Colin Farrell: "In 'Dumbo' zeigen wir auch die Schattenseiten der Zirkuswelt"

"Dumbo" der fliegende Elefant ist zurück! Warum Tim Burtons Remake des Disney-Klassikers aus dem Jahre 1941 auch seine düsteren Seiten hat, verriet uns Dumbos menschlicher Co-Star Colin Farrell im Gespräch.

Dumbo, der fliegende Elefant gehört zu den absoluten Zeichentrick-Klassikern im Disney-Universum. Mit "Dumbo" (Kinostart: 28. März) legt jetzt Kino-Visionär Tim Burton ein zauberhaftes Live-Action-Remake vor und behält nicht nur aus Sicht des menschlichen Hauptdarstellers Colin Farrell die Kernaussage der berührenden Geschichte bei...

Colin Farrell über Tim Burtons "Dumbo"-Remake

Darum geht's in Tim Burtons "Dumbo"

Die USA im Jahr 1919. Weil er im Ersten Weltkrieg den linken Unterarm verlor, arbeitet Ex-Zirkusstar und Witwer Holt Farrier (Colin Farrell) für Zirkuschef Max Medici (Danny DeVito, GOLDENE KAMERA 2010) jetzt als Aufpasser des neu geborenen Elefanten Dumbo. Mit seinen viel zu großen Ohren kann Dumbo fliegen und wird zur großen Hoffnung für den etwas heruntergekommenen Zirkus, in dem auch Holts Kinder Milly (Nico Parker) und Joe (Finley Hobbins) leben.

Doch dann taucht der zwielichtige Unternehmer V. A. Vandevere (Michael Keaton) auf. Er will den kleinen Dumbo zur Hauptattraktion in seinem modernen Vergnügungspark "Dreamland" machen – und setzt bei seinem Vorhaben auf die Hilfe seiner Freundin, der Trapezkünstlerin Colette (Eva Green).

Trailer zu "Dumbo"

Vor der US-Premiere gewährte uns GOLDENE KAMERA-Preisträger Colin Farrell Einblicke in seine persönliche "Dumbo"-Historie...

Colin Farrell im Interview

GOLDENE KAMERA: Welche Kindheitserinnerungen haben Sie an den "Dumbo"-Zeichentrickfilm von 1941?

COLIN FARRELL: Ich kann mich nicht daran erinnern, als Kind je "Dumbo" gesehen zu haben. "Susi und Strolch" und "101 Dalmatiner" habe ich noch lebhaft vor Augen und "Das Dschungelbuch" war mein Lieblingsfilm – bis er von "E.T." abgelöst wurde. Aber natürlich war mir die ikonische Figur des fliegenden Elefanten ein Begriff und vor den Dreharbeiten unseres Films habe ich das Original auch endlich gesehen. Der Zeichentrickfilm ist unheimlich süß aber gleichzeitig auch finster, voller Schmerz, Traurigkeit, unerwarteten Wendungen und manchmal sogar etwas makaber.

Filmclip aus dem "Dumbo"-Original von 1941

Ihre Figur Holt Farrier existiert im Originalfilm nicht. Was können Sie uns über ihn verraten?

Holt ist ein Mann, der körperlich, psychisch und emotional gebrochen aus dem Ersten Weltkrieg zurückkehrt. Während er an der Front kämpfte, starb seine Frau und seine Kinder wuchsen im Zirkus auf. Vor dem Krieg hatten er und seine Frau im Zirkus eine Dressurnummer mit Pferden. Aber während seiner Abwesenheit ging es dem Zirkus so schlecht, dass der Direktor die Pferde verkaufen musste. Also weiß Holt zu Beginn des Films nichts mehr mit sich selbst oder der Welt anzufangen. Unser "Dumbo" ist also auch eine Geschichte über einen Vater, der wieder zu seinen Kindern finden muss, die er vier, fünf Jahre lang nicht gesehen hat.

Haben Sie als Kind den Zirkus geliebt?

Zirkus hat in Europa eine große Tradition. Vor allem die russischen Zirkusse sind für ihre Akrobatik-Nummern bekannt. Aber während meiner Kindheit in Irland habe ich nie einen Zirkus gesehen. Deswegen war und ist mir diese Form der Unterhaltung immer noch recht fremd. Ich kenne den Zirkus nur aus amerikanischen Filmen und damit als stark romantisierte Welt: Geschichten von nomadischen Existenzen aus aller Welt, die in Wohnwagen von Stadt zu Stadt reisen und unter einem Zeltdach leben.

In "Dumbo" zeigen wir auch die Schattenseiten der Zirkuswelt: den Überlebenskampf, die Grausamkeiten und die Tierquälerei, die ebenfalls zum Zirkus gehören und die sicherlich Gründe dafür sind, warum der Zirkus heutzutage so gut wie nicht mehr existiert.

Wenn Sie Ihren Lebensunterhalt im Zirkus verdienen müssten, welche Nummer wäre was für Sie?

(lacht) Das Arbeiten mit den Pferden hat mir sehr viel Spaß gemacht. Es war nicht das erste Mal, dass ich auf dem Rücken eines Pferdes saß. Ich bin auch schon in "Alexander" und "Winter's Tale" geritten. Der berühmte Hollywood-Spruch lautet ja, dass man weder mit Kindern noch mit Tieren arbeiten solle.

Aber ich finde, dass das Schauspielen mit Kindern und Tieren ein Muss ist! Ich habe nämlich festgestellt, dass Tiere total ehrlich sind und Kinder durch ihre unbeschwerte Art den Arbeitstag verkürzen. (lacht) Wenn ich mir also eine Zirkusnummer aussuchen muss, wäre das irgendwas mit Pferden.

Die Geschichte vom fliegenden Elefanten "Dumbo" ist die Geschichte eines Wunders. Glauben Sie an Wunder?

Das klingt jetzt vielleicht etwas schwülstig, aber ist nicht schon die Existenz des Lebens ein Wunder? Und ich meine nicht nur den Menschen, sondern die Natur im Allgemeinen – Flora und Fauna. Mann muss sich nur umschauen, und man ist umgeben von Wundern. Einige Wunder sind wissenschaftlich erklärbar, andere sind ein Mysterium. Im Moment glaube ich noch nicht an fliegende Elefanten, aber ich habe unseren Film auch noch nicht gesehen. (lacht)

Featurette zu Tim Burtons "Dumbo"-Remake

Interview: Anke Hofmann; Filminhalt: Oliver Noelle