Elyas M'Barek macht ernst: "Der Fall Collini"

Wir trafen den "Fack ju Göhte"-Star Elyas M'Barek zum exklusiven Gespräch über seinen starken Justizthriller "Der Fall Collini" nach der Romanvorlage von Ferdinand von Schirach.

Kennen Sie das EGOWiG, das Einführungsgesetz zum Gesetz über Ordnungswidrigkeiten von 1968? Nein? Das müssen Sie auch nicht. Nur einige Juristen wissen, was dahintersteckt: einer der größten Justizskandale der Bundesrepublik!

Im Thriller "Der Fall Collini" (Kinostart: 18. April) nach dem Bestseller von Ferdinand von Schirach wird dieser Skandal auf packende und dramatische Weise endlich auch normalen Menschen nahegebracht – und Hauptdarsteller Elyas M'Barek ("Fack ju Göhte") erklärt im Gespräch mit der GOLDENEN KAMERA, wie dieser Film zustande kam.

Darum geht's in "Der Fall Collini"

2001 wird der Fabrikbesitzer Hans Meyer (Manfred Zapatka) in Berlin von dem Italiener Fabrizio Collini (Franco Nero) ermordet – scheinbar ohne Motiv. Collini schweigt, der junge Caspar Leinen (Elyas M'Barek) übernimmt die Verteidigung. Das gefällt seiner Jugendliebe Johanna (Alexandra Maria Lara) gar nicht, das Opfer war ihr Groß- und Caspars Ersatzvater. Und sein Gegner vor Gericht ist bei diesem Fall, dessen Spur in die 40er- und 60-Jahre führt, niemand anderes als Justizlegende Mattinger (Heiner Lauterbach).

Trailer zur Ferdinand von Schirach-Verfilmung "Der Fall Collini"

Elyas M'Barek über "Der Fall Collini" und die Hintergründe

"Dieses Gesetz ist schockierend", sagt der 36-Jährige. Das unscheinbare EGOWiG war das Versteck für den ungeheuerlichsten Paragrafen der Nachkriegszeit: In Artikel 1 Nummer 6 wurde – ohne dass es den Bundestagsabgeordneten bei der Abstimmung klar war – 1968 eine Strafmilderung für Mordgehilfen eingeführt, durch die alle derartigen Taten aus der Zeit des Nationalsozialismus auf einen Schlag verjährten!

Zehntausende Kriegsverbrecher konnten nicht mehr vor Gericht gestellt werden. "Es ist wichtig, daran zu erinnern, was geschah und wie viele Leute ungestraft davonkamen", erklärt M'Barek.

Making-of-Featurette zu "Der Fall Collini"

In seinem dritten Buch nach "Verbrechen" (2009) und "Schuld“ (2010) machte Ferdinand von Schirach 2011 in dem für ihn typischen, mehrfach ausgezeichneten knappen und klaren Stil aus den Fakten sowie einem 2002 gescheiterten Mordprozess einen spannenden fiktiven Kriminalfall – und begeisterte damit neben weiteren 600 000 Käufern auch Elyas M’Barek:

"Ich bin ein echter Fan von Ferdinand von Schirach und fand 'Der Fall Collini' super." Der 55-jährige Ferdinand von Schirach war selbst Strafverteidiger – und er ist ein Enkel des einstigen NS-Reichsjugendführers Baldur von Schirach. "Wegen der Herkunft, die die Figur des Strafverteidigers Caspar Leinen in dem Buch hat, wäre ich nicht auf mich als Hauptdarsteller gekommen", so Elyas M'Barek. "Aber ich fand das deshalb umso interessanter."

Der Österreicher setzte sich zunächst einmal mit dem Autor zusammen: "Ich habe mich mit Ferdinand von Schirach getroffen, wir haben viel über das Buch gesprochen und über seinen Beruf." Außerdem war er in einem realen Gerichtssaal.

"Ich habe einen Mordprozess angesehen, um festzustellen, wie die Abläufe sind. Ich muss sagen, das ist eigentlich ganz schön fad. Wir haben es im Film auch viel größer gezeigt, als es wirklich ist", erklärt M'Barek. "Unser Gerichtssaal wurde im Studio gebaut und sieht viel eindrucksvoller aus als in Wirklichkeit. Das sind sonst eher Klassenzimmer, sehr nüchtern."

Einige Änderungen gegenüber dem Buch (etwa beim Ende und zahlreichen Details der Szenen, die in Italien spielen) tun der Geschichte gut. Vor allem aber sind es zwei Schauspieler, die den Thriller sehenswert machen: Heiner Lauterbach als Leinens Gegenspieler vor Gericht und natürlich Elyas M'Barek, der zurückhaltend spielt und an dessen Gesicht sich die Kamera immer wieder festhält.

"Es hat Spaß gemacht, etwas anderes als eine Komödie zu drehen", sagt M'Barek. "Das ist eine ganz andere Arbeit. Du suchst nicht nach Pointen, man geht hier vor allem auf das Gefühl. Es geht um das, was man durch Blicke und Gesten vermittelt."

Teaser zur Ferdinand von Schirach-Verfilmung "Der Fall Collini"

Filmkritik

Das Ergebnis: "Der Fall Collini" ist ein packender, top gespielter Thriller um ein beschämendes Stück deutscher Justizgeschichte. Und ein Film, der sich nicht hinter dem Nachkriegsklassiker "Rosen für den Staatsanwalt" (1959, mit Martin Held und Walter Giller) verstecken muss.