Amy Adams: "Christian Bale weckt das Biest in mir!"

Im Biopic "Vice: Der zweite Mann" spielt Amy Adams die starke Frau an der Seite das amerikanischen Ex-Vizepräsidenten Dick Cheney. Warum dessen Darsteller Christian Bale verborgene Energien bei ihr weckt und was sie an Lynne Cheney bewundert, verrät uns die heiße Oscar-Kandidatin im Interview.

Bei den diesjährigen Academy Awards gehört das Biopic "Vice: Der zweite Mann" (Kinostart: 21. Februar) zu den großen Favoriten. Unter den insgesamt 8 Nominierungen findet sich neben Regisseur Adam McKay und Verwandlungskünstler Christian Bale, der sich für die Rolle des ehemaligen US-Vizepräsidenten Dick Cheney knapp 20 Kilos angefuttert hat, auch Amy Adams, die als machtbewusste Ehefrau an Cheneys Seite hochverdient und zum sechsten Mal ins Oscar-Rennen geht.

Darum geht's in "Vice: Der zweite Mann"

1963, Wyoming: Als der trinkfreudige Yale-Abbrecher Dick Cheney (Christian Bale) auch noch seinen Job als Elektriker zu verlieren droht, zwingt ihn seine Frau Lynne (Amy Adams) sein Leben umzukrempeln. Sechs Jahre später wird Cheney über ein Praktikum im Weißen Haus zur rechten Hand von Nixons Wirtschaftsberater Donald Rumsfeld (Steve Carell), der ihm die Mechanismen der politischen Macht nahe bringt.

Nach Stationen als Kongressabgeordneter und Verteidigungsminister unter George Bush Sr. wechselt Dick Cheney in die Wirtschaft. Als ihm aber im Jahr 2000 Präsidentschaftsanwärter George W. Bush (ebenfalls Oscar-nominiert: Sam Rockwell) das Amt des Vize-Präsidenten anbietet, kann Machtmensch Cheney trotz Herzschwäche der Chance nicht widerstehen, endlich selber die Strippen im mächtigsten Land der Welt zu ziehen...

Originaltrailer zu "Vice: Der zweite Mann"

Amy Adams im Interview

GOLDENE KAMERA: Wie viel wussten Sie vor diesem Film über Lynne Cheney, die Power-Frau hinter dem 46. Vizepräsidenten der USA?

AMY ADAMS: Nicht sehr viel. Ich wusste, was Leute von ihr hielten. "Vice: Der zweite Mann" war also eine interessante Entdeckungsreise über meine Figur – nicht nur, wie sie aufgewachsen ist, sondern auch über ihre Vorfahren, die Mormonen waren. Sie stammt aus Casper, Wyoming, und war schon als Kind sehr fokussiert und ehrgeizig. Sie begriff sehr früh, dass man hart arbeiten muss, wenn man es im Leben weit bringen will. Und wie man überlebt, wenn es nur eine Person gibt, die einem aus der Klemme helfen kann – nämlich sich selbst.

Amy Adams über "Vice: Der zweite Mann"

Waren Sie nervös, eine noch lebende Person darzustellen?

Es war ein bisschen beängstigend, denn ich konnte zwar die Fakten recherchieren, aber die privaten Dialoge sind reine Spekulation. Ich musste mir selber ausmalen, wie Lynne in den jeweiligen Situationen reagieren würde. Zum Glück hatte ich jemanden wie Adam McKay an meiner Seite, der einer der am besten vorbereiteten Regisseure ist, mit denen ich je gearbeitet habe.

Ich habe mit Adam bereits "Ricky Bobby – König der Rennfahrer" gedreht und wusste daher schon vorher, wie nett, lustig und offen für Improvisation und Risiko er ist. Und das gleiche gilt für Christian Bale. "Vice" ist unser dritter gemeinsame Film. Und in alle drei Filmen spiele ich den dominanten Part, obwohl ich im wahren Leben genau das Gegenteil davon bin. Christian scheint das Biest in mir zu erwecken! (lacht)

Wer war Ihre Inspiration für Ihre Version der Second Lady?

Lynne erinnerte mich sehr an meine Großmutter. Und auch ein bisschen an meine Mutter. Sorry, Mami! (lacht) Aber als meine Mutter den fertigen Film sah, meinte sie zu mir: "Lynne ähnelt so vielen Frauen, die ich kenne und die ihre Männer zum Erfolg antreiben mussten." In dem Moment wusste ich, warum ich solch eine Zuneigung für diese Figur entwickeln konnte. Ich habe mich sogar am Set mehr und mehr wie Lynne verhalten und mit Adam oder Christian die verbale Konfrontation gesucht. Ich glaube, dass mein Mann sehr froh war, als ich mit dieser Rolle fertig war! (lacht)

Originalclip aus "Vice: Der zweite Mann"

Apropos "Antrieb der Männer": Hätte Dick Cheney es auch ohne Lynne zum Vizepräsidenten geschafft?

Lynne wurde immer als die Frau hinter Cheney beschrieben, aber ich finde, dass sie die Frau neben Cheney war – und immer noch ist. Sie hat ihn aber nicht vor sich hergetrieben, sondern Lynne und Dick sind gemeinsam diesen Lebensweg gegangen. Egal ob ich mit ihren Meinungen übereinstimme oder nicht – ich habe immer ihre Arbeitsmoral und familiäres Ethos respektiert. Sie hat promoviert und 29 Bücher geschrieben. Außerdem war sie Co-Moderatorin der CNN-Sendung "Crossfire" und bekleidete Regierungsämter.

Würde sich eine Frau wie Lynne heute selber als Kandidatin für das Amt des US-Präsidenten oder seines Vizes aufstellen lassen?

Das hoffe ich doch sehr, vor allem weil ich eine Tochter habe, die keine Angst hat zu sagen, was sie denkt. Interessanterweise ist das auch ein Lernprozess für mich, denn ich muss mich zurückhalten, ihr nicht Sätze wie "Sei ein braves Mädchen" oder "Vielleicht solltest du das lieber nicht sagen" an den Kopf zu werfen. Ich muss mich als Mutter also selbst neu programmieren, um meiner Tochter nicht das Frauenbild zu vermitteln, das mir meine Mutter in die Wiege gelegt hat.

Interview: Anke Hofmann

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