Jennifer Lawrence: "'Red Sparrow' ist knallhart und bereitet Unbehagen"

Wir trafen Jennifer Lawrence zum Kinostart des Agententhrillers "Red Sparrow" (1. März 2018) zum Interview. Darin spielt sie die russische Sex-Agentin Dominika.

Darum geht's in "Red Sparrow

"Dein Körper gehört dem Staat!" Nachdem die hochbegabte russische Balletttänzerin Dominika Egorova (Jennifer Lawrence) durch das Komplott einer Konkurrentin schwer verletzt wurde und das Bolschoi verlassen musste, tritt sie in den Geheimdienst SWR ein – und wird gezwungen, auf die "Spatzenschule" zu gehen, auf der sie lernt, ihre sexuellen Reize einzusetzen, um Feinde zum Verrat zu motivieren. Ihr erster Einsatz gilt dem amerikanischen CIA-Agenten Nathaniel Nash (Joel Edgerton), der in Budapest auf seinen russischen Informanten wartet. Es beginnt ein langes Katzund-Maus-Spiel, bei dem sich die Frage stellt, ob Dominika als Doppelagentin zu den Amerikanern überlaufen oder tatsächlich nur den Informanten enttarnen will.

Trailer zu "Red Sparrow"

Francis Lawrence ("Die Tribute von Panem 2-4") verfilmte den Roman "Operation Red Sparrow" (2013) des früheren CIA-Agenten Jason Matthews.

Interview mit Jennifer Lawrence

Zum Kinostart verrät Hauptdarstellerin Jennifer Lawrence im Interview, dass sie als Schauspielerin genauso viel wagen wollte, wie ihre Figur es tun muss.

Was hat Sie in Ihrer Recherche über das Sparrow-Programm am meisten überrascht?

Dass es wirklich existierte! Das Sparrow-Programm wurde wirklich von der KGB eingesetzt - und auch von Amerika. Selbst Autor Jason Matthews, der den Roman "Operation Red Sparrow" schrieb und sich sein Leben und seine Karriere lang mit US-Russland Beziehungen und Spionage beschäftigte, glaubte, dass seine Geschichte fiktiv sei.

Waren oder sind Sie ein Fan des Spionage-Genres?

Ich finde Spionagefilme cool und aufregend. Und ich mag psychologische Krimis und Dramen. Aber oft ähneln sie sich zu sehr. Deswegen hat mich dieser Film so gereizt, denn in "Red Sparrow" bekommen wir eine neue Perspektive über internationale Spionage und über das Innenleben von Geheimdiensten zu sehen, über die normalerweise niemand zu reden wagt. Und es ist eine Geschichte, die von einem echten Spion geschrieben wurde!

Für diesen Film waren Sie bereit, sich zu entblößen. Wie nervös waren Sie beim Drehen dieser Szenen?

Es gab viele Dinge, die mich über "Red Sparrow" nervös machten. Mir war von Anfang an bewusst, dass ich mit dieser Rolle aufs Ganze gehen musste, oder jemand anderes Dominika Egorova darstellen würde, denn es gab keinen Weg um die Nacktszenen herum. Natürlich war ich dementsprechend nervös, vor allem weil ich praktisch mit (Regisseur) Francis Lawrence aufgewachsen bin. Selbst die Crew kannte ich schon von den "Hunger Games"-Filmen. Ich dachte, dass es dadurch umso peinlicher werden würde, aber am Tag der Dreharbeiten hatte ich so viel Unterstützung, dass ich mich fast schon wohl fühlte. Und danach habe ich mich sogar ermächtigt gefühlt, und fühle mich jetzt noch so.

Francis meinte allerdings, dass er die Szene umgeschrieben hätte, wenn Sie Nein zu den Nacktszenen gesagt hätten. Warum war es Ihnen so wichtig, dass Ihre Figur sich auszieht?

Ich kann keine Figur spielen, die mehr wagt als ich bereit bin aufs Spiel zu setzen. Die Handlung in "Red Sparrow" ist knallhart und wird vielen Kinobesucher Unbehagen bereitet. Damit der Film realistisch und gefährlich wirkt, musste ich bereit sein, an die Grenzen meiner Komfortzone zu gehen.

Welche anderen körperlichen Herausforderungen – außer Nudität – stellte dieser Film für Sie dar?

Vor den Dreharbeiten habe ich mich vier Monate lang drei Stunden pro Tag mit Balletttraining gequält, was sehr hart für mich war, denn leider wird man nicht über Nacht zur Primaballerina (lacht). Vor allem nicht ich! Aber es ging dabei weniger darum, zur perfekten Balletttänzerin zu werden, sondern mehr um Körperhaltung und mentale Disziplin. Und sobald die Ballettszenen im Kasten waren, habe ich als Belohnung erst einmal eine anständige Party geschmissen (lacht).

Interview: Anke Hofmann