Regisseur Karey Kirkpatrick: "In 'Smallfoot' thematisieren wir die Angst vor dem Anderen"

Im neuen Animationsspaß des "Ab durch die Hecke"-Regisseurs wird die Bigfoot-Legende auf den Kopf gestellt. Wir trafen Karey Kirkpatrick zum exklusiven Gespräch über die größten Herausforderungen und versteckte Botschaften.

12 Jahre nach "Ab durch die Hecke" legt Regisseur Kary Kirkpatrick seinen zweiten Animationsfilm vor. Doch in den Augen des 53-Jährigen ist "Smallfoot – Ein eisigartiges Abenteuer" (Kinostart: 11. Oktober) kein schlichter Familienspaß, denn hinter Migo und den anderen Yeti-Helden steckt mehr, als man vordergründig denken könnte...

Regisseur Karey Kirkpatrick über "Smallfoot"

Darum geht's in "Smallfoot – Ein eisigartiges Abenteuer"

Yeti-Teenager Migo flippt aus: Er hat einen Smallfoot gesehen! Glatt gelogen, behauptet der Dorfälteste: Die gibt’s nämlich gar nicht, so steht es in Stein gemeißelt. Zur Strafe wird Migo verbannt. Jetzt will er erst recht beweisen, dass diese sogenannten Menschen existieren. Unterdessen dreht "Kleinfuß" Percy am Fuße des Himalaja eine neue Folge seiner Reiseshow. Und eine Yeti-Sichtung würde da natürlich super Quoten bringen...

Trailer zu "Smallfoot – Ein eisigartiges Abenteuer"

"Smallfoot"-Regisseur Karey Kirkpatrick im Interview

GOLDENE KAMERA: Eis, Schnee, Fell. Was war die größte Herausforderung für einen Animationsfilm über Yetis?

KAREY KIRKPATRICK: Grundsätzlich gelten Fell, Eis und Schnee als die schwersten Dinge bei einer Animation. Und unser Film hat alle drei Elemente! (lacht) Wenn Yetis im Eis und Schnee zu sehen sind, hat die Berechnung jedes einzelnen Bildes oft 200 Stunden gebraucht. Und wir hatten viele Diskussionen darüber, wie wir die weißhaarigen Yetis inmitten von Eis und Schnee interessanter machen können, damit der Film nicht eintönig aussieht. Da es sich bei "Smallfoot" um eine Fabel handelt, haben wir uns ein paar Freiheiten erlaubt und das Fell einiger Yetis lila oder braun gefärbt. Und als Farbtupfer für das Yeti-Dorf haben wir uns von buntem Speiseeis inspirieren lassen.

Teaser-Trailer zu "Smallfoot - Ein eisigartiges Abenteuer"

Waren Sie ein so großer Bigfoot-Fan, dass Sie sich trotz all der Herausforderungen auf diesen Film einlassen wollten?

Es gibt drei Gründe: Ich liebe Filme, deren Handlung sich in einen Satz zusammen fassen lassen können. In unserem Fall: "Smallfoot" ist Bigfoot umgekehrt. Zweitens: Ich liebe Mythen. Die Idee, die Menschenwelt aus der Perspektive von Tieren zu zeigen, reizte mich. Und außerdem liebe ich Musicals. Musicals waren der Grund, warum ich überhaupt in die Welt der Animation eingestiegen bin. Ich wollte ursprünglich Liedertexte für Disney schreiben, aber die Jobs gingen alle an Randy Newman, Phil Collins, Alan Menken, Howard Ashman und so weiter und so fort. (lacht)

Originalclip aus "Smallfoot - Ein eisigartiges Abenteuer"

Sie haben "Smallfoot" als Fabel beschrieben. Warum?

Der altgriechische Dichter Äsop nutzte Tiere, um eine moralische Geschichte zu erzählen. Das gleiche haben auch Hans Christian Andersen oder die Brüder Grimm gemacht und mit ihren Gleichnissen die damalige Gesellschaft kommentiert. Heutzutage können Animationsfilme diese Aufgabe erfüllen. Und Trickfilme mit allegorischem Inhalt, in denen Tiere genutzt werden, um menschliche Geschichten zu erzählen, sind mir am liebsten.

Unsere Welt hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. Es ist nicht so, dass wir mit "Smallfoot" eine politische Botschaft geplant hatten, aber durch die immigrationsfeindliche Grenzpolitik der aktuellen Regierung und durch den weltweiten Trend in Richtung Isolationismus wirkt unser Film sehr aktuell. Denn in "Smallfoot" thematisieren wir die Angst vor dem Anderen.

Worüber sind Sie besonders stolz mit „Smallfoot“?

Als ich "Solo: A Star Wars Story" und Chewbaccas Fell im Wind wehen sah, schrie ich auf: "Chewie sieht aus wie Migo!" Der einzige Unterschied ist, dass sie einen Schauspieler im Kostüm hatten, während wir unser Fell animiert haben!

Interview: Anke Hofmann; Filminhalt: Ulrike Schröder