Frauen an die Macht! Brie Larson ist "Captain Marvel"

Im "Avengers: Endgame"-Prequel mit Oscar-Preisträgerin Brie Larson lernen wir die Entstehungsgeschichte von "Captain Marvel" kennen. Wir trafen die erste Solofilm-Superheldin des Marvel Filmuniversums zum Gespräch.

Marvels erster Superheldinnenfilm "Captain Marvel" (Kinostart: 7. März) hat nicht nur eine Frau in der Hauptrolle, sondern auch eine Autorin und Regisseurin (Anna Boden, gemeinsam mit Ryan Fleck), eine Kostümdesignerin sowie eine Cutterin. Ziemlich viel Frauenpower, die Oscar-Preisträgerin Brie Larson zur mächtigsten Frau im Marvel Cinematic Universe macht...

Brie Larson über "Captain Marvel"

In der Post-Credit-Szene von "Avengers: Infinity War" wurde Carol Danvers alias Captain Marvel als Figur bereits großartig eingeführt: Nach dem (vermeintlichen?) Tod vieler Superhelden schreibt Nick Fury verzweifelt auf dem Pager eine Nachricht an sie und mach Lust auf das große Crossover-Finale in "Avengers: Endgame" (Kinostart: 25. April). Wie sich Fury und Carol Danvers kennengelernt haben, erfahren wir jetzt im Solo-Prequel...

Clip aus "Captain Marvel"

Darum geht's in "Captain Marvel"

Los Angeles im Jahr 1995. Nach einiger Zeit auf dem Planeten Kree kehrt Carol Danvers (Brie Larson) auf die Erde zurück, indem sie durch das Dach eines Videoverleihs kracht. Inzwischen ist sie ein mächtiges Mischwesen – halb Mensch, halb Kree, von Yon-Rogg (Jude Law) für den Kampf trainiert.

S.H.I.E.L.D.-Agent Nick Fury (Samuel L. Jackson) nimmt Carol alias Captain Marvel, die von Erinnerungen an ihre Zeit als Air-Force-Pilotin geplagt wird, unter seine Fittiche. Das Ziel: einen Angriff der bösen Skrulls unter ihrem Anführer Talos (Ben Mendelsohn) – seit Langem die Feinde der Kree – zu verhindern.

Trailer zu "Captain Marvel"

Brie Larson: Die erste Solo-Superheldin im Marvel Cinematic Universe

In der Kinohistorie konnten weder "Supergirl" (1984 mit Helen Slater) noch "Catwoman" (2004 mit Halle Berry) oder "Elektra" (2005 mit Jennifer Garner) so recht überzeugen. Erst die grandiose Gal Gadot brach mit DCs "Wonder Woman" erfolgreich eine Lanze für Superheldinnen. Passenderweise gibt auch Brie Larson, erste und einzige Wahl für die Rolle als Captain Marvel, im Interview mit GOLDENE KAMERA zu: "Als Kind habe ich lieber 'Wonder Woman' gelesen."

DCs Konkurrent Marvel hängt sich jetzt an den "Wonder Woman"-Erfolg dran. Der 21. Film des MCU (Marvel Cinematic Universe) ist zugleich der erste Solofilm für einen weiblichen Star. Dabei geht Marvel durchaus große Risiken ein. Zunächst einmal ist die Figur der Carol Danvers klar spröder angelegt als die von Prinzessin Diana alias Wonder Woman, deren zweiter Film im Juni 2020 startet.

Nicht zuletzt deshalb bügelt Brie Larson dann auch Nachfragen zur Aussage von Kostümdesignerin Sanja Hays, Carol Danvers sei im Film wesentlich weniger sexy als in den Comics, kategorisch ab: "Ich will nicht über Sexyness reden."

Die 29-Jährige erzählt viel lieber von der Vorbereitung auf ihre Actionszenen: "Ich will nicht nur spielen, dass ich stark bin, sondern tatsächlich stark sein." Und nach neun Monaten mit vier Stunden täglich Judo, Boxen, Kickboxen und Krafttraining ist Larson tatsächlich extrem fit. "Beim Kreuzheben schaffe ich jetzt 110 Kilo, beim Stoßen aus der Hüfte 180 Kilo."

Mini-Featurette zu "Captain Marvel"

Das zweite Risiko liegt darin, dass Carol Danvers, obwohl laut Studioboss Kevin Feige der mächtigste Held im MCU, alles andere als perfekt ist. Brie Larsen erklärt das so: "Der Kree-Anteil macht sie zur Kriegerin, es ist ihre militante, aber auch logische, perfektionistische Seite. Die andere Seite aber ist ihre menschliche, ihr Herz. Und die bringt sie häufig in Schwierigkeiten, auch, weil sie den Regeln nicht folgen kann."

Clip aus "Captain Marvel"

Zudem wurde in Captain Marvels Szenen so weit es ging auf Effekte verzichtet. "Es gab nur eine kleine Szene, die wir vor Greenscreen gedreht haben", bestätigt Brie Larson. "Eine Kampfszene mit Jude Law hatte ich bei der Vorbereitung immer wieder versaut, ich wurde ganz verrückt. Aber am Drehtag lief es dann super."

Actionszene mit Brie Larson aus "Captain Marvel"

Ein Wunsch allerdings wird der Superheldin wohl immer verwehrt bleiben: "Ein Crossover, in dem sich Captain Marvel und Wonder Woman treffen – das wäre fantastisch!"

Brie Larson im Interview

GOLDENE KAMERA: Wie haben Sie sich körperlich darauf vorbereitet, eine Superheldin zu spielen?

BRIE LARSON: Mir war also von Anfang an klar, dass ich meine Fitness auf ein neues Niveau bringen musste, um all die Stunts für diese Rolle ausführen zu können. Neun Monate vor Drehbeginn habe ich mit meiner Transformation angefangen. Ich habe dadurch nicht nur gelernt, wie ich meinen Körper schauspielerisch anders nutzen kann, sondern habe auch ein ganz neues Körperverständnis bekommen. Als Frau wollte ich bisher immer, dass mein Körper unauffällig war und nicht beachtet wurde. Aber jetzt weiß ich, wie ich meinen Körper als Werkzeug einsetzen kann, um Emotionen auszudrücken, die über das gesprochene Wort oder einen Gesichtsausdruck hinausgehen.

Brie Larson trainiert für "Captain Marvel"

Waren Sie über sich selbst überrascht? Hatten Sie je Zweifel, dass Sie es schaffen würden?

Eigentlich nicht, denn ich war schon immer der Typ, der sich die härteste Herausforderung aussuchte. Ich liebe es, wenn ich mich jenseits meiner Komfortzone befinde und mir neues Können aneignen kann. Dank "Captain Marvel" habe ich entdeckt, wie gut es sich anfühlt, stark zu sein. Selbst nach den Dreharbeiten habe ich mit dem Fitnesstraining weitergemacht. Vor allem Judo und Boxen sind zu einem wichtigen Bestandteil meines Lebens geworden. Das hält mich nicht nur körperlich, sondern auch geistig fit.

Wie cool war es, als Sie zum ersten Mal Ihr "Captain Marvel"-Kostüm sahen?

Sehr cool! Aber das einzige, was mir durch den Kopf ging war: "Kann ich mit dem Kostüm zur Toilette gehen?" (lacht) Das war eine sehr berechtigte Frage, denn für die Kampfszenen musste ich sehr viel Wasser trinken, um ausreichend hydriert zu bleiben. Und das An-und Ausziehen des Kostüms dauerte trotz der Hilfe zweier Personen jeweils 30 Minuten!

Was mögen Sie an Carol Danvers aka Captain Marvel besonders? Und welche Superpower hätten Sie selber gerne?

Dass sie sich nicht dafür entschuldigt, dass sie so fantastisch ist. Sie hat ein sehr gesundes Ego und stellt ihr eigenes Licht nicht unter den Scheffel. Und wenn ich mir eine Superpower aussuchen könnte, würde ich mir Unsichtbarkeit aussuchen. Dann könnte ich mich ungestört in Museen schleichen. (lacht)

Haben Sie schon Pläne, wo Sie Ihre "Captain Marvel"-Actionfigur hinstellen?

Nein, denn ich erlaube keinen Reliquienschrein von mir selbst in meinem Haus! (lacht) Aber eine Actionfigur zu haben ist ziemlich cool, denn sie hat den Körper einer Frau, die sich neun Monate lang alles abverlangt hat!

Interview: Anke Hofmann