Brian May: "'Bohemian Rhapsody' zeigt Freddies Kraft und Überschwänglichkeit"

Queen-Gitarrist Brian May (l.) und Queen-Drummer Roger Taylor (r.) feiern mit Freddie-Mercury-Darsteller Rami Malek in London die Weltpremiere von "Bohemian Rhapsody"
Queen-Gitarrist Brian May (l.) und Queen-Drummer Roger Taylor (r.) feiern mit Freddie-Mercury-Darsteller Rami Malek in London die Weltpremiere von "Bohemian Rhapsody"
Zum Kinostart von "Bohemian Rhapsody" trafen wir Queen-Gitarrist Brian May zum exklusiven Interview über Pop-Ikone Freddie Mercury und Bryan Singers packendes Biopic.

Ein freundlicher älterer Herr stellt sich mit leiser Stimme vor: "Hi, ich bin Brian." Gitarrengott Brian May (71) zeigt vor dem Konzert von Queen in Hamburg so gar keine Rockstarattitüde – und spricht im Interview über Freddie Mercury, den 1991 an Aids verstorbenen Queen-Sänger, und den Film "Bohemian Rhapsody", der am 31. Oktober ins Kino kommt.

Queen-Gitarrist Brian May im Interview

GOLDENE KAMERA: Warum ist der Film Ihrer Meinung nach so mitreißend?

BRIAN MAY: Nach über zehn Jahren Vorbereitung war das Casting von Rami Malek als Freddie Mercury entscheidend. Er hat uns umgehauen, als wir ihn das erste Mal trafen. Wir haben sofort Freddie in ihm gesehen – und auch Ramis Leidenschaft für die Figur.

Rami Malek über "Bohemian Rhapsody"

Haben Sie mit Rami Malek über Freddie Mercury gesprochen?

Ja, wir haben viel Zeit miteinander verbracht. Ich finde es großartig, wie Rami nicht nur Freddies Kraft und Überschwänglichkeit eingefangen hat, sondern auch seine verletzlichen Seiten – und davon hatte er einige. Er kam ja von ganz unten. Viele erinnern sich an Freddie als grelle Persölichkeit und vergessen darüer, dass er auch ein brillanter Musiker war. Der Film zeigt das.

Konnte man das musikalische Potenzial von Freddie sofort erkennen?

Die einfache Antwort lautet: nein. Er war voller Träume, Fantasien und Unsicherheiten. Und er war nie zufrieden mit seiner Arbeit. Er ging immer wieder ins Studio zurück und sagte: "Nein, das war noch nicht gut genug. Ich muss das unbedingt besser machen."

Clip aus "Bohemian Rhapsody"

Geht es im Film ausschließlich um Freddie oder die gesamte Band?

Eher um Freddie. Und um seine Musik. Er hatte sein Leben komplett seiner Musik gewidmet. Natülich sind wir anderen drei Thema, auch seine Familie, sein Liebesleben, seine Drogen. Die Philosophie war, die Wahrheit zu zeigen, aber für einen Film muss man auch dramatisieren, verkürzen, verändern.

Wie finden Sie den Titel des Films, "Bohemian Rhapsody"?

Gut, denn tatsächlich war es meine Idee. Sie hatten eine ellenlange Liste mit Vorschlägen, und ich fragte "Habt ihr denn 'Bohemian Rhapsody' da drauf? Nein? Na, dann schreib es mal hin."

Was ist eigentlich mit dem Titel und dem Text des Songs gemeint?

Das kam alles aus Freddies Kopf. Wir wissen bis heute nicht, was das alles bedeuten sollte, es wird für immer ein Mysterium bleiben. Und wenn ich es wüsste, würde ich es nicht verraten.

Wie war es, als Sie die vier Schauspieler erstmals im Kostüm sahen?

Wir haben sie das erste Mal in den Live- Aid-Szenen gesehen – ein unfassbarer Gänsehautmoment. Das Konzert ist absolut perfekt nachgestellt.

Mit dem grandiosen Live-Aid-Auftritt endet auch der Film. Was bedeutete das Konzert für die Band?

Das war unheimlich wichtig. Die Band war damals gespalten, wir waren auch ein wenig raus aus dem Rampenlicht. Die Tickets waren ja bereits verkauft, als noch nicht feststand, dass wir dabei sind. Wir dachten damals, die Show sei wichtig für uns, und trotzdem gingen wir einfach so raus auf die Bühne im Tageslicht – und in Jeans. Aber sobald wir mit "Radio Gaga" anfingen, drehten alle durch. Danach glaubten wir wieder an uns, an Queen.