Ewan McGregor: "Pus Lebensmotto ist genau meine Philosophie"

Im Familienspaß "Christopher Robin" wird die Kinderbuchgeschichte über "Pu der Bär" von Regisseur Marc Forster ("James Bond 007 - Ein Quantum Trost") weitererzählt. Wir trafen Ewan McGregor, der den zwischenzeitlich erwachsenen Titelhelden verkörpert, zum Gespräch.

Mit dem Disney-Zeichentrickfilm "Die vielen Abenteuer von Winnie Puh" (1977) erlebte der 1926 vom Briten A.A. Milne verfasste Kinderbuchklassiker "Pu der Bär" eine erste Renaissance. Am 16. August wird die zauberhafte Geschichte von der Freundschaft zwischen dem bärigen Honigliebhaber und seinem Menschenfreund "Christopher Robin" im Kino fortgesetzt – auch wenn die Dreharbeiten laut Hauptdarsteller Ewan McGregor nicht ganz so zu Herze gingen, wie der fertige Film...

Ewan McGregor und Hayley Atwell über "Christopher Robin"

Darum geht's in "Christopher Robin"

Der Junge, der einst mit Pu dem Bären durch den Hundertmorgenwald streifte, ist längst erwachsen – und völlig überarbeitet. Seine Frau Evelyn (Hayley Atwell) und Tochter Madeline (Bronte Carmichael) sind ohne Christopher Robin (Ewan McGregor) aufs Land gefahren, als sein alter Freund Pu mitten in London auftaucht.

Obwohl Christopher einen wichtige Präsentation für seinen Boss fertig machen muss, willigt er ein, seinen tollpatschigen Kindheitsfreund zurück nach Hause zu bringen, wo er auch I-Aah, Tigger, Ferkel und die anderen Bewohner des Hundertmorgenwalds wiedertrifft. Als Christopher pflichtbewusst aber ohne seine Unterlagen nach London zurückkehrt, brechen Pu & Co. zu seiner abenteuerlichen Reise auf, damit ihr Freund seine scheinbar so wichtigen Akten bekommt...

Trailer zu "Christopher Robin" (Kinostart: 16.8.2018)

Welche Rolle "Pu der Bär" im Leben von Ewan McGregor spielt, verrät uns der frischgebackene GOLDENE KAMERA-Preisträger in der Kategorie "Bester Schauspieler International" im Interview...

Ewan McGregor im Interview zu "Christopher Robin"

GOLDENE KAMERA: Inwiefern hat Sie diese Rolle an Ihre Kindheit erinnert?

EWAN McGREGOR: Bei dieser Rolle musste ich sehr viel an meinen Vater und seine Beziehung zu seinem Vater denken. Mein Vater wurde 1941 geboren – in etwa wie Christopher Robins Tochter Madeline im Film. Nach der Geburt zieht Christopher in den Krieg und kommt erst wieder zurück, wenn sein Mädchen ungefähr sieben Jahre alt ist. Die Beziehung zwischen Vater und Tochter ist dadurch distanziert – auch wenn er sich dessen nicht bewusst ist, denn damals waren Väter generell ihren Kindern nicht sehr nahe. Da ich selbst eine sehr enge Beziehung zu meinen Kindern habe, fiel mir diese Rolle sehr schwer, weil diese Distanziertheit gegen meine tiefsten Instinkte geht. Regisseur Marc Forster musste mich während der Dreharbeiten andauern daran hindern, mein Filmkind nicht einfach in den Arm zu nehmen. (lacht)

Hat Marc am Set den Boss heraushängen lassen?

Marc ist ein fantastischer Teamplayer. Das bedeutet nicht, dass er leicht rumzukriegen ist. (lacht) Er weiß, was er will, und hat keine Hemmung davor, Anweisungen zu geben. Aber er schenkt seinen Schauspielern auch sehr viel Vertrauen. Am Set ist er sehr gelassen und ruhig. Er ist eine sanfte Seele. Und er ist ein sehr kreativer und visueller Mensch. Sein Haus ist voller Kunstwerke und überall liegen oder stehen Kunstbücher. 2005 habe ich mit ihm den Thriller "Stay" gedreht und seitdem sind wir in Kontakt geblieben. Aber dank "Christopher Robin" sind wir jetzt die dicksten Freunde.

Regisseur Marc Forster über "Christopher Robin"

Hat Marc Ihnen etwas Deutsch beigebracht?

(lacht) Nein, aber er hat am Set sehr viel Deutsch gesprochen, weil unser Kameramann Matthias Königswieser Österreicher war.

Wie bewahren Sie sich Ihr eigenes "inneres Kind"?

Durch mein Motorrad und meine Musik. Und natürlich durch meine Kinder. Pu der Bär sagt als Lebensmotto immer: "Das Nichtstun führt zum besten Etwas." Und genau das ist meine Philosophie, wenn ich frei habe. (lacht)

Pu der Bär im Interview!

Hat Sie dieser Film inspiriert, sich mehr Zeit für sich zu nehmen oder mehr Urlaub zu machen?

Ja, nach "Christopher Robin" habe ich mir erst einmal eine Auszeit gegönnt. Die Dreharbeiten endeten November 2017, und mein nächster Film fängst erst jetzt im September an: "Doctor Sleep", das Sequel zu Stephen Kings "Shining". Ich hatte also fast ein Jahr frei und das war beabsichtigt, weil ich einfach mal eine Pause machen musste. Und zum ersten Mal in meinem Leben habe ich mich wirklich entspannt und konnte so richtig meine Batterien wieder auftanken!

Interviews: Anke Hofmann