Spike Lee: "Gerade Typen wie Donald Trump sollten 'BlacKkKlansman' sehen"

Black Cinema vs. Rassismus: Regisseur Spike Lee und seine Ku-Klux-Klan-Darsteller Topher Grace und Adam Driver (r.) am Set von "BlacKkKlansman".
Black Cinema vs. Rassismus: Regisseur Spike Lee und seine Ku-Klux-Klan-Darsteller Topher Grace und Adam Driver (r.) am Set von "BlacKkKlansman".
Foto: © Universal Pictures
In "BlacKkKlansman" erzählt Spike Lee die wahre Geschichte eines afroamerikanischen Polizisten, der in den 70er Jahren den Ku-Klux-Klan infiltriert. Wir sprachen mit Hollywoods führendem schwarzen Filmemacher über Black Cinema in Zeiten des gesellschaftlichen Rechtsrucks.

Aktuell lässt sich im Kino bestaunen, wie in "BlacKkKlansman" Mitte der 1970er Jahre Colorados erster afroamerikanischer Cop Ron Stallworth (John David Washington) telefonischen Kontakt zum "Grand Wizard" David Duke (Topher Grace) aufnimmt und mit Hilfe seines Undercover-Partners Flip Zimmerman (Adam Driver) zum Ku-Klux-Klan-Mitglied wird.

Trailer zu "BlacKkKlansman" (Kinostart: 23.8.2018)

Warum sein auf einer wahren Begebenheit beruhender Film für Spike Lee ein aktuelles Thema behandelt, verriet uns der 61-jährige Ehren-Oscar-Gewinner und Regisseur von "Black Cinema"-Klassikern wie "Do the Right Thing" (1989) oder "Malcolm X" (1992) im Interview...

Spike Lee im "BlacKkKlansman"-Interview

GOLDENE KAMERA: Sie sind für Ihr Engagement gegen Rassismus bekannt. Welche neuen Aspekte bringen Sie mit "BlacKkKlansman" an den Tag?

SPIKE LEE: Ich bin in Amerika aufgewachsen. Rassismus gegen Schwarze – und Indianer, Frauen und Hispanics – ist für mich nichts Neues. Schon mein erster Film, als ich die Filmschule an der NYU besuchte, hat 1980 dieses Thema angesprochen. "The Answer" dreht sich um einen schwarzen Drehbuchautoren, der ein 50-Millionen-Dollar-Remake des rassistischen Filmklassikers "Die Geburt einer Nation“ schreiben soll.

Wie schwer fiel es den Schauspielern in "BlacKkKlansman", rassistische Figuren darzustellen?

Die weißen Schauspieler hatten Probleme, das N-Wort zu sagen. Ich habe ihnen das Beispiel von John Turturro in "Do the Right Thing“ gegeben. John hatte Angst, dass er sich nach dem Spielen des rassistischen Pizzabäckers Pino nicht mehr in die New York Subway trauen könne. Aber die Reaktion war genau das Gegenteil. Nach dem Filmstart meinte er erleichtert zu mir: "Die Schwarzen lieben mich!" Unsympathische und verdorbene Figuren zu spielen, gehört halt zum Job eines Schauspielers. Robert De Niro hatte keine Angst davor, dass Menschen ihn hassen würden, nur weil er Travis Bickle in "Taxi Driver" dargestellt hat. Topher Grace ist privat kein abscheulicher, widerwärtiger, hasserfüllter Mensch. Aber als David Duke in "BlacKkKlansman" ist er genau das.

"Get Out", "Black Panther" und jetzt "BlacKkKlansman" – haben diese Filme mit schwarzen Hauptdarstellern eine kulturelle Revolution in Hollywood gestartet?

Alle zehn Jahre läuft bei mir das Telefon heiß, um über das verdammte Wiederaufleben von Black Cinema zu sprechen. Und danach folgen wieder neun Jahre an Schweigen. (lacht) Um diesen Zyklus zu durchbrechen und einen Dauerzustand zu erreichen, brauchen wir mehr farbige Menschen in Hollywoods Schlüsselpositionen, die bei den Studios am Drücker sitzen und grünes Licht geben, was gedreht werden darf und was nicht. Oprah Winfrey alleine reicht da nicht.

Das statistische Bundesamt der USA hat verkündet, dass im Jahre 2025 oder sogar früher der weiße Amerikaner eine Minderheit sein wird. Selbst für Rassisten wäre es also eine smarte Geschäftspraxis, Black Cinema nicht zu unterschätzen und Filme für die kommende Mehrheit zu drehen. Agent Orange (Donald Trump) versucht zwar, die Zeit zurück zu drehen und Mauern zwischen Kulturen zu bauen. Aber das Volk bewegt sich nach vorne, nicht nach hinten. Menschen wollen Fortschritt.

Hoffen Sie, dass Donald Trump diesen Film sehen wird?

"Die Geburt einer Nation" von D.W. Griffith war 1915 der erste Film, der je im Weißen Haus vorgeführt wurde. Präsident Woodrow Wilsons Reaktion auf den Historiemfilm war: "Es ist, als schriebe man Geschichte mit Blitzstrahlen." Leider bezweifele ich, dass Agent Orange sich "BlacKkKlansman" ansehen wird, obwohl gerade diese Typen diesen Film sehen sollten!

Sind Sie optimistisch, dass Rassismus und Hass eliminiert werden können?

Das ist eine schwere Frage. Die Welt ist leider keine Coca-Cola Werbung, in der alle singen und glücklich sind. Ich möchte gerne optimistisch sein, aber wir dürfen nicht einschlafen und die Welt als Disneyland betrachten. Das Problem ist, dass Hass oft mit Geld verknüpft ist. Und wenn das der Fall ist – wie bei den Typen in meiner Regierung – dann wird Hass zum Profit. Leider ist das ein globales Phänomen. Der Rechtsruck in Regierungen ist weltweit zu beobachten. In Nazi-Deutschland waren die Juden die Sündenböcke. Wem schieben wir jetzt die Schuld in die Schuhe, wenn es der Wirtschaft schlecht geht? Den Immigranten. Agent Orange geht sogar so weit, dass er alle Mexikaner Vergewaltiger nennt!

Was halten Sie von dem Verein "Blacks for Trump"?

Sie sollten sich in "Negroes for Trump" umbenennen! (lacht)

Interview: Anke Hofmann