"Vox Lux"-Star Natalie Portman: "Als öffentliche Person bezahlt man einen hohen Preis"

Als strauchelnde Pop-Diva muss sich Natalie Portman ("Black Swan") in "Vox Lux" mit den Dämonen ihrer Vergangenheit auseinandersetzen. Wir sprachen mit der Oscar-Preisträgerin über die Erfüllung eines Kindheitstraums und den Preis des Ruhms.

Sie ertanzte sich als "Black Swan" einen Oscar, mauserte sich im Netflix-Schocker "Auslöschung" zur Action-Heldin und gehörte zum Ensemble des Mega-Blockbusters "Avengers: Endgame". Jetzt schlüpft Natalie Portman im Musik-Drama "Vox Lux" (Kinostart: 25. Juli) in die Rolle einer Pop-Diva und erfüllt sich damit einen Kindheitstraum...

Natalie Portman über "Vox Lux"

Darum geht's in "Vox Lux"

Im Jahr 1999 überlebt Teenager Celeste (Raffey Cassidy) einen Amoklauf an ihrer Schule. Als sie bei dem Gedenkgottesdienst ein Lied singt, wird sie von einem Talentmanager (Jude Law) entdeckt und steigt dank der Hilfe ihrer Songwriter-Schwester (Stacy Martin) zur Pop-Sensation auf. 18 Jahre später plant die nach einem Skandal abgerutschte Celeste (Natalie Portman) eine Comeback-Tour, die von einem erneuten Terror-Anschlag und privaten Problemen mit ihrer Tochter Albertine (ebenfalls Raffey Cassidy) überschattet wird - bis die Pop-Diva von den Dämonen ihrer Vergangenheit eingeholt wird...

Trailer zu "Vox Lux"

"Vox Lux": Natalie Portman im Interview

GOLDENE KAMERA: Wie haben Sie sich auf Ihre Rolle als Popstar vorbereitet?

NATALIE PORTMAN: Ich habe mir Dokumentationen über Popstars angeschaut, obwohl die Rolle der Celeste auf keiner realen Person basiert. Aber so habe ich ein Verständnis für das Leben eines Popstars entwickeln können. Es ist eine harte Existenz: Flug in die nächste Stadt bei Tag, Show bei Nacht.

Haben Sie je eine Pop-Phase durchgemacht? Gab es ein Band, die Ihr Teenager-Herz höher schlagen ließ?

Ich war sicherlich verrückt nach einigen Musikern, aber ich würde sie nicht als Popstars bezeichnen. Ich habe mich sogar auf Konzerte geschmuggelt. Ich war ein riesiger Fan von Jeff Buckley, und ich erinnere mich noch genau an den Tag, als er starb. Meine Freundinnen und ich heulten zusammen und umarmten uns auf dem Schulklo! Und ich liebte Julianna Hatfield und Alanis Morrisette.

Wie war die Zusammenarbeit mit Sia für "Vox Lux"?

Es ist so toll, dass Sia unsere Songs für den Film geschrieben hat. Sie ist eine der wenigen genialen Pop-Musikern unserer Zeit. Dank ihrer Popsongs ist unser Film erst glaubwürdig, denn was ist ein Film über eine Popsängerin ohne gute Lieder?

Musikvideo: Natalie Portman mit "Wrapped Up

Wie nervös waren Sie, live zu singen? Und trällern Sie privat, zum Beispiel in der Dusche?

Ich singe mit meinen Kindern, aber ich bin mir nicht sicher, wie sehr sie meine Stimme schätzen. Mein Baby mag sie, aber mein Sohn ist mein strengster Kritiker. (lacht) Mein Film-Singen hat mir sehr viel Spaß gemacht, vor allem weil ich dadurch gelernt habe, wie viele Tricks und Magie in der Produktion eines Popsong stecken.

Sie haben als Teenager mit der Schauspielerei begonnen, sind also schon 25 Jahre im Showbusiness. Haben Sie noch Lampenfieber?

Auf jeden Fall! Vor Menschen zu reden, macht mich immer noch nervös. Zum Glück haben wir diesen Film in einem neuen Studio auf Long Island gedreht, das in der Nähe der Gegend liegt, in der ich aufgewachsen bin - nur fünf Minuten entfernt von meiner High School. Meine damalige Berufsberaterin, mit der ich noch immer in Kontakt bin, kam mit ihren Kindern und Freunden zum Set und befand sich während der Konzertszenen im Publikum.

Zu wissen, dass eine vertraute Seele anwesend ist, hat mich sehr beruhigt. Auf einmal war es mir egal, ob ich mich auf der Bühne blamiere oder nicht. (lacht)

Celeste hat Ihre Seele für Ruhm eingetauscht. Welchen Preis haben Sie bezahlt?

Ich denke, dass ich meine Seele noch habe. (lacht) Aber natürlich bezahlt man als öffentliche Figur einen hohen Preis, denn man verliert seine Privatsphäre. Man kann nicht mehr ganz man selbst sein, weil man den Menschen, die zu einem aufblicken, gefallen möchte. Und man ist gnadenloser Kritik ausgesetzt, wenn man ihnen nicht gefällt. Anderseits bringt Ruhm natürlich auch viele Vorteile. Ich habe die Welt und viele Menschen kennen gelernt, denen ich als Nicht-Star nie begegnet wäre. Und ich habe mit kreativen Köpfen arbeiten dürfen, die mein Weltbild für immer geprägt haben.

Interview: Anke Hofmann