Jodie Foster: "Ich habe kein Problem mit dem Älterwerden"

Im Action-Thriller "Hotel Artemis" spielt Jodie Foster eine in die Jahre gekommene Krankenschwester, die ein Hospital für Verbrecher führt. Warum sie diese Transformation besonders gereizt hat, verriet uns die 55-jährige Oscar-Preisträgerin im Gespräch.

Sie hat als minderjährige Prostituierte "Taxi Driver" Robert De Niro verzaubert und als wackere FBI-Agentin dem Kino-Kannibalen Hannibal Lecter Paroli geboten. Im retro-futuristischen Action-Thriller "Hotel Artemis" (ab 26. Juli im Kino) schlüpft Jodie Foster nun in die Rolle einer betagten Krankenschwester für Kriminelle – ein Part, bei dem die zweifache Oscar-Gewinnerin ("Angeklagt", "Das Schweigen der Lämmer") und GOLDENE KAMERA-Preisträgerin 1996 nicht nur ihre Liebe für Los Angeles, sondern auch ihren "Chefin im Ring"-Habitus ausleben konnte...

Jodie Foster und Dave Bautista über "Hotel Artemis"

Darum geht's in "Hotel Artemis"

Während Los Angeles im Jahre 2028 in Unruhen versinkt, überfällt Gangster Sherman (Sterling K. Brown) mit seinem Bruder einem Bank, werden aber bei einem Shootout mit der Polizei angeschossen. Sie flüchten sich ins neutrale Verbrecherkrankenhaus "Hotel Artemis", das nach strengen Regeln von der alten Krankenschwester Thomas (Jodie Foster) und ihrem Pfleger Everest (Dave Bautista) geführt wird und wo Sherman passend zum Namen seiner Suite den Code-Namen "Waikiki" verpasst bekommt.

Sofia Boutella und Charlie Day über "Hotel Artemis"

Während sein Bruder notoperiert wird, macht Sherman die Bekanntschaft des rassistischen Waffenschiebers Acapulco (Charlie Day) und trifft seine alte Flamme, die französische Auftragskillerin Nice (Sofia Boutella) wieder, die im "Artemis" ganz eigene Ziele verfolgt. Als dann auch noch Gangsterboss Orion "Wolfking" Franklin unter dem Code-Namen "Niagara" von seinem aufbrausenden Sohn Crosby (Zachary Quinto) eingeliefert wird, gerät die angespannte Situation im Hotel-Hospital außer Kontrolle, denn Sherman hatte beim Überfall unwissentlich den Wolfking um Diamanten im Wert von 18 Millionen Dollar erleichtert...

Trailer zu "Hotel Artemis" (Kinostart: 26.7.2018)

Jodie Foster im Interview zu "Hotel Artemis"

GOLDENE KAMERA: Diese Rolle in "Hotel Artemis" ist eine der ungewöhnlichsten in Ihrer Karriere. Was hat Sie an der Figur der Krankenschwester gereizt?

JODIE FOSTER: Das ist doch der Spaß an der ganzen Sache, oder nicht? Ich liebe es, wie originell der Film ist! Ich bin es nämlich leid, immer die gleichen alten Mainstream-Franchise-Schinken im Kino zu sehen. "Hotel Artemis" ist eine wunderschöne Kombination der Nostalgie des klassischen Wong Kar-Wai Universums mit der "Kick Ass"-Energie der modernen Blockbuster.

Ich hatte meine Finger durch geheime Quellen an das Drehbuch bekommen, bevor es offiziell war, und sofort darum gekämpft. Ich bin sehr wählerisch, was meine Rollen betrifft, und es dauert oft Jahre, bevor ich eine Figur finde, die mich interessiert. Krankenschwester Thomas gefiel mir auf Anhieb, weil es eine Figur war, die ich noch nie dargestellt hatte und für die ich mich körperlich sehr verändern musste. Und die in einer Welt lebt, die mir total fremd war: Alkohol, Drogen, der Verlust eines Kindes und ein selbstgeschaffenes Gefängnis, denn meine Figur hat in den letzten 20 Jahren keine Fuß nach draußen in die Gesellschaft gesetzt. Wer weiß, wovon sie sich die ganze Zeit ernährt hat! (lacht)

Apropos Transformation: Regisseur Drew Pearce behauptet, dass Ihr Film-Make-up so echt aussah, dass alle am Set dachten, dass Sie sich im Alter nicht gut gehalten hätten...

(lacht) Ich würde ja gerne lügen und sagen, dass ich jeden Morgen stundenlang im Make-up-Sessel sitzen musste, um mich so auf alt zu schminken, aber es ging schneller als mir lieb war! Aber es waren nicht nur die perfekten handgezeichneten Falten meiner genialen preisgekrönten Maskenbildnerin Lois Burwell, die meine Alters-Transformation so echt wirken ließ, sondern auch der schlurfende Gang, die falschen Fettpolster unter dem Kostüm, die extra Pfunde am Busen, die gelben Zähne und die graue Perücke. Ich fand es großartig, wie überrascht und geschockt alle darauf reagierten.

Clip aus "Hotel Artemis"

Interessant, wie viel Spaß Sie mit dem Altern für diese Rolle hatten, vor allem weil es in Hollywood ja eher darum geht, jünger auszusehen. Inwieweit stehen Sie zu Ihren 55 Jahren?

Ich habe kein Problem mit dem Älterwerden. Je gezeichneter mein Gesicht von der Tragik und Komik des Lebens wird, desto mehr kann ich zu meiner Rolle beitragen. Zum Glück war ich noch nie ein sonderlich eitler Typ und meine Karriere ist nicht auf mein Aussehen gebaut. Ich kann es kaum abwarten, wie ich als Schauspielerin mit 70 oder 80 sein werde!

Clip aus "Hotel Artemis"

"Hotel Artemis" spielt in einem dystopischen Los Angeles im Jahre 2028. Sie sind in LA geboren und aufgewachsen. Haben Sie durch diesen Film trotzdem neue Perspektiven gewonnen?

Ich bin in Hollywood aufgewachsen. Die östlichen Nachbarstadtteile Silverlake und Los Feliz waren meine Viertel. Ich liebe die Palmen und den bernsteinfarbenen, oxidierten 20er-Jahre-Look von Downtown. Aber habe ich durch diesen Film neue neue Perspektiven gewonnen? Eher nicht. Ich fand es allerdings toll, dass Regisseur Drew Pearce Brite ist und dadurch einen sowohl liebevollen als auch unverfälschten Blick auf Los Angeles werfen konnte.

Welche Hotelerfahrung haben Sie selbst?

Ich bin praktisch in Hotels aufgewachsen, weil ich mein ganzes Leben lang Filme gedreht habe. Meine Mutter und ich haben währen Dreharbeiten monatelang in Hotels geschlafen. Im Winter haben wir die Nahrungsmittel einfach draußen gelassen, weil wir keinen Kühlschrank hatten. Und wir haben unsere Klamotten selbst gewaschen und im Zimmer aufgehängt. Es gab eine Regel: Im Bett durfte nur gegessen werden, wenn man ein Handtuch unterlegte, damit das Bettlaken krümelfrei blieb. (lacht)

Interview: Anke Hofmann