Kino-Event der Woche: "Ready Player One"

In Steven Spielbergs Verfilmung des gleichnamigen Sci-Fi-Bestsellers wird die Zukunft der Menschheit im Onlinespiel OASIS entschieden. Wir verraten, ob sich der Blockbuster-Trip in die virtuelle Realität lohnt und sprachen mit dem 71-jährigen Regisseur über seine Begeisterung für Videogames.

Auch wenn der zweifache Oscarpreisträger und GOLDENE KAMERA-Gewinner von 1999 in der Buchvorlage von Ernest Cline selber verballhornt wird – Steven Spielberg war für "Ready Player One" (Kinostart. 5. April) Feuer und Flamme. Und das ist auch kein Wunder, verbindet der Stoff doch Themen der Zukunft (Virtual Reality) mit denen der Vergangenheit (Popkultur der 1980er)...

Darum geht's in "Ready Player One"

2045. Die Welt steht am Abgrund, die Menschen fliehen vor der bitteren Realität in das gigantische Onlinespiel OASIS, in dem alles möglich ist. Deren Schöpfer James Halliday (Mark Rylance) starb vor fünf Jahren und hinterließ zuvor in der OASIS drei Schlüssel für ein "Easter Egg" – wer es findet, erhält 500 Milliarden Dollar und die Kontrolle über OASIS! Die Lösung liegt in der Vergangenheit von Halliday, der in den 1980ern aufwuchs. Der Teenager Wade Watts (Tye Sheridan) findet mit seinem Avatar Parzival den ersten Schlüssel und wird gnadenlos von der IOI-Corporation unter Leitung von Firmenchef Nolan Sorrento (Ben Mendelsohn) gejagt, der in der OASIS die Macht an sich reißen will. Mit seinen Onlinefreunde Art3mis (Olivia Cooke), Aech (Lena Waithe), Sho (Philip Zhao) und Daito (Win Morisaki) stellt sich Wade dem Kampf.

Trailer zu "Ready Player One" (Kinostart: 5.4.2018)

GOKA-Wertung

Steven Spielberg verfilmte den Bestseller von Ernest Cline – mit Änderungen. Das außergewöhnliche Bildergewitter macht trotz Länge und dem üblichen Spielberg-Pathos nicht nur Game-Fans Spaß. Highlights: Parzival und Art3mis beim heißen Onlinetanz und beim Herumirren durch das Hotel aus Kubricks "Shining" (1980).

Muss ich sehen, weil...
..."Ready Player One" grandiose Optik und jede Menge Anspielungen auf die 1980er bietet, die zum nostalgischen Schwelgen einladen.

Für Fans von...
...Chris Columbus' "Pixels" (2015) und den Schauwerten im Wachowski-Spektakel "Speed Racer" (2008).

Steven Spielberg im Interview zu "Ready Player One"

GOLDENE KAMERA: Inwieweit zeigt "Ready Player One" die Welt der Zukunft? Und: Welche Gefahren sehen Sie mit Virtual Reality als Fluchtweg aus dem Alltag?

STEVEN SPIELBERG: Als ich drei Jahre alt war, kauften sich meine Eltern ihren ersten Fernseher. Damals wurde sehr viel über Gefahren gesprochen: dass der Fernseher Menschen in Roboter oder Sklaven verwandeln würde. Dass der Zuschauer von dem blau-schwarz-weißen Licht des Bildschirms hypnotisiert werden würde. Zum Teil ist das ja auch wahr geworden. Das Gleiche gilt heute für VR. Wir könnten uns in einer Welt verlieren, die uns eine unbegrenzte 360-Grad-Sicht bietet anstelle der begrenzten Aussicht auf einen viereckigen Kasten. Diese Zukunftsvision verheißt sowohl Vergnügen als auch Schrecken – genau wie damals der Fernseher. (lacht) Der hat mir zum Glück nicht geschadet, sondern eine Karriere ermöglicht.

Ihr Film spielt in der Zukunft, ist aber voller Referenzen an die Popkultur der 1980er-Jahre. Warum?

Stimmt, die Handlung spielt 2045, aber stilistisch und kulturell ist "Ready Player One" sehr von der Musik, den Filmen, den TV-Serien und der Politik der 1980er beeinflusst. Es war eine kulturell bahnbrechende Dekade und zugleich eine politisch relativ ruhige und friedliche Zeit nach den großen Kriegen. Natürlich gab es auch Konflikte, aber verglichen mit den 1960ern oder der Gegenwart waren die 1980er relativ harmlos. Ernie Cline wählte diese Dekade für seinen Roman aus, weil er fühlte, dass sich 2011 im Jahr der Romanveröffentlichung viele nach dieser Ruhe und diesem Frieden sehnten. Und ebenso nach Haarstil und Mode der 80er, nach Duran Duran, Prince, Van Halen.

Und nach den Steven Spielberg Filmen von damals?

Im Buch gibt es zu viele Referenzen zu meinen Filmen, die ich entweder inszeniert oder produziert hatte. Wenn ich "Ready Player One" nicht unter meine Fittiche genommen hätte, hätte jemand zu viel Spielberg in dieses Projekt gesteckt (lacht). Aber Kontrolle war nicht der Grund, warum ich Regie führen wollte. Und Eitelkeit erst recht nicht. Deswegen wird der Zuschauer in "Ready Player One" nur sehr wenige Spielberg Referenzen finden aber sehr viele Hinweise auf Werke von anderen Künstlern der 80er Jahre. Aber dass Ernie von meinen Filmen inspiriert war, hat mich natürlich sehr stolz gemacht.

Ihre Jungstars haben behauptet, dass Sie am Set derjenige waren, der mit dem Atari-Joystick am besten umgehen konnte. Sind Sie ein Gamer?

Ich bin ein Gamer! Letztes Jahr hatte ich allerdings keine Zeit zum Spielen, weil ich neben "Ready Player One" auch noch "Die Verlegerin" gedreht habe. Mein erstes Videogame war "Pong". 1974 während der Dreharbeiten von "Der weiße Hai" haben Richard Dreyfuss und ich uns jeden Abend auf unsere Fahrräder gesetzt und sind 20 Minuten zum Spielsalon nach Oak Bluffs gefahren, um "Pong" zu spielen. Er war rechts und ich links, und wir haben alle unsere 25-Cent-Stücke für dieses Spiel ausgegeben. Das war die Geburt der Videospiel-Industrie. Danach habe ich wirklich jeden Trend mitgemacht: Atari, Nintendo. Ich habe "Dig Dug", "Asteroids", "Defender", "Pacman" und alle anderen Spiele gespielt.

Wird es je einen zweistündigen Kinofilm in VR geben?

Nein. Eines Tages wird Virtual Reality attraktiv für das Massenpublikum sein, aber nicht in Form eines Kinofilms. Um der Handlung eines Films zu folgen, muss die Aufmerksamkeit vom Regisseur gelenkt werden, der Zuschauer hat dann nicht mehr die freie Wahl, überall herumzuschauen.

Interview: Anke Hofmann

Family Business in der Traumfabrik

An diesen Schauspielerfamilien kommen die Produzenten derzeit nicht vorbei, wenn eine Rolle zu besetzen ist. GOLDENE KAMERA stellt die aktuell wichtigsten Hollywood-Clans vor.
Mehr lesen