Kino-Event der Woche: "A Beautiful Day"

In Cannes wurde die Romanverfilmung von Lynne Ramsay ("We Need to Talk About Kevin") als neuer "Taxi Driver" gefeiert. Jetzt kommt ihr finsteres Thriller-Drama mit Joaquin Phoenix endlich auch bei uns ins Kino.

Ein knappes Jahr ist es her, dass die schottische Autorenfilmerin Lynne Ramsay und der amerikanische Charaktermime Joaquin Phoenix ("The Master") bei den Filmfestspielen von Cannes ihre Auszeichnungen für "Bestes Drehbuch" und "Bester Hauptdarsteller" präsentieren durften. Eine höchst verdiente Ehrung, erweist sich Ramsays Adaption von Jonathan Ames' Roman "You Were Never Really Here", die ab dem 26. April als "A Beautiful Day" im Kino läuft, doch als herausfordernde Tour de Force für Hauptdarsteller und Publikum...

Darum geht's in "A Beautiful Day"

Joaquin Phoenix spielt den traumatisierten Kriegsveteranen Joe, der sich in New York als brutaler Killer für Schläge gegen die Unterwelt verdingt, wenn er sich nicht um seine demente Mutter (Judith Robert) kümmert. Als er vom Korrupten Senator Votto (Alex Manette) angefleht wird, seine Tochter aus einem exklusiven Pädophilen-Bordell zu befreien, gerät Joes düstere Alptraumwelt noch weiter aus den Fugen. Denn kaum dass er Nina (Ekaterina Samsonov) aus ihrer misslichen Lage befreit hat, muss Joe erkennen, dass er sich mit einer Organisation angelegt hat, deren Verbindungen bis in die höchsten gesellschaftlichen Kreise reicht.

Trailer zu "A Beautiful Day" (Kinostart: 26.4.2018)

GOKA-Wertung

Was sich wie die Arthouse-Antwort auf Liam Neesons Rachefeldzug im Action-Reißer "96 Hours" oder Luc Bessons "Léon – Der Profi" liest, kommt als Film noch konsequenter daher. Denn Regisseurin Lynne Ramsay konzentriert sich in "A Beautiful Day" darauf, mit dem Subgenre des Rachethrillers einhergehende Erwartungshaltungen gezielt zu unterwandern. Statt die visuelle Wucht drastischer Gewaltdarstellungen auszukosten, lässt sie ihren mit einem Hammer bewaffneten Antihelden abseits des Bildzentrums zuschlagen oder schneidet nach einem klassischen Spannungsaufbau direkt auf die Resultat der Schreckenstat.

Mit dem zurecht in Cannes ausgezeichneten Joaquin Phoenix hat sich Ramsey für ihren Anti-Thriller den perfekten Schauspieler ausgesucht. Denn der 43-Jährige versteht es, mit introvertiert reduziertem Spiel die Seelenqualen, die Joe plagen und durch eingestreute Flashbacks nach und nach biografischen Resonanzraum erhalten, schmerzlich spürbar zu machen. Auch die Tragik eines Mannes, der in seinen Gewaltexzessen vergeblich seelische Erlösung sucht, wird dank Phoenix greifbar und verwandelt seine vielleicht bislang stärkste Rolle in ein fleischgewordenes Filmsinnbild dafür, dass selbst gerechtfertigter Gewalt keine Katharsis innewohnt.

Muss ich sehen, weil...
..."A Beautiful Day" kein klassischer Rachethriller, sondern das packende Psychogramm einer verlorenen Seele ist.

Für Fans von...
...Nicolas Winding Refns "Drive" (2011) und Chan-wook Parks "Old Boy" (2003)

Das größte Kino-Crossover aller Zeiten: "Avengers: Infinity War"

Am 26. April treffen im dritten "Avengers"-Spektakel 64 (!) Hauptfiguren aus dem Marvel Cinematic Universe aufeinander. Wir trafen das Regie-Duo Joe und Anthony Russo sowie die Superhelden Doctor Strange (Benedict Cumberbatch), Spider-Man (Tom Holland), Hulk (Mark Ruffalo) und Black Panther (Chadwick Boseman) zum Gespräch.
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