Kino-Event der Woche: "Abgeschnitten"

Das wird ganz harte Kost: "Abgeschnitten" nach dem Bestseller von Sebastian Fitzek zeigt eine Obduktion in allen Einzelheiten. Wir verraten, wie Christian Alvarts top-besetzter Thriller geworden ist und trafen den Autoren der Vorlage zum Gespräch.

Er gilt als Deutschlands Thriller-König: Seit 2006 schreibt Sebastian Fitzek einen Bestseller nach dem anderen. "Abgeschnitten", der im Jahr 2012 erschien und jetzt von Chritian Alvart ("Tschiller: Off Duty") in einen gleichnamigen Filmschocker (Kinostart: 11. Oktober) verwandelt wurde, war sein erstes Gemeinschaftsprojekt mit dem bekannten Forensiker Michael Tsokos.

Darum geht's in "Abgeschnitten"

Rechtsmediziner Paul Herzfeld (Moritz Bleibtreu) bekommt eine verstümmelte Frauenleiche auf den Tisch. Als er in ihrem Kopf einen Zettel mit der Handynummer seiner Tochter findet, beginnt das Grauen: Ein irrer Kidnapper schickt Paul auf eine schreckliche Schnitzeljagd. Die nächste Leiche mit dem nächsten Hinweis liegt auf Helgoland. Gefunden hat sie Linda (Jasna Fritzi Bauer), die sich hier vor ihrem Ex versteckt. Da ein heftiger Sturm tobt, hat Paul keine Chance, die Insel zu erreichen. Linda muss ran, nach seiner Anleitung. Wenigstens hat sie als Comiczeichnerin eine ruhige Hand...

Trailer zu "Abgeschnitten" (Kinosstart: 11. Oktober 2018)

GOKA-Wertung

Regisseur Christian Alvart und diverse Darsteller hospitierten bei einer echten Autopsie. Die Filmleichen sind teils Statisten, teils Silikondummys. Spaß macht der fiese Reißer vor allem dank Enno Hesse, der Pauls unfähigen Praktikanten Ingolf spielt, und Fahri Yardım in der Rolle des lässigen Klinikhausmeisters Ender. Unheimlich wird es dagegen bei Lars Eidinger: Sein Psychopath ist verstörender als jeder Skalpellschnitt. "Abgeschnitten" erweist sich damit als scheußlich spannendes Killer-Puzzle, das hemmungslos aufs Ganze geht – in jeder Hinsicht!

Wie die Verfilmung seines Bestsellers Sebastian Fitzek selbst gefallen hat und warum sein Reißer ausgerechnet auf Helgoland spielt, verrät uns der 46-Jährige im Interview.

Sebastian Fitzek im Interview

GOLDENE KAMERA: Wie hat Ihnen die Verfilmung von "Abgeschnitten" gefallen?

SEBASTIAN FITZEK: Ich war erstaunt, wie nahe der Film am Buch ist. Als Autor verfalle ich normalerweise schnell in einen Analysemodus: Wo weicht der Film von der Vorlage ab? Aber diesmal habe ich den Kopf ausgeschaltet und mich so von der Filmwelt gefangen nehmen lassen, dass ich mir "Abgeschnitten" gleich noch ein zweites Mal angesehen habe.

Die ausführliche Obduktionsszene wirkt extrem realistisch.

Michael Tsokos und ich haben immer gesagt: Diese "ferngesteuerte" Obduktion bietet endlich mal die Möglichkeit, eine Autopsie so zu zeigen, wie sie wirklich verläuft – eben weil ein Laie angeleitet werden muss. Selbst bei "CSI" wird so etwas abgemildert dargestellt. Wir wollten es aber so akkurat wie möglich zeigen, Michael Tsokos war auch als Berater am Set. Natürlich wird das explizit. Deshalb war es wichtig, für Auflockerung zu sorgen: in Gestalt von Ingolf von Appen und Ender Müller. Ich war als Zuschauer dankbar, dass ich mal lachen und durchatmen durfte.

Wie sind Sie ausgerechnet auf den Schauplatz Helgoland gekommen?

Die Idee zu "Abgeschnitten“ entstand, als Michael Tsokos und ich uns auf der "Langen Nacht der Pathologie" in Berlin getroffen haben. Wir waren beide als Vortragende eingeladen. Nach Mitternacht standen wir zusammen beim Catering. Aus reiner Höflichkeit fragte ich: Hätten Sie nicht Lust, mal etwas Fiktionales zu schreiben? Zu meinem Leidwesen sagte er Ja. Ich saß also in der Falle und musste mir seine Story anhören – die jedoch super war.

Tatsächlich war es einmal so, dass Michael nach Helgoland gerufen wurde, um eine Leiche zu obduzieren, die an den Strand gespült worden war. Er kam aber nicht hin, denn die Insel war durch einen Sturm vom Festland abgeschnitten. Er rief den Polizeichef an und meinte: "Fangen Sie doch schon mal an, ich leite Sie telefonisch da durch." Helgoland war für das Buch also gesetzt. Und auch den Titel "Abgeschnitten" hatten wir uns schon dort an der Würstchenbude, an der wir standen, ausgedacht.

Sie schreiben mindestens ein Buch pro Jahr. Wie machen Sie das?

Ich glaube, jeder Mensch wird einmal im Monat mit einer Grundidee konfrontiert, die einen handfesten Psychothriller abgeben könnte. Aber die meisten verdrängen das. Ich dagegen bin auf der Suche nach Verhaltensauffälligkeiten und denke um die Ecke: Etwa, wenn der Postbote klingelt und ich ein Paket für einen Nachbarn annehmen soll. Was mag da drin sein? Wer ist dieser Nachbar, den ich nicht kenne? So ist mein Thriller "Das Paket" entstanden.

Am 24. Oktober erscheint auch schon Ihr nächster: "Der Insasse". Machen Sie jetzt erst mal Pause?

Nein. Ich würde auch schreiben, wenn es keiner liest. Für mich gehört das dazu. Andere Menschen atmen doch auch!

Interview: Oliver Noelle