"Stan & Ollie": Die Väter der Klamotte im Kino

In der Biopic-Dramedy "Stan & Ollie" schlüpfen Steve Coogan und John C. Reilly in die übergroßen Clownschuhe von "Dick und Doof". Wir verraten, wie die wunderbare Hommage an die beiden Kult-Komiker entstanden ist.

Ohne Ollie bin ich verloren", sagte Stan Laurel 1954 nach einem Herzinfarkt von Oliver Hardy. Das beliebteste Komikerduo aller Zeiten war gesprengt, Laurel schrieb nach Hardys Tod 1957 noch sieben Jahre lang Sketche für die zwei, die nie aufgeführt wurden. Jetzt verfilmte Jon S. Baird die bewegende letzte Tournee von "Stan & Ollie" (Kinostart: 9. Mai) – eine Hommage auf ihr Talent und ihre Freundschaft.

"Stan & Ollie": Hintergrund

Der eine plump, pompös gebaut und selbstherrlich, der andere eher kantig und ungeschickt – schon rein optisch sorgten Oliver Hardy aus Georgia und Stan Laurel aus dem Nordwesten Englands für Lacher.

"Ihr Humor ist sehr körperlich“, erklärt Regisseur Baird im exklusiven Interview mit GOLDENE KAMERA. "Sie begannen mit Stummfilmen, und ihr Genie zeigt sich darin, dass sie in der Tonfilmzeit noch erfolgreicher waren!" Zwischen 1930 und 1932 nahmen sie ihre Szenen sogar in fremden Sprachen auf. "Das Erfolgsgeheimnis ist ihre Humanität", so Baird. 1932 gewann ihr Kurzfilm "Das verrückte Klavier" den Oscar.

"Das verrückte Klavier" (1932)

"Es hat geholfen, dass Hardy vor der Kamera der Boss war und Laurel dahinter. So konnten sie jeweils komplett hinter ihrer Rolle verschwinden." Ab 1927 spielten die beiden in über 100 Filmen als Duo – es war nicht ihre eigene Idee! "Zu Beginn waren sie noch keine engen Freunde", hat John S. Baird bei der Recherche erfahren. "Stan wollte schreiben, Regie führen, schneiden. Ollie wollte nur seine Szenen drehen und dann auf den Golfplatz, auf die Rennbahn oder ein paar Drinks kippen."

Darum geht's in der Biopic-Dramedy "Stan & Ollie"

Im Jahr 1953 unternehmen die früheren Megastars Stan Laurel (Steve Coogan) und Oliver Hardy (John C. Reilly) eine Theatertournee durchs triste Großbritannien. Ihre Hoffnung: auf einen Produzenten zu treffen und noch mal einen Kinofilm drehen zu können. Doch die zwischenzeitliche Trennung von 1937 steht immer noch zwischen den beiden Freunden, zudem mögen sich ihre Ehefrauen Ida Laurel (Nina Arianda) und Lucille Hardy (Shirley Henderson) nicht. und der übergewichtige Hardy hat schwere Herzprobleme.

Trailer zu "Stan & Ollie"

"Stan & Ollie": Filmkritik

Im Film stellen Steve Coogan und John C. Reilly das Timing der beiden perfekt nach, wie etwa beim berühmten Sketch auf dem Bahnhof mit den zwei Türen. Und in der Tanzszene aus "Zwei ritten nach Texas" (1937) imitieren sie sogar die Fehler der Stars.

Die Tanzszene aus "Zwei ritten nach Texas" aka "Dick und Doof im Wilden Westen" (1937)

Die Maske durch den zweifachen Oscar-Preisträger Mark Coulier ("Suspiria") tat ein Übriges: So erhielt Steve Coogan ein anderes Kinn und spitze Ohren, und John C. Reilly bekam natürlich einen Fettanzug, der nur Gesicht und Hände frei ließ und so warm war, dass Reilly während der Drehpausen in die Eistonne stieg.

Nach Hardys Tod trat Laurel nie wieder auf. "Das war sein Tribut an den Freund", so Baird. "Unser Film – das ist eigentlich eine Liebesgeschichte." Und eine zu Herzen gehende Hommage auf zwei großartige Künstler!