden.

Ihre Tochter Lilli spielt Ihre Filmtochter. Finden Ihre Kinder Sie eigentlich cool?

SCHWEIGER: Ja, ich denke schon, auch wenn ich schon unzählige Male zu hören bekam: Papa, du bist so peinlich! Aber auch ihre Freunde finden mich ganz cool – das hilft.

SCHWEIGHÖFER: Mein Sohn ist drei, und der findet mich total super. Meine Tochter ist neun, das ist schon was anderes. Einmal habe ich einen Facetime-Anruf mit Lisa und Lena organisiert, diesen beiden Social-Media-Mädels, die meine Tochter ganz toll findet. Da hat Greta doch allen Ernstes gesagt: Papa, geh mal aus dem Bild, das ist peinlich!

SCHWEIGER: Und ich kriege oft Nachrichten von Kids auf Facebook, die mich fragen: Bist du wirklich der Vater von Emma Schweiger?

Können Sie darüber lachen? Böse Zungen sagen, es fehle Ihnen an Selbstironie.

SCHWEIGER: Ich stehe für meine Überzeugungen ein und habe einen riesigen Gerechtigkeitssinn, das wissen alle meine Freunde. Damit ecke ich halt mal an. Aber wer mich kennt, weiß, dass ich total über meine eigene Doofheit und Schusseligkeit lachen kann.

Was kommt nach „Hot Dog“ als Nächstes?

SCHWEIGHÖFER: Ich werde an der Seite von Jella Haase zu sehen sein in einer Tragikomödie mit dem Titel „Vielmachglas“.

SCHWEIGER: Bei mir geht es mit „Klassentreffen“ weiter, einer Trilogie um ein paar Freunde in der Midlife-Crisis, gespielt von Milan Peschel, Samuel Finzi und mir. Dass die Geschichte funktioniert, habe ich bei einem Test-Screening in Los Angeles gemerkt: Neben mir saß Nick Nolte und schmiss sich weg vor Lachen.

Darum geht's in der Kinokomödie "Hot Dog"

Luke (Til Schweiger) und Theo (Matthias Schweighöfer) arbeiten bei der Spezialeinheit GSG-10, könnten aber gegensätzlicher nicht sein: Während Luke als Kampfmaschine gilt, die lieber schießt als redet, setzt der Nerd Theo seine Sensibilität und sein fotografisches Gedächtnis ein. Als in Berlin die bildhübsche moldawische Präsidententochter entführt wird, müssen Luke und Theo zusammenarbeiten – was in Chaos und Verwüstung endet.

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