Dubai ist Hollywoods neue Traumkulisse

Mit ihrer spektakulären Architektur und faszinierenden Landschaften werden die Emirate immer häufiger zum Drehort für US-Blockbuster.

Er hat es wieder getan! Schon im vierten Teil der "Mission: Impossible"-Reihe hing Tom Cruise 2011 bei einem spektakulären Stunt an der Außenfassade des Burj Khalifa, dem 828 Meter hohen Wahrzeichen Dubais. Für den Dreh feuerte Cruise die Versicherungsgesellschaft, die ihm verbieten wollte, den Stunt zu übernehmen.
23 Tage dauerten die Aufnahmen, 400 Crewmitglieder waren im Einsatz, um die Sicherheit des Topstars zu gewährleisten.

Video: Mission Impossible 4 am Burji Khalifa

Im März dieses Jahres kehrte Cruise dann in die Vereinigten Arabischen Emirate zurück, um dieses Erlebnis noch einmal zu toppen: Für den gerade angelaufenen "Mission: Impossible – Fallout" entstanden über der Wüste von Abu Dhabi die Aufnahmen des HALO-Fallschirmsprungs, einem Action-Highlight im Film. Das Kürzel steht für "high altitude, low open": Cruise sprang in 7600 Meter Höhe aus einem C-17-Militärflugzeug der staatseigenen Air Force und wartete, bis er auf 600 Metern war, um seinen Fallschirm über der Wüste zu öffnen – im fertigen Film allerdings landet er unauffällig auf einem Dach in Paris. Vor jedem Sprung musste der Star 20 Minuten lang reinen Sauerstoff atmen, um beim späteren, bis 320 km/h schnellen freien Fall keine Dekompressionskrankheit zu erleiden. "Unsere Stunts werden immer luftiger und die Luft immer dünner! Danke an die tolle Crew und die Bewohner Abu Dhabis", teilte Tom Cruise per Social Media mit.

Atemberaubende Wüstendünen, die unglaubliche Wolkenkratzer-Architektur und die weitläufige Küste machen die Emirate zu einer beliebten Wahl für Filmemacher, nicht nur für das "Mission: Impossible"-Team. Die Crew von "Star Trek: Beyond" (2016) etwa verwandelte die Gebäudekulisse Dubais in die Yorktown-Sternenbasis der Föderation der Planeten – die Wolkenkratzer der Millionenmetropole werden im Film arg in Mitleidenschaft gezogen. Ähnlich ergeht es ihnen im Katastrophenepos "Geostorm" (2017) mit Gerard Butler, in dem die Stadt von einer Riesenwelle überrollt wird. Und in Roland Emmerichs "Independence Day: Wiederkehr" (2016) lassen Außerirdische Dubais Burj Khalifa auf das London-Eye-Riesenrad krachen.


Für amtlichen Glasbruch sorgten die Raser aus "Fast & Furious 7" (2015) in Abu Dhabi, der nicht minder luxuriösen Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate. Unvergessen die Szene, in der Vin Diesel als Dom Toretto mit seinem roten Boliden aus dem 45. Stockwerk durch die Fassade von einem der fünf zwischen 217 und 305 Meter hohen Etihad Towers in einen anderen schießt. "Die schiere Anzahl von Luxus-Autos hier ist überirdisch", staunte Schauspieler Chris "Ludacris" Bridges damals über die Stadt, die auch über einen Ferrari-Themenpark verfügt.

Dass Hollywood vermehrt dem Reiz des Orients erliegt, hängt auch damit zusammen, dass die Abu Dhabi Film Commission einen großzügigen Kostenanreiz bietet: Sie verspricht 30 Prozent Cashback für alles, was die Produktionsfirmen vor Ort ausgeben. Einzige Bedingung ist, dass die Produktionen einen kleinen Prozentsatz lokaler Arbeitskräfte beschäftigen, die so einen Einblick in die Branche erhalten. Die Regierung bereitet sich damit schon auf die nicht allzu ferne Zukunft vor, in der die Ölvorräte versiegen. Ziel ist, bis zum Jahr 2030 ein eigenes, völlig unabhängiges Studiosystem zu errichten.

Schon jetzt pumpen die großen Hollywood-Produktionen Geld in die lokale Wirtschaft und locken zudem Touristen aus aller Welt an die Orte, an denen ihre Lieblingsfilme gedreht wurden. Luxuriöse Hotels mit sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis, glitzernde Shoppingmalls oder auch der Filmpark "Motiongate Dubai" mit einer "Hunger Games"-Attraktion ver-sprechen viel Urlaubs-Entertainment. Und nur zwei Flugstunden entfernt lockt "die Karibik des Orients", die Urlaubsoase Salalah im Oman mit endlosen weißen, palmengesäumten Stränden.

"Star Wars"-Fans zieht es hingegen auf Safari in die Wüste Abu Dhabis. Mit einem Tross von fast 800 Leuten drehte J. J. Abrams in der Rub al-Khali für "Episode VII – Das Erwachen der Macht" (2015) Szenen auf dem Sandplaneten Jakku, Heimat der Filmheldin Rey (Daisy Ridley). Aus dem nahe gelegenen Indien wurden eigens Kulissenbauer eingeflogen, die es in Bollywood gewohnt sind, unter schwierigen Bedingungen zu arbeiten. Vom Raumschiffwrack, den Markthütten und den coolen Sandgleitern ist heute nichts mehr zu sehen – die Landschaft mit über hundert Meter hohen rotbraunen Dünen aber bleibt faszinierend. Und kaum ist eine Filmcrew auf dem Heimflug, kündigt sich schon der nächste Besuch aus Hollywood an: Keanu Reeves wird für Teil drei seiner Actionkracher-Reihe "John Wick" in Dubai drehen.