Tarantino & Co. erklären "Once Upon a Time in Hollywood"

Es war einmal in Los Angeles: Wie Quentin Tarantino in seinem neuen Meisterwerk "Once Upon a Time in Hollywood" Fakten und Fiktion zusammenbringt - und die Hollywood-Superstars Leonardo DiCaprio und Brad Pitt noch dazu.

Als Sharon Tate im August 1969 von Charles Mansons Hippie-Sekte regelrecht abgeschlachtet wurde, ging eine Ära zu Ende. Love, Peace and Happiness mündeten in Horror und Paranoia. Quentin Tarantinos neunter Film spielt in diesem traumatischen Sommer und widmet sich den Manson-Morden.

Das zumindest war das Erste, das man über "Once Upon a Time in Hollywood" hörte, der genau 50 Jahre nach den Ereignissen am 15. August in die Kinos kommt. Es stimmt jedoch nur bedingt.

Tarantinos Trip in den schlimmsten Albtraum der Traumfabrik ist zugleich eine Hommage an das Hollywood seiner Kindheit, wie er GOLDENE KAMERA erzählt: "1969 war ich sechs, sieben Jahre alt. Und ich erinnere mich an jede Serie, jeden Song, der damals lief." Die Schauplätze, viele Titel und Personen – etwa Bruce Lee – sind real, sein (Anti-)Heldenduo dagegen ist frei erfunden.

Quentin Tarantino über "Once Upon a Time in Hollywood"

Erstmals vor der Kamera vereint: Leonardo DiCaprio und Brad Pitt

Wir begleiten den TV-Darsteller Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) und sein Stuntdouble Cliff Booth (Brad Pitt) an zwei Tagen im Februar 1969, bevor die Chronik zum Vorabend der Morde springt. Rick ist nicht mehr angesagt und beneidet seine hippen Nachbarn: Roman Polanski und seine Frau Sharon Tate repräsentieren das New Hollywood, das ihm verschlossen bleibt. Cliff wiederum fährt eine Anhalterin zu jener Ranch, wo Charles Manson und dessen Family logieren.

Trailer zu "Once Upon a Time in Hollywood"

"Hollywood ist ein Mikrokosmos, der alle Facetten der menschlichen Natur offenbart. So funktioniert auch dieser Film. Aber vor allem liebe ich die Klamotten und die Autos! Leo dagegen finde ich überschätzt", witzelt Pitt. Mit Tarantino hat er "Inglourious Basterds" (2009) gedreht, mit DiCaprio "Django Unchained" (2013). Der Regisseur ist stolz, dass die Stars für ihn erstmals zusammen vor der Kamera stehen.

"Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich selbst entscheide, welche Filme ich drehe", sagt DiCaprio zu GOLDENE KAMERA. "Ich habe Freunde, die nach Jahren in diesem Geschäft immer noch zu kämpfen haben. Deshalb verstehe ich, was Rick durchmacht."

Die Neue im Tarantino-Bunde: Margot Robbie

Margot Robbie, Tarantinos einzige Kandidatin für die Rolle des It-Girls Sharon Tate, hatte dem Meister einen Fanbrief geschrieben. "Ich hätte auch im Catering gejobbt, nur um an seinem Set zu sein. Als Quentin sich dann meldete, war ich erst mal baff", berichtet Robbie. „Aber meine Erwartungen wurden übertroffen!“

Alle drei schwärmen von der "elektrisierenden" Stimmung am Set. "Alles schien möglich", so DiCaprio. "Obwohl Quentins Drehbuch für uns die Bibel war." Der Titel des Epos, das Tarantino zunächst als Roman geplant hatte, spielt auf einen seiner Lieblingsfilme an: Sergio Leones "Spiel mir das Lied vom Tod" heißt im Englischen "Once Upon a Time in the West". Kein Wunder also, dass Rick im Film einen Spaghetti-Western dreht.

Andererseits impliziert der Titel eine gewisse Märchenhaftigkeit: Es war einmal… "Ich sehe den Film als Fabel", sagt Tarantino. "Wenn es schon nicht so war, wie ich es zeige, dann doch so, wie es hätte sein sollen." Ob er sich beim Filmfinale strikt an die Fakten hält? In "Basterds" sprengte er Hitler in die Luft, in "Django" triumphierten die Sklaven. Vielleicht ändern Rick und Cliff ja den Lauf der Hollywoodgeschichte.

Release-Trailer zu "Once Upon a Time in Hollywood"

Interviews: Anke Hofmann