Bruce Springsteen als Lebenshilfe: "Blinded by the Light"

Im neuen Streich der "Kick It Like Beckham"-Regisseurin Gurinder Chadha prägt Bruce Springsteens Musik die Coming-of-Age-Story eines Sohnes pakistanischer Einwanderer im England der Thatcher-Jahre. Wir trafen die Filmemacherin zum exklusiven Gespräch über die globale Bedeutung vom Boss und ihre "Star Wars"-Ambitionen.

In der Dramedy "Blinded by the Light" (Kinostart: 22. August) wird die Musik von Bruce Springsteen zum Motor einer berührenden Coming-of-Age-Story, die auf der Autobiographie "Greetings from Bury Park: Race. Religion. Rock 'n' Roll" von Sarfraz Manzoor basiert - und die der britischen Regisseurin Gurinder Chadha aus mehreren Gründen aus der Seele spricht...

Gurinder Chadha und Aaron Phagura über "Blinded by the Light"

Lust auf den Film bekommen? Zum Kinostart von "Blinded by the Light" verlosen wir 4x2 Eintrittskarten. Teilnahmeschluss Sonntag, 25. August 2019 - DIE AKTION IST LEIDER BEENDET! (Bitte unsere Hinweise zum Datenschutz beachten)

Darum geht's in "Blinded by the Light"

England im Jahr 1987: Javed (Viveik Kalra) ist Sohn pakistanischer Einwanderer und träumt zum Ärger seines Vaters Malik (Kulvinder Ghir) davon, Schrifsteller zu werden. Doch erst als ihn sein Mitschüler Roops (Aaron Phagura) mit der Musik und den Texten von Bruce Springsteen bekannt macht, findet Javed das richtige Ventil, seinen Emotionen Ausdruck zu verleihen. Und den Mut, seinem Schwarm Eliza (Nell Williams) seine Gefühle für sie zu offenbaren...

Trailer zu "Blinded by the Light"

"Blinded by the Light"-Regisseurin Gurinder Chadha im Interview

GOLDENE KAMERA: Welche Idee steckt hinter "Blinded by the Light"? Was macht Bruce Springsteen so besonders?

GURINDER CHADHA: Obwohl unsere Welt im Moment wieder sehr gespalten ist, können durch die Magie der Musik Kulturen und Rassen miteinander verbunden und Grenzen überschritten werden. Genau das ist die Idee von "Blinded by the Light". Bruce Springsteen hat in seinen Songs der 70er Jahre über sein Leben in New Jersey gesungen: über seine Versuche, der Hoffnungslosigkeit seiner Stadt zu entfliehen und über den Highway 9 das Gelobte Land zu finden. In unserem Film macht eine Dekade später ein 16-jähriger Muslim pakistanischer Herkunft in Luton genau das gleiche durch: Er will der Hoffnungslosigkeit seiner Stadt entfliehen und das Gelobte Land finden.

Wie haben Sie das Einverständnis von Bruce Springsteen für die Verwendung seiner Lieder bekommen? Hatten Sie einen Plan B, falls das nicht geklappt hätte?

Es gab keinen Plan B. Dieser Film hing zu 100% von Bruces Einverständnis ab! 2010 kam Bruce für seine Dokumentation "The Promise: The Making of Darkness on the Edge of Town" nach London und als riesige Springsteen-Fans waren meine guter Freund und "Blinded by the Light"-Autor Sarfraz Manzoor und ich natürlich bei dieser Premiere dabei. Als Bruce über den Roten Teppich lief, haben wir ihn einfach überrumpelt und ihn um seinen Segen gebeten. Das war natürlich nicht sonderlich professionell (lacht), aber wir wussten einfach keinen anderen Weg, wie wir mit ihm in Kontakt hätten treten können. Und seine Antwort lautete kurz und bündig: "Das hört sich gut an." (lacht)

Es war wirklich so einfach?

Eigentlich schon. Wir haben dann das Drehbuch zu seinem Manager geschickt und noch einmal offiziell nachgefragt, ob wir seine Songs wirklich nutzen dürften. Und die Antwort war wieder kurz und bündig: "Das geht in Ordnung." Ich konnte es kaum glauben, denn als Indie-Filmemacherin hätte ich nie erwartet, dass eine Legende wie Bruce Springsteen mir sein Lebenswerk anvertrauen würde. Es war ein sehr emotionaler Moment für mich. Aber auch pure Panik, denn was, wenn ich es vermasseln würde?

Die 80er Jahre waren eine Zeit der Politischen Musik. Mit welchen Songs sind Sie aufgewachsen? Und welche Musiker übernehmen diese Aufgabe heutzutage?

Ich bin der Zeit der musikalischen Opposition zu Margaret Thatcher aufgewachsen. Wir hatten die Punk Rock Band The Clash und die Red Wedge-Bewegung mit Musikern wie Billy Bragg, die sich für die von Arbeitslosigkeit bedrohten Bergarbeiter einsetzten. Durch "Blinded by the Light" habe ich festgestellt, dass Bruce Springsteen heute politisch genauso relevant ist wie damals. Seine Botschaft ist, dass man nicht alleine gewinnt, sondern nur zusammen. Was uns alle verbindet ist, dass jeder versucht, das Beste aus seinem Leben zu machen, egal woher wir kommen und aus welcher Klasse wir stammen.

Trailer zu "Kick It Like Beckham" (2002)

Vor mehr als 15 Jahren hatten Sie mit "Kick It Like Beckham“ ihren großen Durchbruch. Hat das Ihren Beruf als Filmemacherin erleichtert?

Als ich vor fast 30 Jahren meine Regie-Karriere mit "Picknick am Strand" begann, war ich die einzige britisch-asiatische Frau, die in Großbritannien Kinofilme drehte. Heute bin ich immer noch die einzige britisch-asiatische Frau, die Kinofilme in Großbritannien dreht. Das ist meine Realität. Selbst mit dem Okay von Bruce Springsteen im Rücken, hatte ich Probleme, grünes Licht für die Finanzierung von "Blinded by the Light" zu bekommen.

In den USA haben Filme wie "Black Panther" oder "Crazy Rich Asians" Türen für multikulturelle Filmemacher geöffnet, aber ich bin mir nicht sicher, ob das auch auf Großbritannien zutrifft. Ich werde immer noch in Schubladen gesteckt und bei vielen Projekten übergangen. Deswegen habe ich Kathleen Kennedy (Präsidentin von Lucasfilm) angeschrieben und sie gefragt: "Warum darf ich keinen 'Star Wars'-Film inszenieren?"

Und was hat Kathleen Kennedy geantwortet?

Sie ist mit mir einen Cocktail trinken gegangen. (lacht) Ich warte noch auf ihre Antwort. Aber wenigstens habe ich sie und die anderen Drahtzieher in Hollywood wissen lassen, dass ich interessiert bin!

Interview: Anke Hofmann