Emily Blunt: "Ich habe mich als Kind dank 'Mary Poppins' geschützt und sicher gefühlt"

Zauberhaft! Emily Blunt erweist sich in "Mary Poppins' Rückkehr" als würdige Nachfolgerin von Julie Andrews in der Fortsetzung des Disney-Klassikers von 1964. Wir trafen die 35-jährige Britin zum Gespräch über die späte Fortsetzung und ihre eigene "Mary Poppins"-Biographie.

Gerade mal zwei Jahre ist es her, dass Emily Blunt in "The Huntsman & the Ice Queen" als eiskalte Märchenschurkin für frostige Stimmung gesorgt hat. Jetzt schlüpft die gebürtige Londonerin für "Mary Poppins' Rückkehr" (ab 20. Dezember im Kino) in das Kostüm einer der beliebtesten Disney-Figuren überhaupt – und macht dabei eine formidable Figur...

Filmclip aus "Mary Poppins' Rückkehr"

Darum geht's in "Mary Poppins' Rückkehr"

24 Jahre nachdem sie es verlassen hat, landet Mary Poppins erneut in London, mitten in der Depression der 30er-Jahre. Marys einstiger Schützling Michael Banks (Ben Whishaw) lebt als Erwachsener immer noch im Kirschbaumweg 17. Schwester Jane (Emily Mortimer) und Köchin Ellen (Julie Walters) helfen mit dem chaotischen Haushalt. Weil Michael über die Trauer um den Tod seiner Frau die Kinder vergisst und die Bank das Haus pfänden will, kümmert sich Mary mit Laternenanzünder Jack (Lin-Manuel Miranda) ein zweites Mal um die Banks-Kinder – die kleinen wie die großen.

Trailer zu "Mary Poppins' Rückkehr"

Hintergrund

Mit 54 Jahren setzt "Mary Poppins’ Rückkehr“ einen Rekord für den längsten Abstand zwischen einem Live-Action-Film und dem Sequel. Stoff gab es genug: Die Fortsetzung des fünffachen Oscar-Siegers 1965 basiert auf sieben bisher unverfilmten "Mary Poppins"-Büchern von Autorin P. L. Travers. Für die Musicalszene im Park wollte Rob Marshall unbedingt wieder Zeichentrick, musste sich aber erst gegen Disney durchsetzen. Im Film sind nun die ersten handgezeichneten Figuren seit "Winnie Puuh" (2011) zu sehen. Der 93-jährige Dick Van Dyke kehrt mit einem Cameo als tanzender Bankier-Opa zurück. Auch der Original-Poppins Julie Andrews wurde ein Gastauftritt angeboten, den sie aber aus Rücksicht auf Emily Blunt ablehnte.

Clip mit Julie Andrews und Dick Van Dyke aus "Mary Poppins" (1964)

GOKA-Wertung

Nostalgischer könnte Disney sich nicht feiern. Wer die fast vollkommene Nanny liebt, wird sie hier in vollem Glanz wiederfinden. Emily Blunt darf sich schon mal für eine Oscarnominierung warmlaufen, genau wie das Setdesign, die Musik mit neun (!) neuen Ohrwurm-Songs und die Kostüme. Meryl Streeps Gastspiel als Marys Cousine Topsy ist spaßig, aber überflüssig, Colin Firth dagegen setzt als Bankchef schöne Akzente. Und wer es jetzt schon wissen will: Sogar die Pinguin- kellner steppen wieder!

"Mary Poppins' Rückkehr": Emily Blunt im Interview

Emily Blunt über "Mary Poppins' Rückkehr"

GOLDENE KAMERA: Wann haben Sie die "echte" Mary Poppins für sich entdeckt?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass "Mary Poppins" mein erster Film war – wahrscheinlich im Alter von sechs Jahren. Als ich die Rolle angeboten bekam, hatte ich mich absichtlich dagegen entschieden, den Film als Erwachsene wieder anzuschauen. Erstens, um meine süßen Erinnerungen als Basis zu nutzen. Und zweitens, um meine eigene Interpretation und Version von Mary Poppins zu finden und nicht Julie Andrews zu imitieren. Denn Julies Darbietung im ersten Film ist so wunderschön, sie muss geschätzt und erhalten bleiben – und hoffentlich nicht durch mich zerstört werden! (lacht)

Clip mit Julie Andrews als "Mary Poppins" (1964)

Inwieweit ist "Mary Poppins' Rückkehr" ein eigenes Kapitel in der Mary-Poppins-Saga? Und inwieweit hat sich Mary Poppins verändert?

"Mary Poppins' Rückkehr" spielt in einer dunkleren Ära der Zeitgeschichte: während der Großen Depression im frühen 20. Jahrhundert. Aber Mary Poppins ist die gleiche geblieben. Sie bringt wie immer Ordnung ins Chaos und macht alles wieder gut. Ich erinnere mich, wie ich mich als Kind dank Mary Poppins geschützt und sicher gefühlt habe.

Julie Andrews war für ihre Stimme berühmt. Wie nervös waren Sie, in diese Fußstapfen zu treten?

Ich habe erst durch "Into the Woods" entdeckt, dass ich überhaupt singen kann. Davor war es mir immer viel zu peinlich, vor anderen einen Ton von mir zu geben. Singen war immer etwas sehr persönliches für mich, und ich bevorzuge es immer noch, alleine im Auto, unter der Dusche oder im Haus zu singen. Bei Partys oder beim Karaoke benötigt es riesige Mengen Tequila, um mich aufzulockern. (lacht)

Zum Glück hatte "Mary Poppins' Rückkehr" den gleichen Regisseur wie "Into the Woods". Rob Marshall hat mir sehr viel Selbstvertrauen gegeben. Und zum Glück waren unsere Songs nicht von Stephen Sondheim geschrieben, dessen Werke einem Sänger alles abverlangen. Die Lieder in "Mary Poppins Returns" waren maßgeschneidert für meine Stimmbänder. Und ich habe mich natürlich monatelang vor Drehbeginn intensiv mit Gesangunterricht vorbereitet!

"Mary Poppins' Rückkehr": Soundclip von Emily Blunt

Haben Sie je als Nanny gejobbt?

Nicht als Nanny, aber ich habe mir ab 14 Jahren mit Babysitten Geld verdient. Und ich war Spülmädchen bei einer Catering-Firma. Offenbar eine gute Methode, um berühmt zu werden. (lacht)

Interview: Anke Hofmann