Dänisches Kino made in Hamburg: "Verachtung"

Teile der neuen Adler-Olsen-Verfilmung "Verachtung" mit Nikolaj Lie Kaas wurden in Hamburg und Schleswig-Holstein gedreht.

Die Krimis von Jussi Adler-Olsen sind Besteller. Kein Wunder, dass da auch irgendwann die Filmindus­trie hellhörig wurde. Die dänische Produktionsfirma Zentropa sichert sich die Rechte an vier Romanen. Am Donnerstag kommt nun die vorerst letzte Verfilmung ins Kino (ab dem 20. Juni). „Verachtung“ spielt natürlich wieder im Kopenhagen in Dezernat Q, wo der stets schlecht gelaunte Carl Mørck und sein liebenswerter Kollege Assad effektiv zusammenarbeiten. Diesmal werden drei mumifizierte Leichen gefunden. Die Spur führt in eine Frauenklinik.

Als Grantler Carl lässt wieder Nikolaj Lie Kaas jeden seine Verbitterung spüren. „Ich würde mit dem Kerl nichts zu tun haben wollen. Die Leute haben die Filme bisher wohl in erster Linie wegen Fares Fares gesehen“, ulkt der Däne, der mit seinem schwedischen Kollegen ein Ermittler-Tandem bildet. Das gefällt besonders seinen Landsleuten. „Verachtung“ war dort im vergangenen Jahr der erfolgreichste einheimische Film und übertrumpfte mit den Zuschauerzahlen den bisherigen Rekordhalter „Schändung“.

Überangebot von einheimischen Krimis

In deutschen Kinos laufen die Filme trotz positiver Kritiken nicht ganz so gut. Kinobetreiber glauben, das liege an dem Überangebot von einheimischen Krimis im Fernsehen. Kaas macht sich darüber weniger Gedanken, er sei „wirklich gern zu dieser Rolle zurückgekehrt“, sagt er, „weil wir endlich machen konnten, was wir schon lange wollten: Carl Mørck etwas zu öffnen“, sagt der nicht nur in seiner Heimat populäre Schauspieler. Die Fälle sind stets hart und spannend. Sie sind auch Beispiele für gelungene dänisch-deutsche Zusammenarbeit, denn Teile der Filme wurden in Hamburg und Schleswig-Holstein gedreht, ohne dass die Zuschauer das erfahren. „Es gibt hier so viele schöne Drehorte. Und die Zusammenarbeit mit den deutschen Filmcrews war erstaunlich. Ich habe hier so viele nette Kollegen getroffen.“

Dem 46-Jährigen sind die Auswärtsspiele im Norden, der für ihn der Süden ist, ganz recht. „Ich bin privat sehr gern in Hamburg. Wenn ich hier arbeite, verbringe ich so viel Zeit wie möglich in der Stadt. Es gibt hier tolle Restaurants, und ich habe auch schon meine Familie mit den Kindern mitgebracht. Wir haben hier schöne Zeiten verlebt.“ Ein besonderes Familienerlebnis bescherte ihm das vergangene Filmfest, als sowohl er als auch seine Tochter Gerda zeitgleich in der Stadt waren, um Filme vorzu­stellen.

Reihe wird 2020 fortgesetzt

Die 13-Jährige spielt die Hauptrolle in „Wildhexe“. Anfragen nach Doppelinterviews lehnten sie damals kategorisch ab. „Sie sollte nicht das Gefühl haben, in meinem Schatten zu stehen.“ Nikolaj Lie Kaas war 17, als er seine erste Rolle spielte. Gerda begann schon mit sieben Jahren. Nur einen Ratschlag wollte sie von ihm: Wie lerne ich Texte? „Ich habe es ihr gezeigt, aber sie macht es völlig anders.“

Wer von Mørck und Assad nicht genug bekommt, kann sich freuen. Die Reihe wird 2020 fortgesetzt. Nordisk Film hat sich die Rechte an den nächsten sechs Romanen von Adler-Olsen gesichert. Die Dreharbeiten beginnen jedoch mit einer neuen Besetzung. Die Rollen von Lie Kaas und Fares spielen dann Ulrich Thomsen und Zaki Youssef.

Der Artikel erschien zuerst im Hamburger Abendblatt.

Worum geht's in "Verachtung"?

Ein dreifacher Mord in Kopenhagen führt den stets finsteren Kommissar Carl Mørck (Nikolaj Lie Kaas, r.) und seinen Assistenten Assad (Fares Fares, l.), der das Sonderdezernat verlassen will, ins Jahr 1961. Damals wurden in einem Heim auf einer Insel im Großen Belt Mädchen wie Nete (Fanny Bornedal) zwangssterilisiert. Ein schwarzes Kapitel dänischer Geschichte: Im Zuge "rassenhygienischer" Säuberungen wurden in Dänemark zwischen 1923 und 1961 mehr als 10.000 Frauen sterilisiert, weil sie behindert waren oder sexuell freizügig.

Trailer: "Verachtung"