Kino-Event der Woche: "7 Tage in Entebbe"

Im historischen Politthriller "7 Tage in Entebbe" des brasilianischen Regisseurs José Padilhas ("Tropa de Elite") entführen Daniel Brühl und Rosamund Pike als deutsches Terroristen-Duo ein Flugzeug voller israelischer Reisender.

Als Produzent der Netflix-Serien "Narcos" und "The Mechanism" hat sich José Padilha als Experte für die Kombination von mitreißender Inszenierung und gesellschaftspolitischem Kommentar etabliert. Mit seinem auf wahren Begebenheiten beruhenden Politthriller "7 Tage in Entebbe", der auf der Berlinale Premiere feierte und ab dem 3. Mai in unseren Kinos läuft, beweist der brasilianische Filmemacher nun zusätzlich, dass ein über 40 Jahre altes Ereignis brandaktuell sein kann...

Darum geht's in "7 Tage in Entebbe"

Am 27. Juni 1976 entführen die deutschen Terroristen Brigitte Kuhlmann (Rosamund Pike) und Wilfried Böse (Daniel Brühl) mit zwei Kampfgefährten der Volksfront zur Befreiung Palästinas den "Air France"-Flug 139 von Tel Aviv nach Paris und zwingen den Piloten, die Maschine auf dem Flughafen des ugandischen Entebbe zu landen. Unter Schutz des Diktators Idi Amin (Nonso Anozie) halten Böse & Co. 105 überwiegend jüdische Passagiere in einem alten Terminal gefangen, um von Israel die Freilassung palästinensischer Gefangener zu erpressen. Dort kann sich Verteidigungsminister Schimon Peres (Eddie Marsan) gegen den verhandlungsbereiten Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin (Lior Ashkenazi) durchsetzen und startet die militärische Befreiungsaktion "Operation Thunderbolt"...

Trailer zu "7 Tage in Entebbe"

GOKA-Wertung

Die siebentägige Zerreißprobe, die mit der Befreiung von 102 Geiseln und Tötung aller Geiselnehmer endete, wurde bereits in den US-Filmen "Unternehmen Entebbe" (1976) und "...die keine Gnade kennen" (1976) sowie in der für den Auslands-Oscar nominierten israelischen Produktion "Operation Thunderbolt" (1977) verfilmt.

Am Beispiel von Daniel Brühl, der in "7 Tage in Entebbe" als Wilfried Böse das filmische Erbe von Helmut Berger, Horst Buchholz und Klaus Kinski antritt, lässt sich gut ablesen, dass Regisseur Padilhas weniger auf martialische Kraftmeierei als auf ambivalente Töne setzt. Denn wenn dem Mitbegründer der Revolutionären Zellen bei der Selektierung der jüdischen Geiseln Zweifel an ihrer Aktion kommen, spiegelt dies den Versuch wieder, alle Akteure als ihrer Sache verpflichtete aber zugleich facettenreich-meschliche Figuren und nicht als schwarz-weiß gezeichnete Abziehbilder zu charakterisieren.

Aufführung des Tanzstücks "Echad Mi Yodea" der Batsheva Dance Company

Auch die von Padilha als Parallelhandlung stylisch ins Geschehen montierte Probe und Aufführung des Tanzstücks "Echad Mi Yodea" von Ohad Naharin, in dem die von Schmerzen und Freude begleitete Selbstermächtigung des jüdischen Volkes thematisiert wird, trägt dazu bei, über die Fakten des historischen Geschehens hinauszuweisen. Und auch wenn die aufgrund der Personalfülle notwendige Verknappung der Erzählung den komplexen politischen Implikationen nicht umfassend gerecht wird: Um beim Kinopublikum das Bewusstsein für den noch immer brodelnden Nahostkonflikt zu schärfen, funktioniert "7 Tage in Entebbe" einwandfrei.

Muss ich sehen, weil...
...José Padilhas ambitionierter Politthriller unter die Haut geht, ohne reißerisch zu sein.

Für Fans von...
..."Carlos – Der Schakal" (2010) und der Serie "Homeland" (seit 2011).

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