Charlize Theron: "Ich flippe täglich aus!"

Wenn Mama Hilfe braucht: Charlize Theron brilliert in der Komödie "Tully" (Kinostart: 31. Mai) neben Mackenzie Davis, die die gleichnamige Titelheldin mimt.

Darum geht's in "Tully"

Margo (Charlize Theron) ist mit zwei Kindern schon überfordert, als das dritte Baby kommt. Verzweifelt engagiert sie eine "night nanny", die über Nacht bleibt. Und Tully (Mackenzie Davis) – jung, sexy, cool – vollbringt wahre Wunder. Margo fühlt sich wieder wie eine Frau, nicht mehr wie ein Muttertier. Aber wie geht es weiter, wenn Tully nicht mehr kommt? Am Ende überrascht die ernste Komödie mit einem Clou, der vielleicht nicht jedem gefällt – aber er kommt wirklich unerwartet.

Wir trafen die Hauptdarstellerinnen Charlize Theron und Mackenzie Davis zum Videotalk:

Die "Tully"-Stars Charlize Theron und Mackenzie Davis VIdeo-Talk

Interview mit Charlize Theron

In "Young Adult" (2011), dem letzten Projekt von Autorin Diablo Cody und Jason Reitman, spielte Theron eine verhärmte Beauty-Queen, hier glänzt sie wunderbar fertig als Vollzeit-Mami. Wir trafen die 42-jährige Schauspielerin zum Interview.

Wie schlimm muss es kommen, bis Sie ausflippen?

Ich flippe täglich aus. Wenn morgens der Wecker um 5.45 Uhr klingelt, könnte ich mich erhängen (lacht), weil meine zwei Kinder um zehn vor sieben fertig für den Schulbus sein müssen. Ich schaffe es gerade noch Jogginghose, T-Shirt und Birkenstocks anzuziehen, aber fürs Zähneputzen habe ich oft keine Zeit mehr. Jeden Morgen überkommt mich die Panik, dass meine Sprösslinge den Bus verpassen. Aber sobald sie weg sind, kann ich wieder aufatmen. Und obwohl mein Start in den Tag sehr hektisch ist, wollte ich es mit nichts in der Welt tauschen! Ich liebe es, dass ich abends um 20.45 Uhr erschöpft ins Bett falle.

Wie sorgen Sie dafür, dass Sie selber nicht zu kurz kommen?

Die Gesellschaft drängt Frauen eine Rolle auf, die unmöglich zu erfüllen ist. Ich selbst habe keine Schwangerschaft oder postnatale Depression erlebt, aber ich habe gesehen, wie hart diese Phase für Freunde war. Wie sie nicht mehr wussten, wer sie selbst waren sobald sie Kinder hatten, und sich fragten: "Bin ich jetzt nur Mutter und sonst nichts mehr?" Es ist so wichtig und sogar gut für ein Kind, dass sich Eltern auch Zeit für sich selber nehmen. Wenn meine zwei Kleinen in der Schule sind, mache ich genau das. Ich gehe ins Büro und entwickel neue Projekte, damit erfülle ich meine kreative Leidenschaft. Ich möchte so auch ein Vorbild für meine Kinder sein, genau wie meine Mutter mich geprägt hat, wenn ich sie zur Arbeit habe gehen sehen. Natürlich ist es sehr wichtig, dass man die richtige Balance zwischen Berufstätigkeit und Mutter findet.

Wer ist Ihre Tully in Ihrem Leben?

Meine Mutter! Und ich ziehe meine Kinder mit sehr vielen Freunden und Bekannten - Frauen und Männer - auf. Keiner schafft es ganz allein. Jedem reißen mal die Nerven, und dann ist man froh, wenn man jemanden hat, der sich fünf Minuten um die Kinder kümmern kann, bis man sich wieder gefasst hat.

Wie hat sich Ihre Beziehung zu Ihrer Mutter verändert seitdem Sie selbst Kinder haben?

Bevor ich Kinder hatte, fühlte ich mich immer wie ein Teenager, der sich vor seiner Mutter rechtfertigen muss. Nicht, dass sie mich nicht wie eine Erwachsene behandelt hätte, aber ich hatte manchmal den Eindruck, dass sie nicht all meine Lebensentscheidungen befürwortete. Aber jetzt spüre ich, dass sie mich als Mutter zweier kleiner Mäuse akzeptiert und ernst nimmt. Und ich bin so froh, dass sie immer für meine Kinder da ist. Es gibt nichts Magischeres im Leben als die Beziehung zwischen Enkel und Großeltern!

In "Tully" spielen Sie eine Mutter von drei Kindern. Hat Ihnen das Appetit auf mehr gemacht?

Mein Motto ist: Jedem das Seine. Wenn jemand eine große Familie haben will, heiße ich das herzlichst willkommen. Aber ich fühle mich komplett mit zwei Kindern!

Interview: Anke Hofmann