"The Disaster Artist" James Franco im Interview

In der Tragikomödie "The Disaster Artist" huldigt James Franco dem selbsternannten Filmemacher Tommy Wiseau, der 2003 mit "The Room" den schlechtesten Film aller Zeiten gedreht hat.

Bei den diesjährigen Golden Globes wurde James Franco für seine Leistung in "The Disaster Artist" (Kinostart: 1. Februar) als "Bester Darsteller" ausgezeichnet. Seine Darstellung des selbsternannten Filmemachers Tommy Wiseau ist in ihrer verstrahlt egomanischen Art tatsächlich preiswürdig. Doch seine Performance ist keine Persiflage, sondern eine Hommage. Denn für James Franco und seinen Bruder Dave ist Tommy Wiseau der personifizierte Inbegriff des Künstlers...

James und Dave Franco über "The Disaster Artist"

Darum geht's in "The Disaster Artist"

1998 träumt Greg Sesterau (Dave Franco) von einer Schauspielkarriere, der allerdings sein ausgeprägter europäischer Akzent im Wege steht. Desillusioniert macht er die Bekanntschaft von Tommy Wiseau (James Franco), der seinerseits davon träumt, mit seinem eigenen Geld einen Film zu drehen. In Los Angeles nehmen sie ihr Großprojekt namens "The Room" in Angriff, doch Tommys Entscheidung, als kompletter Laie nicht nur das Drehbuch zu schreiben, sondern auch die Regie und zweite Hauptrolle zu übernehmen, führt zu zahlreichen Komplikationen...

Trailer zu "The Disaster Artist" (Kinostart: 1.2.2018)

James Franco im Interview

GOLDENE KAMERA: Ist es Fügung oder ein Desaster, dass Sie in "The Disaster Artist" Tommy Wiseau spielen?

JAMES FRANCO: Tommy war so glücklich, als er hörte, dass ich ihn darstellen würde, denn sein großes Idol ist James Dean. Und ich habe für meine Rolle als James Dean im gleichnamigen Fernsehfilm 2002 meinen ersten Golden Globe gewonnen. In der Nacht, in der ich gewann, saß Tommy im Stau – verursacht durch die Straßensperrungen für die Golden Globes. Er war so frustriert, dass er sich kurzerhand entschloss, ins Kino zu gehen. Er sah "Der talentierte mr. Ripley,“ was zur Inspiration für seinen Film "The Room" wurde – auf dem mein Film "The Disaster Artist" basiert ist (lacht).

Wie gut kannten Sie Tommy vor diesem Film?

So gut wie überhaupt nicht. Ich erinnere mich an das große Plakat auf der Highland Avenue, das fünf Jahre lang für Hunderttausende Dollar von 2003 bis 2008 dort hing. Ich dachte, es gehört zu Hollywood wie das Kultstarlet Angelyne. Und ich wusste, dass er angeblich 6 Millionen Dollar in einen Film investiert hatte, der am Ende wie 60 Dollar aussah (lacht). Aber dann las ich das Buch "The Disaster Artist: My Life Inside The Room, the Greatest Bad Movie Ever Made“, das "The Room"-Co-Star Greg Sestero 2013 veröffentlicht hat. Mich faszinierte es, dass der Film für Tommy Wiseau so eine persönliche und ernste Sache war, "The Room" dann aber praktisch 14 Jahre lang nur ausgelacht und verspottet wurde. In "The Disaster Artist"machen wir uns nicht über Tommy lustig, sondern sympathisieren mit ihm.

Ist es Ihre Liebe für James Dean, die Sie mit Tommy verbindet?

Ja. Aber ich habe genetisch Glück gehabt und ähnele James Dean. Tommy sieht James Dean überhaupt nicht ähnlich! Aber er denkt, dass er James Dean sei (lacht). Ich habe mich allerdings für die Rolle von Tommy Wiseau genauso vorbereitet wie für die Rolle von James Dean, indem ich jede Minute damit verbrachte, ihren Stimmen zu lauschen. Ich hatte mir alle James-Dean-Filme angeschaut. Und ich habe "The Room" unaufhörlich studiert.

Fan-Made-Trailer zu "The Room" (2003)

Was ist Ihr eigener "The Room", das große Desaster in Ihrem Leben?

Als ich 2011 Host bei den Oscars war. Es zählte nie zu meinem Traum, die Oscars zu moderieren. Aber als sie mich dazu einluden, wollte ich natürlich mein Bestes geben. Leider war das Resultat alles andere als das, und die Kritik war sehr schmerzhaft. In der ersten Zeit danach habe ich mich in einem Hotel in New Haven verkrochen. Es war ein sehr emotionaler Schlag für mich. Andererseits konnte ich dadurch Tommy Wiseau verstehen. Für ihn war "The Room" sein Leben.

Interview: Anke Hofmann