Der Anfang vom Ende der Gesellschaft: "The First Purge"

Unser Kino-Event der Woche: Gerard McMurrays Survival-Horror-Prequel zu den Blockbustern der "Purge"-Reihe über das erste staatlich legitimierte Säuberungsexperiment in den USA.

Seit James DeMonaco 2013 "The Purge – Die Säuberung" auf ein unvorbereitetes Publikum losließ, hat sich seine Schreckensvision über staatlich kontrollierten Mord und Totschlag zu einem der Top-Franchises im Horror-Genre gemausert. Das Prequel "The First Purge" (ab 5. Juli im Kino) erzählt jetzt die Vorgeschichte und spiegelt dabei ein politisches Klima wieder, das uns momentan sehr bekannt vorkommen dürfte.

Darum geht's in "The First Purge"

Kaum stellt die Partei "Neue Gründungsväter Amerikas" die US-Regierung, gibt der neue Präsident für ein soziales Experiment grünes Licht, mit dem Dr. Updale (Marisa Tomei) die hohe Kriminalitätsrate im Land senken will. Für 12 Stunden sind im New Yorker Stadtteil Staten Island alle Verbrechen inklusive Mord erlaubt. Als Anreiz erhalten Bewohner, die nicht das Weite suchen, eine Prämie. Doch statt sich im großen Stil gegenseitig abzumurksen, feiern die Purge-Gegner lieber eine große Party. Erst als die Regierung verkleidete Killerkommandos nach Staten Island schickt, beginnt das Experiment wie gewünscht zu eskalieren.

Trailer zu "The First Purge" (Kinostart: 5.7.2018)

GOKA-Wertung

Dass "Purge"-Schöpfer DeMonaco die Inszenierung seines Prequels an den Afroamerikaner Gerard McMurray abgetreten hat, verleiht "The First Purge" einen politischen Grundton, der sich von den schrillen Vorgängern "The Purge: Anarchy" (2014) und "The Purge: Election Year" (2016) spürbar unterscheidet.

Der Regisseur des Netflix-Dramas "Burning Sands" richtet seinen erzählerischen Fokus nämlich nicht auf die (notgedrungen blass bleibende) Architektin des Experiments, sondern auf die Opfer dieses populistisch befeuerten Genozids an unerwünschten Bevölkerungsgruppen – stellvertretend und mitreißend verkörpert von Lex Scott Davis, die sich als ex-kriminelle Aktivistin Nya um ihren unbescholtenen und um sozialen Aufstieg bemühten Bruder Isaiah (Joivan Wade) sorgt.

Als zurückschlagender Ghetto-Gangster Dmitri, der beim Versuch, seine Ex-Freundin Nya zu retten, keine Gefangenen macht, bringt Newcomer Y'lan Noel zusätzlich nicht nur Black-, sondern auch coole B-Movie-Power ins Spiel. Und so erweist sich "The First Purge" trotz seines vergleichsweise behäbigen Beginns als wütende Gesellschaftskritik mit hohem Unterhaltungswert.