Christopher McQuarrie: "Tom und ich stacheln uns gegenseitig an!"

Christopher McQuarrie ist der erste Regisseur, der einen zweiten "M:I"-Film drehte. Wir trafen den Oscarpreisträger exklusiv zum Gespräch.

Der sechste "Mission: Impossible"-Film – der erste in 3D – ist der beste: Das klassische Agentenszenario punktet mit toller Optik und kleinen, feinen Szenen für alle Charaktere. Doch vor allem begeistert "Mission: Impossible - Fallout" (Kinostart: 2. August 2018) mit unglaublich packenden Actionszenen: ein Fallschirmsprung, ein irrer Faustkampf, eine Motorradjagd und im großartigen Finale noch eine Hubschrauber-Verfolgung – dieser Film schreibt Actiongeschichte!

"Mission: Impossible - Fallout" (Kinostart: 2.8.2018)

Darum geht's in "Mission: Impossible Fallout"

IMF-Agent Ethan Hunt (Tom Cruise) will mit Benji (Simon Pegg) und Luther (Ving Rhames) in Berlin drei Behälter mit Plutonium aufkaufen – doch um Luther zu retten, lässt er unbekannte Terroristen damit fliehen. In Paris wird das Plutonium von einem gewissen John Lark der mysteriösen "White Widow" (Vanessa Kirby) angeboten. Die fordert von Hunt, dass er als Gegenleistung für das Plutonium seinen Feind Solomon Lane (Sean Harris) befreit. Zu allem Überfluss wird Hunt von CIA-Agent Walker (Henry Cavill) begleitet, und MI6-Agentin Ilsa Faust (Rebecca Ferguson) mischt sich ebenfalls ein.

Christopher McQuarrie ist der erste Regisseur, der einen zweiten "M:I"-Film dreht, hat mit Tom Cruise bisher dreimal gearbeitet und sechs Drehbücher für seine Filme geschrieben. GOLDENE KAMERA traf den Oscarpreisträger (1996 für "Die üblichen Verdächtigen") exklusiv zum Interview.

Interview mit Regisseur Christopher McQuarrie

Das ist nach "Mission: Impossible – Rogue Nation" und "Jack Reacher" das dritte Mal, dass Sie Tom Cruise inszenieren. Und das sechste Mal ("M:I 6", "Die Mumie", "M:I 5", "Edge of Tomorrow", "Jack Reacher" und "Operation Walküre – Das Stauffenberg Attentat"), dass Sie das Drehbuch eines Tom Cruise-Films geschrieben haben. Sie scheinen sich also zu mögen ...

(lacht) Wir haben fast zehn Jahre lang an einem Film nach dem anderen gearbeitet, wir mögen uns also sogar sehr! Mit Tom Cruise zu arbeiten ist toll, weil man von ihm vollkommene Unterstützung bekommt. Und obwohl ich auch jedes Mal von ihm heraus gefordert werde, ist unsere Zusammenarbeit eine unheimliche Lernerfahrung für uns beide. Was ich an Tom am liebsten mag ist, dass er nicht in seinen Gewohnheiten festgefahren ist, sondern offen für Vorschläge und Ideen ist. Er ist wie ein hungriger Schüler, der etwas Neues lernen und überrascht werden möchte.

Was ist das Geheimnis Ihrer Zusammenarbeit?

Bei unserem ersten Film habe ich erkannt, wie Tom tickt: Er mag niemanden, der einfach nur "Ja" zu ihm sagt. Er hat es gerne, wenn man auch – in einer positiven Art – mal "Nein" sagt. Wenn er etwas verlangte, das unmöglich war, sagte ich nicht zu ihm "Unmöglich!", sondern "Möglich, aber..." und habe ihn darauf aufmerksam gemacht, was seine Wünsche kosten und was die Konsequenzen seiner Entscheidungen sein würden. Und das hat unserer Zusammenarbeit gut getan.

Wie stur ist Tom Cruise, wenn es um das Drehen seiner eigenen Stunts geht? Und stehen Sie unter Druck, mit jedem Film die Stunts verrückter und gefährlicher zu machen?

Unter Druck stehe ich auf jeden Fall, weil ich derjenige bin, der sich diese Stunts einfallen lassen muss! Tom muss sie einfach nur ausführen (lacht). Ich glaube, wir stacheln uns gegenseitig an, was die Stunts betrifft. Und Tom gibt selbst zu, dass "Mission: Impossible 6" der Film mit den kompliziertesten und körperlich herausforderndsten Stunts ist, den er je gedreht hat. Er ist zu jedem Streich bereit, solange er in die Handlung passt. Es geht ihm nicht darum, aus einem Stunt ein Spektakel zu machen, sondern eine gute Geschichte zu erzählen.

In "Mission: Impossible 5" haben Sie dem Zuschauer mit Tom am abhebenden Flugzeug hängend den Atem verschlagen. Worauf können wir uns in diesem Film am meisten freuen?

In diesem Film gibt es nicht in Anführungszeichen "den Stunt". Wir haben mehrere Momente, die dem Zuschauer den Atem verschlagen werden!

Haben Sie nie Angst, dass mal was schief gehen könnte? Sie wollen doch nicht dafür berühmt werden, Tom Cruise umgebracht zu haben, oder?

Nein, das habe ich auf keinen Fall vor! Obwohl es Momente während des Drehs gab, wo ich dachte, dass das mein Vermächtnis werden könnte. Zum Glück hätten wir wahrscheinlich beide dran glauben müssen, wenn etwas schiefgelaufen wäre (lacht).

Wann wurde es brenzlig?

Das Drehen der Verfolgungsjagd mit den Hubschraubern war besonders riskant. Wir hatten fünf Hubschrauber in der Luft, die mit nur sehr wenig Abstand in Formation fliegen mussten, damit wir alles so filmen konnten, dass Toms Gesicht sichtbar ist. Und einer der Hubschrauber wurde sogar von unserem Star selbst gesteuert. Das war nicht nur extrem gefährlich und riskant, sondern auch noch nie zuvor gewagt, und ich würde es nicht noch einmal machen wollen.

Was geht Ihnen bei so einer gefährlichen Szene durch den Kopf?

Das wichtigste ist die Sicherheit! Wir drehten mit insgesamt fünf Kameras gleichzeitig. Dabei musste ich auf fünf Monitore blicken und vielen verschiedenen Funkgeräten lauschen - sobald ich zu viel Spannung verspürte und widersprüchliche Anweisungen kamen, brach ich sofort ab. Natürlich sind bei jedem Dreh Zeit und Geld extrem knapp, aber das Leben ist immer noch wichtiger!

Sie haben Ihre Karriere in einem Detektivbüro begonnen ...

Naja, ich war eher ein verherrlichter Wächter als ein Detektiv (lacht).

Steckt also ein Ethan Hunt oder Jack Reacher in Ihnen selbst?

Ich weiß nicht, wie viel Ethan Hunt oder Jack Reacher in mir steckt. Ich würde mich eher mit Benji (gespielt von Simon Pegg) vergleichen (lacht).

Haben Sie noch nie davon geträumt, selbst mal ein bisschen Spion zu spielen?

Ich wäre fast Polizist geworden. Ich hatte schon den Bewerbungsbogen zum New York Police Department in der Hand, als mir ein Job als Drehbuchautor in Los Angeles angeboten wurde.

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