"Glass": Showdown der Anti-Superhelden

In "Glass" lässt M. Night Shyamalan seine von Samuel L. Jackson, James McAvoy und Bruce Willis gespielten Genre-Ikonen aus "Unbreakable" (2000) und "Split" (2016) aufeinander krachen. Wir trafen den Regisseur zum exklusiven Gespräch.

Mit der letzten Szene seines schmutzigen Schockers "Split" (2016) schrieb "Sixth Sense"-Regisseur M. Night Shyamalan ein weiteres Stück Kinogeschichte: Nachdem James McAvoy als fiesem Psychopathen mit 24 Persönlichkeiten die Flucht gelingt, ist plötzlich Bruce Willis als unzerstörbarer David Dunn aus dem Superhelden-Drama "Unbreakable – Unzerbrechlich" (2000) zu sehen.

Die Endszene aus "Split" (2016)

Niemand – nicht einmal der Kinoverleih – ahnte, dass die Filme aufeinander aufbauen! Mit "Glass" (Kinostart: 17. Januar) hat der Regisseur jetzt den Abschluss seiner Trilogie gedreht.

Darum geht's in "Glass"

Philadelphia: Vor 19 Jahren überlebte David Dunn (Bruce Willis, GOLDENE KAMERA 2005) als Einziger ein verheerendes Zugunglück. Denn er ist ein Superheld, der seine Unzerstörbarkeit nur verliert, wenn er mit Wasser in Berührung kommt. Inzwischen macht David mit seinem Sohn Joseph (Spencer Treat Clark) Jagd auf Verbrecher.

Clip mit Bruce Willis und James McAvoy aus "Glass" (2019)

Als er Kevin, den fiesen Psychopathen mit 24 Identitäten (grandios: James McAvoy), aufspürt, werden sie festgenommen und in ein Irrenhaus gesperrt. Hier sitzt auch der hyperintelligente Elijah Price alias Mr. Glass (Samuel L. Jackson), der damals den Zug entgleisen ließ. Dr. Ellie Staple (Sarah Paulson) will die drei davon überzeugen, dass sie gar keine Comicbuch-Charaktere mit besonderen Fähigkeiten sind. Doch sie hat ihre Rechnung ohne Mr. Glass gemacht...

2. Trailer zu "Glass"

GOKA-Wertung

M. Night Shyamalan (Oscar-nominiert für "Sixth Sense") drehte das Finale seiner Genre-Trilogie größtenteils in einer verlassenen Psychiatrie. Das Ergebnis: ein Superheldenfilm mit ganz eigenem, intelligentem Ansatz – und einem Knaller am Schluss. "Glass" entpuppt sich damit als fesselnder Gegenentwurf zu den Marvel-Blockbustern für alle, die im Kino gern den Kopf angeschaltet lassen.

M. Night Shyamalan im Interview

GOLDENE KAMERA: Haben Sie das Thriller-Genre von Beginn an geliebt?

M. NIGHT SHYAMALAN: Ja. Ich hatte zunächst noch nicht das Ding für mich gefunden. Eines Tages saß ich in meinem Büro, und da waren diese Poster an der Wand: "Alien", "Der Exorzist". Da dachte ich: Lass uns mal so etwas machen! Dann habe ich "Sixth Sense" geschrieben.

Mit dessen Twist-Finale begründeten Sie Ihren Ruf. Was ist Ihre Inspiration?

Die Leute sprechen ja darüber, als wäre das ein origineller Tanzschritt wie der "Moonwalk". Beim Schreiben geht es mir immer darum: Wo ist die nächste Schicht, und wo kommt die nächste darunter? Erst kommt eine reiche, komplexe Schicht, von der du denkst, das ist das Ganze! Und dann stellst du fest, es war nur Teil einer ganz anderen Sache.

Wie kamen Sie im Jahr 2000 auf die Idee zu "Unbreakable – Unzerbrechlich"?

Nach "Sixth Sense" dachte ich, schreib schnell deinen nächsten Film, vieleicht wird das ja ein Flop. Disney hat "Unbreakable" sofort gekauft, den Film aber nicht als Superheldenfilm beworben. "Das ist ein spezielles Genre, das sind nur Nerds", sagten sie. (lacht) Tja, und dann kamen "Spider-Man", die "X-Men" und Disney kaufte Marvel.

Trailer zu "Unbreakable - Unzerbrechlich" (2000)

16 Jahre nach "Unbreakable" kam "Split" – warum so viel später?

Fortsetzungen sind nicht mein Ding. Ich schrieb vieles für "Split" bereits 1999, es sollte ursprünglich für "Unbreakable" sein. Als ich Universal "Split" zeigte, wussten sie nicht, dass es diese letzte Szene gibt. Und als dann plötzlich Bruce Willis im Diner sitzt, riefen sie: "Was ist das!? Ist das überhaupt legal?" Ich habe ihnen das größte Kapital des Films verschwiegen – das hat Spaß gemacht!

Sie verzichten immer noch so weit wie möglich auf CGI. Warum?

Technologie finde ich langweilig. Ich sitze nicht gern am PC und frage mich, wie denn das Viech ins Bild kommt. Ich mache keinen CGI-Porno! Bei mir gibt es keine Steadicam, keine Monitore am Set, kein Verbessern im Schneideraum.

Ist James McAvoy ein "Method Actor", blieb er am Set immer in einer seiner 24 Psychopathen-Rollen?

Nein, er ist geistig völlig gesund. Wir hatten fast zu wenig Zeit für seine Szenen, weil alle am Set jedes Mal wie irre geklatscht haben! Das war verrückt, wie von einem anderen Stern. Er wurde geboren für diese Rolle. Ich frage mich, ob er selbst wusste, dass er so etwas kann.

Auf was soll man achten, wenn man das Ende von "Glass" erahnen will?

Was immer ich jetzt sage, bitte trauen Sie mir nicht. Keine Sorge, diesmal gibt es keinen Twist.