Überlebenskampf fürs Herz: "Die Farbe des Horizonts"

In unserem Kino-Event der Woche geraten die Jungstar Shailene Woodley und Sam Claflin als segelndes Paar in einen Hurrikan. Wir verraten, wie die Verfilmung einer wahren Begebenheit geworden ist und trafen die Hauptdarsteller zum Gespräch.

Für das romantische Survival-Drama "Die Farbe des Horizonts" (Kinostart: 12. Juli), das auf den realen Erlebnissen der Autorin Tami Oldham Ashcraft basiert, sind Shailene Woodley ("Divergent") und Co-Star Sam Claflin ("Die Tribute von Panem") bis ans Limit gegangen – selbst wenn es nur gespielt war...

Shailene Woodley und Sam Claflin über "Die Farbe des Horizonts"

Darum geht's in "Die Farbe des Horizonts"

Oktober 1983. Nach ihrem Schulabschluss jobbt die junge US-Surferin Tami Oldham (Shailene Woodley) auf Tahiti und verliebt sich in den erfahrenen britischen Segler Richard Sharp (Sam Claflin). Gemeinsam will das Pärchen für 10 000 Dollar Prämie die Yacht "Hazana" von Tahiti nach San Diego überühren und gerät dabei in einen Hurrikan mit bis zu 140 Knoten Windgeschwindigkeit. Eine große Welle bringt das Schiff zum Kentern. Tami schlägt mit dem Kopf auf und ist 27 Stunden lang bewusstlos, Richard wird über Bord gespült – doch Tami sieht später am Horizont das Rettungsboot der "Hazana"...

Trailer zu "Die Farbe des Horizonts"

GOKA-Wertung

Der isländische Regisseur Baltasar Kormákur ("Everest") verfilmte das Buch "Red Sky in Mourning" von Tami Oldham Ashcraft (die auch kurz im Film auftritt) nach wahren Ereignissen. Die "Hazana" trieb 1500 Meilen in Richtung Hawaii. Motor, Navigations- und Kommunikationsgeräte funktionierten nicht mehr, und als Proviant an Bord waren nur noch Dosenessen, Erdnussbutter, Hot Sauce und Bier.

Tami Oldham Ashcraft über "Die Farbe des Horizonts"

Die Geschichte erinnert natürlich stark an "All is Lost – Überleben ist Alles" mit Robert Redford, nur dass diesmal zwei knackige Jungstars ums Überleben im Meer kämpfen. Die in vielen Rückblenden erzählte Lovestory ist sehr süß, die Action passt, der Film wird emotional durch die starke Shailene Woodley getragen. Wichtig: Kinofans, die sich überraschen lassen wollen, sollten das Buch von Tami Oldham Ashcraft vorab nicht lesen! Denn am Schluss wartet "Die Farbe des Horizonts" mit einem Knaller auf, der eines Films wie "Life of Pi" oder "The Sixth Sense" würdig gewesen wäre.

Shailene Woodley im Interview

GOLDENE KAMERA: Was haben Sie durch diese Rolle über sich selbst gelernt?

SHAILENE WOODLEY: Oh Mann! Ich staune darüber, dass ich diesen Dreh überlebt habe. Wir haben Stunden auf offener See verbracht, und Sam und ich mussten trotz extrem körperlicher Anstrengung auch noch abnehmen, damit wir ausgemergelt aussahen. Wir konnten also nicht sehr viel essen. Aber statt erschöpft zu sein, fühlten wir uns von unserer eigenen Ausdauer und Kompetenz beflügelt. Im Ozean zu schwimmen oder zu segeln ist auch sehr inspirierend, weil man sich der Macht von Mutter Natur bewusst wird. Denn Wasser kann unser Freund sein oder uns in Sekundenschnelle verschlingen.

Welches Verhältnis hatten Sie zu Wasser und Segeln vor diesem Film?

Ich war und bin schon immer eine Wasserratte! Meine einzige Erklärung für meine Liebe für das nasse Element – egal ob Ozeane, Seen, Flüsse oder sogar der Regen – ist, dass ich im Wasser geboren wurde.

Hatten Sie als "geborene Wasserratte" dann überhaupt Probleme mit Seekrankheit?

Ich bin mit Bootfahren aufgewachsen – allerdings auf Seen und nicht auf dem Meer. Ich kam also zum Set mit der Einstellung: "Das mache ich mit Links!" Aber die einzigen, die an unserem ersten Drehtag auf hoher See noch auf Deck standen, waren Regisseur Baltasar Kormákur und Kameramann Robert Richardson. Alle anderen – inklusive ich – waren in ihren Kabinen am Kotzen (lacht). Wir haben auf die harte Tour gelernt, dass man nicht mit leeren Magen segeln sollte! Danach haben wir jeden Morgen gefrühstückt und Tabletten zur Vorbeugung gegen die Seekrankheit geschluckt.

Können Sie sich vorstellen, wie es Tami Oldham Ashcraft gelungen ist, diesen Hurrikan der Stärke 4 zu überleben?

Im Kampf um Leben und Tod gibt es nur eine Wahl: entweder man kämpft oder man gibt auf. Das Überleben hängt weniger von der körperlichen Kondition oder seinen Fähigkeiten ab, sondern ist ein mentaler Kampf.

Was wussten Sie über Tamis 41-tägigen Überlebenskampf im Jahre 1983?

Nichts. Ich war ja noch nicht geboren, als Hurrikan Raymond Tami und ihren Verlobten Richard Sharp überraschte. Aber ich kannte die Drehbuchautoren Aaron und Jordan Kandell. Jordans Frau war meine Lehrerin am Set, als ich 2011 "The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten" auf Hawaii drehte. Die Brüder schrieben diese Rolle extra für mich, weil sie meine Liebe für das Meer kannten.

Während ich das Drehbuch las, konnte ich einfach nicht aufhören zu weinen. Die Geschichte sprach mich unheimlich an. Also las ich sofort auch Tamis Buch und habe mir danach alle Dokumentationen und Interviews darüber angeschaut. Ich habe angefangen, Tami zu emailen und haben uns dann zum ersten Mal via Skype getroffen. Aber umarmen konnte ich sie erst, als sie uns am Set auf Fidschi zwei Wochen lang besucht hat.

Interviews: Anke Hofmann