Regisseur Brad Bird: "Meine Frau ist das ursprüngliche Elastigirl"

14 Jahre nach "Die Unglaublichen" kommt die Fortsetzung des Pixar-Hits über die unglaubliche Parr-Familie in die Kinos, die es in ihrem neuen Abenteuer mit neuen Superschurken und getauschten Geschlechterrollen zu tun bekommt. Wir trafen Regisseur und "Incredibles"-Erfinder Brad Bird zum Gespräch.

Für "Die Unglaublichen" durfte Regisseur Brad Bird 2005 den Oscar für den Besten Animationsfilm in Empfang nehmen. Am 27. September startet sein Kassenschlager-Sequel, das fast schon am US-Startwochenende seine Kosten von 200 Millionen Dollar eingespielt hat, auch bei uns in den Kinos. "Die Unglaublichen 2" erweist sich dabei erneut als augenzwinkerndes Superhelden-Spektakel, in das der 61-jährige "Incredibles"-Erfinder diesmal so manche persönliche Erfahrung einfließen ließ...

Regisseur Brad Bird über "Die Unglaublichen 2"

Darum geht's in "Die Unglaublichen 2"

In direktem Anschluss an die Geschehnisse aus Teil 1 gelingt es der unglaublichen Parr-Familie und ihrem Superheldenfreund Frozone, dem Superschurken "Tunnelgräber" das Handwerk zu legen. Da ihr Einsatz aber halb Metroville in Schutt und Asche gelegt hat, fallen die Parrs in Ungnade. Unternehmer Winston Deavor und seine Schwester Evelyn wollen das ramponierte Image der Superhelden wieder aufpolieren und entwickeln eine PR-Strategie rund um Elastigirl. Während Helen Parr im Alleingang die Jagd auf den neuen Superschurken "Screenslaver" eröffnet, bleibt Bob Parr alias Mr. Incredible zuhause und kommt vor allem im Alltagskampf mit Kleinkind-Wirbelwind Jack-Jack ans Ende seiner Superkräfte...

Trailer zu "Die Unglaublichen 2"

Regisseur Brad Bird im Interview zu "Die Unglaublichen 2"

GOLDENE KAMERA: Haben Sie selbst einmal Mr. Mom gespielt?

BRAD BIRD: Ja, aber meine Mr. Mom-Existenz war nie so heftig wie die von Bob. Im ersten Film hat Mr. Incredible von einer Familie geträumt, aber als der Traum dann wahr wurde, hat er sich ein bisschen schwer damit getan. Helen hingegen wollte länger unabhängig bleiben, hat dann aber ihre neue Rolle als Mutter mit Begeisterung akzeptiert. In diesem Film treibe ich das Thema weiter auf die Spitze, indem ich die Rollen tausche: Bob muss den Haushalt schmeißen und Helen die Welt retten.

Diese Idee kam mir aber nicht aus heiterem Himmel. Meine Frau ist sehr dynamisch und voller Tatendrang – sie ist das ursprüngliche Elastigirl! Zwar nicht ganz so dehnbar, aber dank Yoga so elastisch, dass ich nur eifersüchtig staunen kann. (lacht)

Und es liegt im Zeitgeist, dass Sie zeigen, was Frauen alles können...

(lacht) Richtig, aber das ist Zufall. Die Idee für diesen Film kam mir lange vor der jetzigen Frauenbewegung.

Warum mussten wir überhaupt 14 Jahre auf einen zweiten Film warten?

Der erste Film hatte mir unheimlich viel Spaß gemacht, ich wollte aber erst eine Fortsetzung drehen, wenn ich eine gute Idee dafür habe. Natürlich hat das dann länger gedauert als ich wollte, aber das Leben lässt sich halt nicht planen. Zum Glück waren Disney und Pixar bereit, darauf zu warten. Die Handlung von "Die Unglaublichen 2" spielt allerdings nur drei Monate nach dem ersten Teil. Das Leben der Parr-Familie hat sich also nicht sehr verändert.

Aber unsere Welt schon. Was ist der größte Unterschied zwischen 2004 und 2018?

Die Welt war 2004 noch nicht mit Superhelden übersättigt. Die einzigen Superhelden-Franchises damals waren "Spider-Man" und die "X-Men". Christopher Nolans neue "Batman"-Trilogie startete erst ein Jahr später. "Die Unglaublichen" waren also eine relativ neue Idee. Aber ich hoffe, dass das, was uns damals so besonders gemacht hat, auch heute noch heraussticht: Familie als Superpower!

Wenn Elastigirl auf Ihrer Frau basiert – bedeutet das, dass Sie Bob alia Mr. Incredible sind?

In Sache Ahnungslosigkeit und Tollpatschigkeit gibt es sicherlich eine gewisse Ähnlichkeit. (lacht)

In der englischen Originalversion leihen Sie der Superhelden-Schneiderin Edna die Stimme. Inwieweit passt diese Rolle zu Ihnen?

Edna ist super selbstbewusst und zweifelt nie an sich selbst. Sie ist die Person, die ich gerne sein würde. Das Lustige an Edna ist, dass sie jedes Land sie für sich selber beansprucht. In Amerika wird behauptet, dass ich sie nach Kostümbildnerin Edith Head konzipiert habe. Und in Frankreich sind alle davon überzeugt, dass Edna an Coco Chanel angelehnt ist. (lacht)

Originalclip aus "Die Unglaublichen 2"

Interview: Anke Hofmann