Lady Gaga: "Ich habe schon als Mädchen davon geträumt, Schauspielerin zu werden"

Im Remake des Musikfilmklassikers "A Star Is Born" schlüpft Pop-Megastar Lady Gaga in die Fußstapfen von Barbara Streisand. Warum sie sich damit einen Herzenswunsch erfüllt, verrät uns die 32-Jährige im Interview.

Sie waren beim Schaulaufen bei den diesjährigen Internationalen Filmfestspielen von Venedig der absolute Hingucker: Für sein Regiedebüt "A Star Is Born", das am Lido Weltpremiere feierte und am 4. Oktober in unsere Kinos kommt, hatte Hollywood-Star Bradley Cooper ("Limitless"), einen besonderen Coup gelandet und als Protagonistin seiner Musikdrama-Neuauflage keine Geringere gewonnen als Lady Gaga.

Die langsam Richtung Schauspielkarriere umsattelnde Pop-Ikone tritt mit ihrer ersten Hauptrolle unter anderem in die Fußstapfen von Judy Garland ("Ein neuer Stern am Himmel", 1954) und Barbara Streisand ("A Star Is Born", 1976) – und meistert diese Herausforderung mit leidenschaftlicher Bravour...

Darum geht's in "A Star Is Born"

Bradley Cooper spielt den Country-Rockstar Jackson Maine, dessen Stern auch aufgrund seiner Alkoholsucht langsam zu verblassen beginnt. Neuen musikalischen Lebensmut schöpft Jackson, als er in einer Bar die Hobby-Sängerin Ally (Lady Gaga) sieht und sofort ihr Talent erkennt. Während der Altstar die unsichere Musikerin unter seine Fittiche nimmt und in eine gefeierte Bühnensensation verwandelt, entwickelt sich zwischen beiden eine leidenschaftliche Liebesbeziehung – bis Allys aufgehender Stern ihren Entdecker immer mehr in den Schatten stellt...

Trailer zu "A Star Is Born"

Lady Gaga im Interview zu "A Star Is Born"

GOLDENE KAMERA: Es ist nicht das erste Mal, dass Sie vor der Kamera stehen. Für Ihre Darbietung in der TV-Serie "American Horror Story" wurden Sie sogar schon mit Preisen ausgezeichnet. Warum der Wechsel zur Schauspielerei?

LADY GAGA: Als kleines Mädchen habe ich schon davon geträumt, Schauspielerin zu werden und eines Tages die Hauptdarstellerin eines Film zu sein. Ich habe fast zehn Jahre lang die Schauspiel-Methode von Lee Strasberg studiert, die angeblich die gefährlichste Art von Method Acting ist. Sie fordert den Schauspieler dazu auf, tiefste Gefühle aus der Kindheit wieder auszuleben. Das gleiche mache ich, wenn ich als Sängerin auf der Bühne stehe. Der einzige Unterschied ist, dass ich als Schauspielerin die Worte nicht selber geschrieben habe und zur Dienerin der Kunst werde. Aber genau das gefällt mir an diesem Job, denn es gibt mir ein unheimliches Gefühl der Freiheit, wenn jemand anderes die Kontrolle in den Zügeln hält.

Warum haben Sie sich "A Star Is Born" als Ihr Hauptrollendebüt ausgesucht?

Vom ersten Moment an, als mich Bradley in meinem Haus in Kalifornien besucht hat und ich in seine Augen schauen konnte, haben wir uns total gut verstanden. Eine Sekunde später fütterte ich ihn schon mit meinen Pasta-Resten. (lacht) In uns beiden fließt italienisches Blut, und wir sind beide an der Ostküste von Amerika aufgewachsen – es bestand also sofort eine Verbindung zwischen uns. Er bat mich, das Lied "Midnight Special" mit ihm zu singen. Ich setzte mich also ans Klavier und fing an zu singen. Als ich den ersten Ton seiner Stimme hörte, fiel ich fast vom Klavierhocker. Ich hörte sofort auf zu spielen und sagte zu Bradley: "Oh Gott, deine Stimme ist unglaublich schön, voller Seele!"

Musikvideo: Lady Gaga und Bradley Cooper mit "Shallow"

In diesem Moment wusste ich, dass er perfekt für die Rolle eines Rock Stars war. Und weil er fest daran glaubte, dass ich die richtige Partnerin für diesen Film sei, habe ich sofort Ja gesagt. Es war kein geplanter Karriereschritt für mich, "A Star Is Born" war einfach wie für mich geschaffen.

Wie schwer ist es, sich auf dem Weg zum Starruhm nicht selbst zu verlieren?

Bevor irgendjemand meinen Namen oder meine Musik gehört hat, wurde mir bereits gesagt, dass ich meine Nase operieren lassen sollte. Aber ich bin sehr stolz auf meine italienische Nase und habe dankend abgelehnt. Der Spiegel war nicht immer mein Freund, aber ich habe gelernt, mich selbst zu lieben. Ich bin ich selbst geblieben, indem ich immer nur das machte, was zu mir passte – egal ob es mein Aussehen, meinen Tanzstil oder meine Aussagen betraf. Wenn man mich drängte, zu einer Sexbombe zu werden, habe ich das Gegenteil gemacht. (lacht) Ich habe schon immer gegen die Norm gekämpft – vor allem gegen das weit verbreitete Image von Frauen in der Popmusik. Und ich bin noch lange nicht fertig, der Welt zu zeigen, wer ich wirklich bin.

Die Anfänge: "Lady Gaga & the Starlight Revue" beim Lollapalooza Festival 2007

Apropos: Sagen Ihre Freunde eigentlich Lady Gaga zu Ihnen oder Stefani Joanne Angelina Germanotta, wie Sie bürgerlich heißen?

(lacht) Einige ja. Andere nennen mich Stefani. Und einige Freunde und meine Familie sagen einfach nur Stef.

Was macht einen Menschen zum Star? Und wann fühlen Sie sich wie ein Star?

Ein Star ist, wer Mut, Mitgefühl und Verständnis hat. Fühle ich mich selbst wie ein Star? Manchmal ja, aber meistens bin ich einfach nur ein Mensch wie jeder andere. Es ist für mich auch nicht wichtig, ein Star zu sein. Viel wichtiger ist es, eine Stimme in dieser Welt zu haben.

Mit "A Star Is Born" haben Sie sich Ihren Kindheitstraum erfüllt. Wovon träumen Sie jetzt?

Ich träume davon, eines Tages Mutter zu werden und eine Familie zu gründen. Und ich träume davon, noch mehr Filme zu drehen und mehr Musik zu schreiben. Aber selbst wenn diese Träume nicht wahr werden sollten, bin ich glücklich mit mir selbst und mit meinem Leben. Karriere ist nicht meine höchste Priorität.

Interview: Anke Hofmann