Christoph Waltz: "Ich habe eine Scheißangst, was Technologie betrifft"

Im Sci-Fi-Spektakel "Alita: Battle Angel" zeigt sich Kultschurke Christoph Waltz ("Inglourious Basterds") von ungewohnt einfühlsamer Seite. Wir trafen den österreichischen Hollywood-Star zum Gespräch über die Manga-Verfilmung und die Gefahren des technologischen Fortschritts.

Eigentlich ist Österreichs Hollywood-Exportschlager Christoph Waltz auf extreme Rollen abonniert. Doch im Sci-Fi-Spektakel "Alita: Battle Angel" (Kinostart: 14. Februar) zeigt sich der zweifache Oscar-Preisträger ("Inglourious Basterds", "Django Unchained") von einer ungewohnt väterlichen Seite...

Christoph Waltz über "Alita: Battle Angel"

Darum geht's in "Alita: Battle Angel"

Die Erde im Jahr 2563, 300 Jahre nach einem verheerenden Krieg gegen die URM (United Republic of Mars): Wenige Glückliche leben in der Himmelsstadt Zalem, der Rest vegetiert in Iron City dahin. Dr. Dyson Ido (Christoph Waltz) findet die Überreste eines weiblichen Cyborgs (das Gehirn ist menschlich, alles andere aus künstlichen Bauteilen).

Er repariert sie und nennt sie Alita (Rosa Salazar). Bald stellt sich heraus, dass sich Alita nicht nur zum süßen Hugo (Keean Johnson) hingezogen fühlt, sondern auch zur Technologie der URM. Machen Idos Ex-Frau Chiren (Jennifer Connelly) und Motorball-Veranstalter Vector (Mahershala Ali) aus diesem Grund Jagd auf Alita?

2. Trailer zu "Alita: Battle Angel"

Hintergrund

Bei der Vorlage handelt es sich um den Manga "Gunnm" (1990-1995) von Yukito Kishiro, der den US-Titel "Battle Angel Alita" trägt. Für den Film wurde "Alita: Battle Angel" daraus, da Mitproduzent James Cameron nur Titel mit "A" oder "T" will. Cameron verfolgte das Projekt mit seinem "Titanic"-Produzenten Jon Landau seit 1999 und hatte 2005 ein Drehbuch fertig.

Doch 2006 entschied Cameron, "Avatar" vorzuziehen und trat die Regie an Robert Rodriguez ("Sin City") ab, der für seine Drehbuchversion von Landau die Auflage bekam, "die Haare, die Augen, den ganzen Stil" der Figur so nah wie möglich am Manga zu orientieren: "Das Wichtigste für uns war: Die Zuschauer sollten sofort Empathie für Alita empfinden.“

Das Performance Capturing, bei dem durch Markierungspunkte an Körper und Kopf von "Alita"-Darstellerin Rosa Salazar ein digitales 3D-Modell erzeugt wird, ist hoch komplex. "Es war ein technischer Albtraum, überall waren Kameras nur für ihren Anzug“, beschreibt Robert Rodriguez die Arbeit am Set. "Wenn wir die Position veränderten, musste das alles mit umziehen."

Angesichts der mehr als 1500 Effekte-Shots wurde es Rodriguez allerdings doch mulmig: "Als wir drehten, war die Technik noch nicht so weit, ich wusste nicht, ob das am Ende auch gut aussieht. Da bekommst du Todesangst. Wir sind von einem Hochhaus gesprungen in der Hoffnung, unterwegs einen Fallschirm zu bauen."

"Alita: Battle Angel": Set-Interview mit Robert Rodriguez

"Alita: Battle Angel"-Star Christoph Waltz im Interview

GOLDENE KAMERA: Robert Rodriguez hat "Alita: Battle Angel" zwar inszeniert, aber der Film ist eigentlich das geistige Kind von James Cameron...

CHRISTOPH WALTZ: "Alita" ist nicht nur das geistige Kind von James Cameron. Er hat es auch gezeugt, konnte es aber nicht bis zur Geburt austragen und hat also einen sehr kompetenten Geburtshelfer angestellt. (lacht). Dass er Robert dieses Baby übergeben hat, war nicht nur eine großherzige Geste – James hat Robert auch das vollste Vertrauen geschenkt und ihm völlig freie Hand gelassen.

Er überreichte ihm das gesamte Quellenmaterial, das er über Jahre angesammelt hatte und sagte zu ihm: "'Alita' gehört jetzt Dir. Mache den Film so, wie Du Dir ihn vorstellst." Und James hat sich wirklich daran gehalten und den Dreh nur ein einziges Mal besucht – um alle oder sich selbst daran zu erinnern, dass er zum "Alita"-Team dazu gehört. (lacht)

Die Themen in "Alita" erinnern an ikonische Filme wie "Frankenstein" oder Steven Spielbergs "A.I.: Künstliche Intelligenz". Sehen Sie Technologie als etwas Positives oder eher als Grund zur Besorgnis?

Darf ich etwas vulgär werden? Ich habe eine Scheißangst, was Technologie betrifft. Technologischer Fortschritt könnte sehr zum Nutzen der Menschheit sein, aber solange der Mensch involviert ist und seine Finger drin hat, wird dem nie so sein. Und genau das ist der Stolperstein von dem, das wir Zukunft nennen.

Wie stellen Sie sich die Welt in 500 Jahren vor, wenn "Alita: Battle Angel" spielt?

Ich hoffe, dass ich dann nicht mehr lebe! (lacht) Ich habe gerade einen sehr ermutigenden Beitrag von einem Wissenschaftler gelesen, der da meinte: "Keine Angst, die Erde wird es überleben. Denn das hat sie immer getan." Ob die Menschheit dann noch existieren wird, ist eine andere Frage. Ich persönlich habe meine Zweifel, dass es für uns eine Zukunft in 500 Jahren geben wird. Und das meine ich leider ernst.

Filmclip aus "Alita: Battle Angel"

Was können wir alle gegen diese finstere Zukunftsprognose tun?

Wir fragen uns oft: Welchen Unterschied macht es schon, dass ich meine eigene Einkaufstasche mitbringe statt eine Plastiktüte zu benutzen? Oder dass ich den Wasserhahn zudrehe während ich meine Zähne putze? Oder dass ich leere Batterien zum Recyceln bringe statt sie in den Müll zu werfen? Es kann einen riesigen Unterschied machen! Richtig, eine recycelte Batterie bedeutet nichts, aber sechs Millionen recycelte Batterien können uns vielleicht 20 extra Jahre auf diesem Planeten schenken!

Motorball-Filmclip aus "Alita: Battle Angel"

Im Film wimmelt es nur so von Cyborgs. Das bedeutet, dass am Set sehr viele Schauspieler in Anzügen mit Motion-Capture-Markierungen herumliefen. Sie spielen einen Menschen...

Wie im wahren Leben. (lacht)

Wie seltsam war es, als "Minderheit" kostümiert zu sein?

Ich war nackt im Pool zu sehen. Ich habe einen Ritter ohne Furcht und Tadel gespielt. Ich habe das 17. Jahrhundert bereist. Und ich habe als Exzentriker des 20. Jahrhunderts die ausgefallensten Klamotten getragen. Egal welche Kostüme in welchem Film getragen werden, das gehört zu meinem Job. Richtig, am Set von "Alita" gab es sehr viele graue Anzüge mit Sensoren, aber nach drei Sekunden vergisst man, dass es Schauspieler sind und sieht einen Cyborg vor sich.

"Alita: Battle Angel" startet am Valentinstag in den deutschen Kinos. Ist Ihnen dieser Tag wichtig? Und ist dieser Film ein gutes Date-Movie?

Valentinstag ist vollkommen unwichtig und irrelevant für mich. Dementsprechend ist es mir auch völlig wurscht, ob "Alita" der richtige Film für diesen Tag ist oder nicht. (lacht)

Interview: Anke Hofmann; Inhalt und Hintergrund: Oliver Noelle