Kino-Event der Woche: "Klassentreffen 1.0"

In seiner neuen Komödie "Klassentreffen 1.0 – Die unglaubliche Reise der Silberrücken" spielen Til Schweiger, Samuel Finzi und Milan Peschel Schulfreunde, die auf ihrem 30-jährigen Klassentreffen Lebensfrust in eine chaotische Feier der Freundschaft verwandeln. Wir trafen die Silberrücken des deutschen Films zum Gespräch.

Ab dem 20. September verwandelt sich der Kinosaal zur Bühne für Til Schweigers (54) neuesten Streich "Klassentreffen 1.0 – Die unglaubliche Reise der Silberrücken". Gemeinsam mit seinen beiden Co-Stars Milan Peschel (50) und Samuel Finzi (52) spricht Deutschlands erfolgreichster Filmemacher exklusiv mit GOLDENE KAMERA über die Dreharbeiten, die spektakuläre Saunaszene – und die Frage, wie man altert, ohne langweilig zu werden...

Darum geht's in "Klassentreffen 1.0"

"Warum sind wir nicht wie Wein?" Drei alternde Schulfreunde stecken schwer in der Krise. DJ Thomas (Til Schweiger) hat seine neue Freundin betrogen, deren Tochter (Lilli Schweiger) macht ihm die Hölle heiß. Büronase Nils (Samuel Finzi) fühlt sich einfach nur noch kaputt, und dem verhinderten Schriftsteller Andreas (Milan Peschel) ist die Frau (Jeanette Hain) mit dem Ehetherapeuten durchgbrannt. Da kommt die Einladung zum 30-jährigen Klassentreffen gerade recht. Denn aus den alten Schulkameraden sind doch sicher totale Loser geworden, oder...?

Trailer zu "Klassentreffen 1.0" (Kinostart: 20.9.2018)

GOKA-Wertung

Dem Hauptdarsteller-Trio Finzi, Peschel & Schweiger schaut man einfach gern zu! Bei Erfolg soll es von der Feelgood-Klamotte mit den schrulligen Typen zwei "Klassentreffen"-Fortsetzungen geben. Dann kann sich Regisseur Schweiger ja vielleicht auch ein paar eher platte Witze sparen.

"Klassentreffen 1.0": Milan Peschel, Samuel Finzi und Til Schweiger im Interview

GOLDENE KAMERA: Haben Sie eigentlich irgend­ welche Altersbeschwerden?

TIL SCHWEIGER: Ich habe ja eine neue Hüfte bekommen.

MILAN PESCHEL: Und wie läuft's mit der?

SCHWEIGER: Gut.

SAMUEL FINZI: Aber das ist doch jetzt nicht altersbedingt!

SCHWEIGER: Nein, wenn man so viel Sport macht... Was sind denn eure Zipperlein?

PESCHEL: Ich muss jetzt ständig zum Lesen die Brille abnehmen.

FINZI: Und ich stelle fest, dass ich alles weiter weghalten muss, was ich entziffern will, genau wie im Film. Aber ich habe mir noch keine Brille besorgt, da weigere ich mich.

"Klassentreffen 1.0" ist ein Remake der dänischen Komödie "Klassefesten" von 2011, die sogar zur Trilogie ausgebaut wurde. Wie kam es zu Ihrer Fassung?

SCHWEIGER: Eines Tages rief mich der dänische Schauspieler Dar Salim an, der in "Honig im Kopf" mitgespielt hat und mit dem ich seitdem befreundet bin: "Es gab da diesen Film in Dänemark, der größte Erfolg aller Zeiten. Die verhandeln gerade mit einem deutschen Produzenten, und ich habe gesagt: Ihr müsst unbedingt mit Til sprechen."

Originaltrailer zur dänischen Vorlage "Klassefesten" (2011)

Wir haben lange verhandelt, denn es gab schon drei europäische Remakes. Unser "Klassentreffen" hat mit dem Original aber nur noch die Grundidee und die Saunaszene gemein. Die Szene, in der Samuel Finzi mit ein­ geklemmtem Gemächt in der Sauna fest­ sitzt, wird für Furore sorgen.

Wie heiß war es denn?

FINZI: Es war arschkalt!

SCHWEIGER: Wir haben nämlich im Studio gedreht, mit Stellwänden. In einer richtigen Sauna wäre gar kein Platz für die Kamera.

Die Szene nimmt kein Ende, Sie setzen immer noch einen drauf.

SCHWEIGER: Und Sie ahnen nicht, wie lang sie ursprünglich war! Die diversen Befreiungsversuche der Hausmeisterin sehen wir jetzt gar nicht mehr, nur noch die Stichsäge. Das ist alles der Schere zum Opfer gefallen.

FINZI: Ich habe mich schon beim Lesen des Drehbuchs gefragt, ob die Szene nicht zu lang ist. Jetzt male ich mir aus, wie ich demä̈chst auf der Straße angesprochen werde: "Sie sind doch der aus diesem Film, der mit den Glocken." Und dann soll ich die zeigen.

SCHWEIGER: Die Leute werden zusammenbrechen! So wie damals bei "Zweiohrküken", als Matthias Schweighöfer auf dem Klo sitzt – und es ist kein Wasser im Spülkasten.

Ihre Tochter Lilli hat in "Klassentreffen 1.0" eine Hauptrolle als Quasi­-Stieftoch­ter Ihrer Figur Thomas.

SCHWEIGER: Das war Samuels Idee. Er hat Lilli hier kennengelernt und meinte irgendwann: "Til, was ist denn mit Lilli?" Eigentlich war sie etwas zu alt für die Rolle, und ich hatte schon eine Favoritin. Also musste Lilli wie alle anderen auch durch den Casting-Prozess. Aber sie war so gut, dass ich sie einfach nehmen musste. Das fanden übrigens alle.

Sind bei dem eigentlichen Klassentreffen im Film eigene Erfahrungen eingeflossen?

SCHWEIGER: Ich war vor fünf Jahren bei einem Klassentreffen, aber das war überhaupt nicht lustig und keine Inspiration für den Film. Ich verwurste oft persönliche Erlebnisse, in diesem Fall ist jedoch alles ausgedacht. Aber bei einem Klassentreffen wird wohl jedem bewusst, wie schnell die Zeit vergeht.

FINZI: Ich habe immer noch viele enge Freunde aus meiner Schulzeit und hatte gerade ein sehr ernüchterndes Erlebnis: Eine sehr gute Freundin von mir ist gestorben. Dass man einen Menschen verliert, mit dem man gerade noch Kind war – das kann ich immer noch nicht so richtig fassen.

Im Film gibt es ja auch eine Szene, in der die drei über einen verstorbenen Freund sprechen – ein intensiver Moment.

FINZI: Das ist für mich eine Schlüsselszene. Die drei essen Kuchen, trinken Bier und tun sich aus Einsamkeit zusammen.

PESCHEL: In dieser Szene wird ein Name erwähnt: Ilja. Das war tatsächlich ein Freund von mir, der mit 46 an Krebs gestorben ist. An dem Tag, als wir besagte Szene drehten, habe ich Til davon erzählt – deswegen der Name Ilja. Das bedeutet mir wirklich sehr viel.

Es heißt, am Ende des Drehs hätten Sie geweint, Herr Schweiger.

SCHWEIGER: Ja, dafür gibt es jede Menge Zeugen. Ich weine wirklich nicht bei jedem Film. Aber dieser Dreh war eine ganz besondere, emotionale Zeit. Wir sind Freunde geworden.

So gut haben Sie drei zusammengepasst?

SCHWEIGER: Schauspielerei bedeutet für mich nicht, dass du jede Rolle spielen kannst. Es kommt nur darauf an, ob es in dem jeweiligen Film harmoniert. Und ich finde, wir drei sind absolut glaubwürdig zusammen.

PESCHEL: Ich glaube, das liegt daran, dass wir so neugierig aufeinander waren. Am ersten Drehtag war ich wahnsinnig nervös, ich hatte ja noch nie mit Til gearbeitet. Die Aufregung entsteht aber auch aus Respekt füreinander.

SCHWEIGER: Ich war ja selbst aufgeregt! Das Gefühl kenne ich sonst gar nicht – höchstens bei internationalen Produktionen, wenn ich nicht in meiner Muttersprache spiele und an einen Mega-Set komme. Aber bei meinem eigenen Film? Muss an Milan gelegen haben.

Sind die angekündigten "Klassentreffen“"-Fortsetzungen für 2019 und 2020 eigent­lich schon beschlossene Sache?

SCHWEIGER: Nur wenn mir was richtig Geiles einfällt. Kreativität lässt sich nicht planen, deshalb gab es auch nie "Keinohrhasen 3". Aber ich garantiere, dass ich es versuchen werde.

Ein schönes Zitat aus dem Film lautet: "Du bist nicht zu alt, du bist zu langweilig geworden." Wie schafft man es denn, kein Langweiler zu werden?

SCHWEIGER: Ein weiterer guter Satz: Alt zu werden ist die einzige Möglichkeit, länger zu leben! Man muss neugierig bleiben und bereit sein zu lernen. Nie sagen: Ich weiß jetzt alles. Sich nicht abschotten, weil man schon mal verletzt wurde. Was noch? Umgib dich mit leidenschaftlichen Menschen, die für ihre Sache brennen. Das kann ein Tischler, ein Polizist oder eine Krankenschwester sein. Das inspiriert. So bleibst du ewig jung.

PESCHEL: Und du darfst keine Angst vor Umwegen haben, die sind eine Chance.

FINZI: Und bloß nichts bereuen!