"Sicario 2"-Star Josh Brolin: "Benicio Del Toro und ich sind wie Brüder"

Im zweiten Teil der finsteren Drogenkrieg-Saga "Sicario" kehren Josh Brolin als CIA-Agent und Benicio Del Toro als Auftragskiller ins Kino zurück. Warum sie beide von einer 17-Jährigen an die Wand gespielt wurden und er privat keinen guten Killer abgeben würde, verriet uns Brolin im augenzwinkernden Interview.

2018 scheint das Kinojahr des Josh Brolin zu werden. Nach Hauptrollen in "No Way Out: Gegen die Flammen", "Avengers: Infinity War" und "Deadpool 2" kehrt der 50-jährige Kalifornier in "Sicario 2" (Kinostart: 19. Juli) zu einer abgründigen Paraderolle zurück, die ihn nicht nur mit seinem Schauspielfreund Benicio Del Toro wiedervereint, sondern auch facettenreicher ist, als man auf den ersten Blick denkt...

"Sicario 2": Josh Brolin im Video-Talk

Darum geht's in "Sicario 2"

In den USA werden Selbstmordattentate offenbar von islamistischen Terroristen durchgeführt, die illegal über Mexiko einreisen. Die US-Regierung beauftragt den CIA-Agenten Matt Graver (Josh Brolin), die dafür verantwortlichen mexikanischen Drogenkartelle unter Druck zu setzen. Gemeinsam mit dem Auftragskiller Alejandro Gillick (Benicio Del Toro) entführt Graver die 16-jährige Tochter (Isabela Moner) eines Drogenbosses und verschleppt sie heimlich in die USA, um einen Kartellkrieg auszulösen. Doch als zur Spurenverwischung auch Isabel liquidiert werden soll, kommt es zwischen den beiden langjährigen Black-ops-Weggefährten zum Konflikt...

Trailer zu "Sicario 2" (Kinostart: 19.7.2018)

Josh Brolin im Interview

GOLDENE KAMERA: "Sicario 2" ist Ihr erstes Sequel. Hatten Sie Bedenken?

JOSH BROLIN: Bevor wir Ja sagten, haben Benicio und ich telefoniert und uns gegenseitig gefragt: "Sollen wir noch einen 'Sicario' drehen?“ Wir haben den ersten Film geliebt, worüber wir sehr überrascht waren, denn während des Drehs hatten wir kein Gespür dafür, ob er gut oder schlecht werden würde.

Trailer zu "Sicario" (2015)

Die gleiche Figur noch einmal darzustellen ist beängstigend, denn man weiß nie, ob die zweite Erfahrung genauso gut wie die erste sein wird. Aber zum Glück hatten wir eine Handlung, die nicht nur keine Kopie, sondern ganz anders war. Und wir hatten mit Stefano Sollima einen neuen Regisseur, der eine neue Perspektive mitbrachte.

Wie hat sich die Beziehung zwischen dem von Benicio gespielten Alejandro und Ihrem CIA-Agenten Matt verändert?

Unsere Figuren waren im ersten Film sehr emotionslos. Aber in "Sicario 2" nimmt die Handlung für beide eine sehr persönliche Wendung und es steht wesentlich mehr auf dem Spiel.

"Sicario 2": Benicio Del Toro im Video-Talk

Hinter der Kamera sind Sie und Benicio aber dicke Freunde, oder?

Benny und ich haben uns gegen Ende der 1980er Jahre kennen gelernt. Es war Liebe auf den ersten Blick! (lacht) Aber nach sechs Monaten haben wir festgestellt, dass wir doch nicht so gut zusammen passen und uns wieder getrennt. Es war eine sehr leidenschaftliche Trennung, aber als professionelle Schauspieler haben wir uns entschlossen, unsere persönlichen Gefühle füreinander hintenan zu stellen und uns wie echte Erwachsene zu verhalten, damit wir weiter miteinander arbeiten können. (lacht)

Aber jetzt im Ernst: Zum ersten Mal haben wir 1987 in der Serie "Private Eye“ zusammengearbeitet. Später hat mir ein Produzent erzählt, dass Benicio und ich beim Vorsprechen die schlechtesten Schauspieler waren, weil wir zu viel experimentiert haben. (lacht) Aber das hat uns wahrscheinlich zusammen geschweißt. Wir hatten sehr viel Respekt füreinander, wollten uns aber gegenseitig auch übertrumpfen. Jetzt sind wir älter und weiser. Wir sind wie Brüder, die sich vertrauen können. Vor sieben Monate hat er mir getextet: "Ich vermisse, es mit dir zu tun." Und er meinte die Arbeit, nicht den Sex! (lacht)

Im Film dreht es sich allerdings nicht nur um Alejandro und Matt, sondern auch um ein junges Mädchen namens Isabel. Sie haben auch sehr jung im Showbusiness begonnen. Haben Sie Isabela Moner ein paar Tipps gegeben?

Das war alles andere als notwendig. Sie kam zum Set, natürlich mit Handy in der Hand. Eine Sekunde vor Aufnahme gab sie das Handy ihrer Mutter und sobald sie "Action" hörte, fing sie auf Anhieb an, Rotz und Wasser zu heulen. Benny und ich schauten uns nur geschockt an: Wie ist das verdammt noch mal möglich? Wir versuchen das schon seit mehr als 30 Jahren und können es immer noch nicht! (lacht) Um uns zum Heulen zu bringen, müssen wir uns vorher selber ohrfeigen, kneifen oder die Hand ins Feuer legen!

Interview: Anke Hofmann / Synopsis: Oliver Noelle