Am Set von "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer"

Wir waren bei den Dreharbeiten der aufwendigen Kinderbuch-Verfilmung dabei und präsentieren exklusive Einblicke in die Entstehung des teuersten deutschen Films aller Zeiten!

"Eine Insel mit zwei Bergen und im tiefen weiten Meer, mit viel Tunnels und Geleisen und dem Eisenbahnverkehr" – wem geht bei diesem Song der Augsburger Puppenkiste nicht das Herz auf? Die TV-Version von "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" von 1976 hat die Kindheit vieler Generationen begleitet. Am 29. März kommt das Buch von Michael Ende aus dem Jahr 1960 erstmals ins Kino – und das für ein deutsches Rekordbudget von 25 Millionen Euro!

Trailer zu "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" (Kinostart: 29.3.2018)

GOLDENE KAMERA besuchte den Set in Babelsberg, sprach mit den Machern und fand heraus, dass die Verfilmung der Erlebnisse von Jim Knopf und Lukas ein riesengroßes – und risikoreiches – Abenteuer wurde.

Am Set von "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer"

Die Insel Lummerland entstand auf einer Fläche von 50 mal 60 Metern in Babelsberg. Wir betreten den Bahnhof, den Kaufladen von Frau Waas (Annette Frier), das Haus von Herrn Ärmel (Christoph Maria Herbst) – alles ist echt. Und detailgenau: Die Artikel, die im Song der Augsburger Puppenkiste genannt werden, stehen tatsächlich im Laden, also Hustenbonbons, Alleskleber, Regenschirme, Leberkas und mehr. Nur das Schloss von König Alfons dem Viertel-vor-Zwölften (Uwe Ochsenknecht) wird im Film durch Computertricks ergänzt.

"Seit 2002, als wir die Rechte an dem Buch bekamen, arbeiten wir an diesem Film", sagt Produzent Christian Becker ("Die Welle"). "Dies ist eine der letzten großen Geschichten, die noch nicht verfilmt wurde! Wir wollten erst auf Englisch drehen und haben 2012 in Sydney Shirley MacLaine die Rolle von Drache Frau Mahlzahn einsprechen lassen."

Zweimal wurde der Produktionsstart kurzfristig verschoben, aus 14 Millionen Budget wurden 25 Millionen – Hollywood- Dimensionen. "Ich dachte erst, wir essen dann von goldenen Tellern und wissen nicht, wohin mit dem Geld. Aber anders als in den USA geben wir nicht alles für die Stars aus, sondern streiten uns, ob ein Rad 120 Euro oder 160 Euro kosten darf, es ist also wie immer", so Christian Becker.

Inzwischen sind wir in der Marlene-Dietrich-Halle, in der einst "Metropolis" gedreht wurde, und sehen die größte und teuerste deutsche Filmkulisse aller Zeiten. In der Halle wurde das Königreich Mandala aufgebaut, das Findling Jim Knopf und Lukas auf ihrer Reise erreichen. Wir gehen die Treppe zum Palast empor und erleben am Set die Szene, in der die zwei Helden von den drei Bonzen verhört werden. "Ich weiß noch, wie die drei so komisch lachen – das war nicht im Buch enthalten, aber auf den Kassetten, die ich als Siebenjähriger hörte“, erinnert sich Regisseur Dennis Gansel.

Henning Baum, der Lukas spielt, kommt vorbei, mit Pfeife im Mund. "Die ist echt, die Versicherung kann mich mal", brummt der 45-Jährige. "Mir ist ein kluger Raucher lieber als 1000 dumme Nichtraucher!" Es gebe wichtigere Dinge als Sicherheit. "Und da kommen wir zu Michael Ende: Der Film ist ein Plädoyer für Fantasie. Wir können Kinder rational konditionieren, aber so werden sie keine glücklichen Menschen.“

Neben der Besetzung von Lukas war natürlich die von Jim Knopf extrem wichtig. "Solomon Gordon hat alle Qualitäten, die ich gesucht habe", sagt Dennis Gansel. "Dieses Aufgeweckte, das Neugierige, und dazu ein freundliches Wesen."

Jim und Lukas geraten in der Drachenstadt mal wieder in Gefahr – und GOLDENE KAMERA darf in das Klassenzimmer, in der Prinzessin Li Si angekettet ist. Frau Mahlzahn ist hier nur als Modell zu sehen, für den fertigen Film wird sie 14 Meter hoch per CGI entstehen. "Bis zwei Wochen vor Start arbeiten wir an den 700 Effekten", verrät Dennis Gansel. "Wir haben uns an den Illustrationen des Buchs orientiert, aber auch an der Augsburger Puppenkiste", so der Regisseur. "Dabei war für uns 'Harry Potter und der Gefangene von Askaban' Vorbild und Maßstab."

Die Lockerheit ist dabei aber nicht verloren gegangen. Henning Baum jedenfalls geht zurück an die Arbeit mit den Worten: "Maske auf, Kostüm an, fertig. Und dabei nie die Pfeife ausgehen lassen."