Julia Roberts: "Hoffnung muss es immer geben"

Im Mutter-Sohn-Drama "Ben Is Back" zeigt Julia Roberts wieder einmal, dass sie zu den emotionalsten Schauspielerinnen Hollywoods gehört. Wir trafen die Oscar-Preisträgerin zum Gespräch.

Ein Jahr nach der Jugendbuchverfilmung "Wunder" spielt Oscar-Preisträgerin Julia Roberts im Drama "Ben Is Back" (Kinostart: 10. Januar) erneut die Mutter eines Sohnes, der die Familie vor große Herausforderungen stellt. Eine prekäre Situation, die der dreifachen Mutter privat bislang erspart geblieben ist...

Julia Roberts über das Familiendrama "Ben Is Back"

Darum geht's in "Ben Is Back"

Als Holly (Julia Roberts) am Heiligabend nach Hause kommt, steht ihr Sohn Ben (Lucas Hedges) nach 77 Tagen in einer Entzugsklinik unangemeldet vor der Tür. Obwohl Bens Schwester Ivy (Kathryn Newton) und Stiefvater Neal (Courtney B. Vance) protestieren, empfängt Holly ihn glücklich, versteckt allerdings sofort Schmuck und Medikamente. Noch in derselben Nacht zwingt ein schlimmes Ereignis Ben zur Rückkehr in seine Drogenvergangenheit – und Holly mit ihm.

Trailer zu "Ben Is Back"

GOKA-Wertung

Freude und Horror liegen im intensiven Mutter-Sohn-Drama "Ben Is Back" erschütternd nah beieinander. Lucas Hedges ("Lady Bird") spielt den strauchelnden Junkie gut, aber Julia Roberts ist als innerlich zerrissene Löwenmama diejenige, die süchtig macht. Oscar-würdig!

"Ben Is Back": Julia Roberts im Interview

GOLDENE KAMERA: Haben Sie als Vorbereitung für diese Rolle mit Müttern drogenabhängiger Kinder gesprochen?

JULIA ROBERTS: Nein, weil das zu egoistisch für mich als Künstler gewesen wäre und ich andere nicht ihren Schmerz wieder erleben lassen wollte, nur damit es einfacher für mich ist, diesen Schmerz darzustellen. Stattdessen habe ich eine Flut von persönlichen Geschichten und Erfahrungen online gefunden, und es ist sehr traurig zu sehen, wie viele Artikel und Videos es über dieses Thema gibt. Wenn man "Mütter von drogenabhängigen Kindern" googelt, stößt man auf sehr viele Onlineforen, die sich nur diesen Müttern, ihren Gefühlen und ihren Krisen widmen.

Was hat Sie am meisten geschockt? Und gibt es Hoffnung?

Hoffnung muss es immer geben! Selbst Familien, die ein Familienmitglied durch Drogenmissbrauch verloren haben, brauchen die Hoffnung, dass ihr Verlust nicht völlig vergebens war, sondern dass andere von ihrem Leiden lernen können. Es hat mich sehr fasziniert, wie offen und ehrlich diese Menschen ihr Leid online teilen.

Warum wollten Sie Holly Burns darstellen? Was hat Sie an dieser Rolle gereizt?

Die Herausforderung. Ich wusste von Anfang an, dass "Ben Is Back" kein leichter Dreh sein würde, aber wie mit allen Dingen im Leben weiß man erst, wie leicht oder schwer sie sind, wenn man mitten drin steckt. Erst als Lucas Hedges und ich uns auf einem Nachtdreh bei minus 30 Grad Celsius fragten, ob wir diese Nacht überleben würden, wurde mir klar, dass diese Rolle nicht nur emotional herausfordernd war, sondern auch körperlich.

Sie selbst sind Mutter von drei Kindern. Stellt dieser Film also einen Albtraum für Sie dar?

Wenn ich über all die Albträume, die Eltern haben könnten, nachdenken würde, würde ich meine Haustür abschließen und nie mehr das Haus verlassen! Deswegen versuche ich mich auf das Positive im Leben zu konzentrieren und hoffe einfach, dass es meiner Familie gut gehen wird.

Welche Begegnungen mit Drogen hatten Sie in Ihrer Jugend?

Zum Glück bin ich in einer Kleinstadtgemeinde aufgewachsen, wo Drogenprobleme eine untergeordnete Rolle spielten. Mein Umfeld bestand eher aus Leuten, die auf dem Parkplatz hinter Domino’s Pizza auf leere Bierdosen schossen. (lacht)

Interview: Anke Hofmann