Marc Forster: "'Christopher Robin' ist eine Reise zum Kind in uns allen"

Tauchte seiner Tochter zuliebe mit dem Kinofilm "Christopher Robin" in die Stofftierwelt von "Pu der Bär" ab: Regisseur Marc Forster (48)
Tauchte seiner Tochter zuliebe mit dem Kinofilm "Christopher Robin" in die Stofftierwelt von "Pu der Bär" ab: Regisseur Marc Forster (48)
In "Christopher Robin" spinnt der deutsche Hollywood-Regisseur Marc Forster ("007 - Ein Quantum Trost") die Abenteuer des Kinderbuchklassikers "Pu der Bär" weiter. Wir trafen den 48-Jährigen zum Gespräch.

Seit unter seiner Regie Halle Berry für "Moster's Ball" (2001) den Oscar gewann, gehört Marc Forster zu den Top-Regisseuren Hollywoods. Allerdings ließ der 1969 in Illertissen geborene Bayer die Kinokassen bisher vor allem mit Action-Blockbustern wie "James Bond 007 - Ein Quantum Trost" (2008) oder "World War Z" (2013) klingeln. Eine Tendenz, gegen die der Familienvater jetzt mit "Christopher Robin" aus ganz persönlichen Gründen angefilmt hat, wie der 48-Jährige im Gespräch mit der GOLDENEN KAMERA verrät...

Regisseur Marc Forster über "Christopher Robin"

"Christopher Robin"-Regisseur Marc Forster im Interview

GOLDENE KAMERA: Warum wollten Sie einen neuen Film über "Pu der Bär" drehen?

MARC FORSTER: Ich wollte mal wieder einen Film mit magischen Realismus drehen, aber die sind schwer zu finden. Dann schaute sich meine Tochter einen "Winnie Puh"-Cartoon auf dem iPad an und meinte zu mir: "Papi, kannst Du nicht mal einen Film für mich drehen? Deine Film sind immer so dunkel und erwachsen.“ Und da kam es mir: Warum kein Film über den Bären Pu? Diese Kinderfigur von Autor A.A. Milne hat zwar ein schlichtes Gemüt, bringt aber auch sehr viel Weisheit und einen absurden Humor mit sich. Und genau das war es, wonach ich gesucht hatte: Humor und Emotionen. Pu trägt einen roten Pullover, der das Herz und die Liebe symbolisiert – also Dinge, die wir häufig verlieren, wenn wir erwachsen werden. Damit ist "Christopher Robin" eine Reise zum verlorenen Kind in uns allen.

Welche Figur war besonders schwer zu animieren?

I-Aah und Pu. Das Gute war, dass sie als Darsteller sehr pflegeleicht waren, weil sie keinen eigenen Wohnwagen-Trailer brauchten. (lacht) Pu der Bär war eine Herausforderung, weil er nur sehr wenige Gesichtsausdrücke hat. Und der Esel I-Aah war problematisch, weil man seine Augen sehen kann und seine Körperbewegungen relativ knifflig zu animieren sind. Ferkel und Tigger waren dagegen fast ein Kinderspiel.

Trailer zu "Christopher Robin" (Kinostart: 16.8.2018)

Werden Sie Ihren nächsten Film also wieder mit einem rein menschlichen Cast drehen?

Um ehrlich zu sein, hat mir das Drehen mit Stofftieren und Animation sehr viel Spaß gemacht. Denn Pu hat immer das gemacht, was ich ihm sagte. (lacht) Es gab nie Widerworte und kein "Warum?" – Stofftiere sind sehr gute Zuhörer. (lacht)

Wie viel Christopher Robin steckt in Ihnen selbst? Ist der Film auch ein bisschen autobiographisch?

Im Film gibt es sicherlich die eine oder andere Spur von mir. Wenn ich einen Film drehe, vernachlässige ich leider sehr oft meine Tochter und die Menschen, die ich liebe. Und dieser Film dient nicht nur mir als Erinnerung, sich mehr Zeit fürs Leben zu nehmen. Und dafür, was wirklich wichtig ist.

Haben Sie jetzt die richtige Balance zwischen Arbeit und Leben gefunden?

Nein, noch nicht. Ich hoffe, ich lerne es von diesem Film. (lacht)

Wer oder was ist Ihr privates Knuddeltier? Haben Sie noch Stofftiere aus Ihrer Kindheit?

Ja, ich habe noch Stofftiere. Und die ganze "Christoper Robin"-Familie sitzt auf dem Sofa in meinem Haus. Ich habe Pu, Ferkel, Tigger und I-Ah vom Set mitgenommen. (lacht)

Pu der Bär im Interview!

Interview: Anke Hofmann