Die deutsche Kino-Thriller-Offensive 2018

Von wegen die Deutschen können keine Genrefilme drehen! In den nächsten 12 Monaten beweisen Regisseure wie Chrisitan Alvart und Bully Herbig (!) mit Stars wie Moritz Bleibtreu, Jessica Schwarz und Wotan Wilke Möhring das schweißtreibende Gegenteil.

Den spektakulären Auftakt macht die brutale Gangstermoritat "Nur Gott kann mich richten" (Kinostart: 25. Januar), die von Özgür Yildrim, dem Hamburger Regisseur von "Chiko" (2008) und "Blutzbrüdaz" (2011) ersonnen worden ist...

Fernab von nervenschonender Fernsehkrimi-Behaglichkeit gehen Moritz Bleibtreu und GOLDENE KAMERA-Preisträger Edin Hasanovic als kriminelles Halbbrüderpaar, denen bei ihrem letzten Coup Birgit Minichmayr als verzweifelte Polizistin in die Parade fährt, in die schauspielerischen Vollen. Und beweisen damit, dass ein zeitgemäßer Abgesang auf großstädtische Gangsterromantik, wie sie im Miniserien-GOKA-Kandidaten "4 Blocks" zelebriert wird, hierzulande auch im Kinoformat möglich ist.

Der deutsche Genre-Veteran

Ein weiterer Regisseur mit Genrefilm-Erfahrung ist Christian Alvart, der 2018 gleich zwei Suspense-Produktionen am Start hat. 13 Jahre nach ihrem gemeinsamen Thriller-Erfolg "Antikörper" haben der 43-jährige Regisseur und GOLDENE KAMERA-Preisträger Wotan Wilke Möhring für das Action-Kammerspiel "Steig. Nicht. Aus!" (Kinostart: 12. April) wieder ihre kreativen Kräfte gebündelt. Möhring spielt darin den Bauunternehmer Karl Brendt, der innerhalb kürzester Zeit eine große Menge Geld besorgen muss – andernfalls lässt der Erpresser die in Brendts Auto versteckte Bombe explodieren...

Teaser-Trailer zu "Steig. Nicht. Aus!" (Kinostart: 1.2.2018)

Als zweites Thriller-Projekt hat sich Christian Alvart, der unter anderem den US-Psychothriller "Fall 39 (2009) sowie die Sci-Fi-Mär "Pandorum" (2009) auf dem Konto hat und nach seiner Rückkehr aus Hollywood als Til Schweigers "Tatort"-Stammregisseur inklusive ihres Actionfilm-Kinoablegers "Tschiller: Off Duty" (2016) fungiert, einen Bestseller vorgenommen.

In seiner Verfilmung des Thrillers "Abgeschnitten" (Kinostart: 11. Oktober) von Sebastian Fitzek schlüpft Moritz Bleibtreu in die Haut des Rechtsmediziner Paul Herzfeld, der von einem Psychopathen in ein perfides Spiel um das Leben seiner Tochter gezwungen wird und dabei auf die Hilfe der Comiczeichnerin Linda (Jasna Fritzi Bauer) und des Hausmeisters Ender (Fahri Yardim) angewiesen ist.

Die deutschen Thriller-Newcomer

Neben etablierten Genre-Kräften wie Alvart und Yildrim zeigt das Kinojahr 2018 aber auch mit mehreren Regie- und Genredebüts, dass es um die Zukunft des deutschen Spannungskinos gut bestellt ist. Zu den Hoffnungsträgern gehört allen voran Tini Tüllmann, deren Psycho-Thriller "Freddy/Eddy" (Kinostart: 1. Februar) mit Felix Schäfer und Jessica Schwarz bei den Hofer Filmtagen den Heinz-Badewitz für die "Beste Nachwuchsregie eines Erstlingswerks" verliehen bekam...

Trailer zu "Freddy/Eddy" (Kinostart: 1.2.2018)

Auch der 1986 aus Afghanistan nach Deutschland emigrierte Produzent Khaled Kaissar ("Stereo", "König von Deutschland") nahm erstmals im Regiestuhl Platz und versucht sich in seinem Erstling an einer Mixtur aus Agententhriller und Rachegeschichte. In "Luna" (Kinostart: 15. Februar) muss die von Lisa Vicari gespielte Titelheldin nämlich nach dem brutalen Mord an ihrer Familie feststellen, dass ihre Eltern für den russischen Geheimdienst gearbeitet haben...

Trailer zu "Luna" (Kinostart: 15.2.2018)

Der gelernte Dokumentarfilmer Johannes Sievert kombiniert bei seinem fiktionalen Regiedebüt "Rewind: Die zweite Chance" (Kinostart: 3. Mai) Krimikost mit einem Zeitreisetwist und bekam dabei Drehbuch-Unterstützung von Krimi-Koryphäe Dominik Graf ("Tatort: Der rote Schatten").

Der bislang eher für Dramen wie "Staudamm" (2013) bekannte Thomas Sieben legt mit "Kidnapping Stella" (noch ohne Starttermin) ein Remake des britischen Thrillers "Spurlos - Die Entführung der Alice Creed" (2009) vor und bietet den "Fack ju Göhte"-Stars Jella Haase und Max von der Groeben die klaustrophobische Kammerspielbühne, um sich den Fans mal von völlig anderer Genreseite zu zeigen.

Gleiches gilt für "Club der roten Bänder"-Beau Tim Oliver Schultz und "Ku'damm 56"-Schönheit Sonja Gerhardt, die als YouTuber in einer leerstehenden Klinikruine ihr tödliches Wunder erleben, wenn "Kartoffelsalat"-Regisseur Michael David Pate mit "Heilstätten" (Kinostart: 22. Februar) erstmals absichtlich das Grauen herauf beschwört...

Trailer zu Heilstätten" (Kinostart: 22.2.2018)

Hochspannung nach Vorlage

Zu den Newcomern zählen im Thriller-Bereich auch zwei etablierte Komödienregisseure, die bei ihrem Genrewechsel aber auf literarische oder historische Vorlagen vertrauen. Wobei Detlev Buck, der mit "Knallhart" (2006) schon einmal sein Gespür für Spannungskino unter Beweis gestellt hat, mit "Gorillas" (Kinostart: 8. März) seinem humorvollen Œvre halbwegs treu bleibt. Bei dem skurrilen Gangsterstück handelt es sich nämlich um die Verfilmung einer Kurzgeschichte des "Terror"- und "Schuld"-Autoren Ferdinand von Schirach, in der ein junger Kleinkriminelle (Samuel Schneider) nicht mehr vom Unterweltkönig gegängelt werden will und beschließt, selber den Thron zu besteigen.

Tatsächlich Schluss mit lustig ist bei Michael "Bully" Herbig. Der Herr der "Bullyparade" dreht mit "Ballon" (Kinostart: 27. September) seinen ersten, komplett humorfreien Thriller und erzählt die so wahre wie packende Geschichte zweier DDR-Familien, die mit einem Heißluftballon in die BRD geflohen sind. Für den notorischen Gute-Laune-Filmemacher eine Herzensangelegenheit: "Ich hab' mich viele Jahre mit dieser unfassbaren und Nerven aufreibenden Geschichte beschäftigt. Dieser Thriller ist de facto mein bisher größtes filmisches Abenteuer!"

Auch Oscar-Preisträger Florian Henckel von Donnersmarck ("Das Leben der anderen") wendet sich nach achtjähriger Regiestuhl-Abstinenz einem thrillerwürdigen DDR-BRD-Szenario nach wahren Begebenheiten zu. In seinem "Werk ohne Autor" (noch ohne Starttermin) schlüpft Tom Schilling in die Rolle des ostdeutschen und vom Krieg traumatisierten Künstlers Kurt Barnert, der nach seiner Flucht in den Westen seine Muse in der Kunststudentin Ellie (Paula Beer), aber feststellen muss, dass ihr Vater mehr mit seiner Biographie zu tun hat als er glaubt...

Teaser-Trailer zu "Werk ohne Autor" (Kinostart: 2018)

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