Hape Kerkeling über den Film seines Lebens: "Der Junge muss an die frische Luft"

Oscar-Preisträgerin Caroline Link ("Nirgendwo in Afrika") hat Hape Kerkelings Autobiografie "Der Junge muss an die frische Luft" verfilmt. Zum Kinostart sprachen wir exklusiv mit dem Kult-Entertainer über den Film und seine nicht immer unbeschwerte Kindheit.

Endlich ist er wieder da! Vor drei Jahren hat sich Hape Kerkeling von der Showbühne verabschiedet. Für GOLDENE KAMERA macht der vierfache GOKA-Preisträger (1991, 2005, 2012 und 2015) ausnahmsweise einen Schritt ins Rampenlicht und gibt ein exklusives Interview zur Verfilmung seiner Autobiografie "Der Junge muss an die frische Luft", die am 25. Dezember ins Kino kommt...

Darum geht's in "Der Junge muss an die frische Luft"

Der Ruhrpott im Jahr 1972: Der kleine Hans-Peter (Julius Weckauf) wächst geborgen im Kreise seiner feierwütigen Verwandtschaft auf, die er mit seinem Talent ständig zum Lachen bringt. Was noch niemand wissen kann, aus dem pummeligen Schuljungen wird ein großer Entertainer: Hape Kerkeling.

Trailer zu "Der Junge muss an die frische Luft"

GOKA-Wertung

"Der Junge muss an die frische Luft" ist die berührende Verfilmung seiner gleichnamigen Autobiografie aus dem Jahre 2014 und erzählt die wichtigsten Jahre seiner Kindheit, in denen er seine größte Aufgabe darin sieht, seine depressive Mutter (Luise Heyer) fröhlich zu stimmen – bis ihr die Kraft ausgeht. Oscar-Preisträgerin Caroline Link ("Nirgendwo in Afrika") gelingt eine Komödie mit viel Tiefgang, eingebettet in eine grandiose Zeitreise in die 70er-Jahre.

"Der Junge muss an die frische Luft": Hape Kerkeling im Interview

GOLDENE KAMERA: Schön, Sie wieder zu sehen! Wie geht es Ihnen?

HAPE KERKELING: Danke, prächtig. Besser denn je.

Vermissen Sie die Bühne?

Nein, sobald ich allerdings auf der Bühne stehe und beispielsweise mal wieder lese, denke ich: Geil! Wieso mache ich das eigentlich nicht hauptberuflich?

Nun ist Ihr Buch "Der Junge muss an die frische Luft" verfilmt worden. Haben Sie schon beim Schreiben daran gedacht, dass das etwas fürs Kino wäre?

Nein, aber ich habe in meinem Berufsleben vor allem als Drehbuchautor gearbeitet, sei es für "Kein Pardon" oder "Club Las
Piranjas". Also schreibe ich Bücher eher im Stil eines Skripts. Ursprünglich wollte ich auch gar kein Buch über meine Kindheit schreiben. Sondern über meine Berufsjahre. Als ich auf Seite 300 angelangt war, war ich gerade mal acht Jahre alt. An der Stelle habe ich es dann gut sein lassen. Es sollte ja kein Tolstoi werden.

Wenn Sie an einen Ort ihrer Kindheit zurückkehren könnten, so wie er im Jahr 1972 war, mit all seinen Gerüchen, Geräuschen, Menschen – welcher wäre das?

Der Laden meiner Großmutter Änne. Die alte Kasse möchte ich noch mal klingeln hören; das Türglöckchen bimmeln. Die drolligen Geschichten der Kunden möchte ich noch mal erzählt bekommen. Den frisch gemahlenen Kaffee riechen. Und in die Gläser voller Süßigkeiten greifen. Ach, das wäre schön.

Wie sehr haben Sie sich bei der Produktion eingemischt?

Hier und da habe ich zum Drehbuch meinen Senf dazugegeben. Am Set war es ein bisschen spooky: Am ersten Drehtag war ich in der Filmwohnung der Kino-Kerkelings. Und die sah geradezu erschreckend echt aus. Es war wie eine Zeitreise. Der Boiler über der Spüle. Der Kühlschrank. Selbst die Tischdecke.

Wie gefällt Ihnen Julius Weckauf als kleiner Hape?

Der Julius! Er ist ein kleines Wunder. Wie der das Heitere und das Drama einfach so weggespielt hat. Bewundernswert. Man spürt auch, dass er aus einer ganz starken, gesunden Familie kommt.

Regisseurin Caroline Link hat den Freitod Ihrer Mutter nicht ausgespart. Haben Sie darüber vorher ausführlich gesprochen?

Ja, Caroline ist feinfühlig, hellhörig und eine sehr gute Filmhandwerkerin. Der Film verliert deshalb auch nicht in seinen schwierigsten Momenten diese geheimnisvolle Leichtigkeit. Der Film atmet irgendwie. Ich weiß nicht, wie sie das macht, ich bin noch nicht dahintergekommen.

Sind Sie versöhnt mit diesem Moment in Ihrem Leben? Auch versöhnt mit Ihrer Mutter?

Da ich grundsätzlich zur Versöhnung neige, lautet die Antwort ja.

Haben Sie während des Films geweint?

Emotional besonders mitgenommen hat mich die Geschichte meiner Oma Bertha. Wie Sie als 72-Jährige nach dem Tod meiner Mutter einfach ihr Bündel schnürt, um völlig selbstverständlich, ohne zu klagen, meine Erziehung zu übernehmen. Das hat mich umgehauen. Vielleicht ist das auch die Botschaft des Films: Kinder, reißt euch zusammen und haltet zusammen!

Haben Sie ein neues Projekt in der Pipeline? Woran arbeiten Sie gerade?

Derzeit an einem sehr persönlichen Stoff und an einer kleinen netten Filmidee.

Gibt es etwas, wofür Sie doch noch mal vor die Kamera zurückkehren würden?

Never say never. Man hat ja bekanntlich schon Nilpferde kotzen sehen. Hach, aber einen Film würde ich gern wieder machen.

Kommen nach wie vor Fernsehanfragen?

Letztens kam etwas von RTL, da wäre ich beinahe eingeknickt. Himmel, das war richtig gut geschrieben. Aber ich habe es nicht gemacht, und das ist auch gut so.

Wie feiern Sie Weihnachten?

Mit der Familie schön in Ruhe. Ein Baum mit Lametta, ein bisschen Gans mit Rotkohl. Mehr brauchen wir nicht. Ruhe! Frieden! Das ist Weihnachten für mich. Und ich möchte bitte nicht vollgelabert werden.

"ttt"-Beitrag über "Der Junge muss an die frische Luft"