"Rambo: Last Blood": Der blutige Abschied einer Kino-Ikone

So hart lässt GOLDENE KAMERA-Preisträger Sylvester Stallone seine Actionhit-Reihe mit "Rambo: Last Blood" zu Ende gehen.

Sylvester Stallone hasste den Film. Vor dem Start von "Rambo" (1982) wollte der "Rocky"-Star die Rechte aufkaufen und das Werk im Giftschrank verschwinden lassen – am Ende überzeugte er Produzenten und Regisseur, aus dem Drei-Stunden-Epos schlanke 93 Minuten zu machen. Und den Helden – anders als in der Buchvorlage "First Blood" von David Morrell – nicht sterben zu lassen.

Es war der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die jetzt mit "Rambo: Last Blood" (Kinostart: 19. September) enden soll.

Darum geht's in "Rambo: Last Blood"

Seit zehn Jahren lebt Vietnam-Veteran John Rambo (Sylvester Stallone, GOLDENE KAMERA 2004) zurückgezogen auf seiner Ranch und kümmert sich um Gabrielle (Yvette Monreal), eine Verwandte von Rambos Haushälterin. Als Gabrielle in Mexiko nach ihrem Vater sucht, wird sie von Menschenhändlern entführt, die zum Kartell der Brüder Hugo (Sergio Peres-Mencheta) und Victor Martínez (Óscar Jaenada) gehören. Es ist Zeit für Rambo, mit Messer, Hammer, Bogen und allerlei Schusswaffen jeden seiner Feinde zu töten.

Trailer zu "Rambo: Last Blood"

Hintergrund: Die "Rambo"-Saga

Mit John Rambo (der Nachname stammt laut Autor David Morrell von einer Apfelsorte, die seine Frau an einem Tag nach Hause brachte, an dem er Rimbaud las), wurde ein sehr untypischer, widersprüchlicher und politisch nicht zu vereinnahmender Held geschaffen: Er war eben nicht nur die eiskalte Kampfmaschine wie im Roman von 1972.

Drei Rückblenden in den Vietnamkrieg und der emotionale Zusammenbruch am Ende von Teil 1 zeigen unausgesprochen, dass Rambo an einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet. Das Drama um einen heimkehrenden Soldaten mündet in dessen kompromisslosen Kampf gegen die Polizei eines Provinzkaffs – so etwas hatte das Publikum noch nie gesehen. "Es gab erstmals eine Art Supersoldaten im Kino, mit all seinen tödlichen Fähigkeiten", erklärte Sylvester Stallone den Erfolg.

Trailer zu "Rambo" (1982)

Während im ersten Film nur ein Mensch stirbt, steigt der Bodycount in den Fortsetzungen unaufhörlich: 75 Tote in Teil 2 (1985, Rambo befreit Kameraden aus Vietnam), 115 Tote in Teil 3 (1988, Rambo rettet seinen Ex-Ausbilder aus Afghanistan), 254 Tote in Teil 4 (2008, Rambo rettet die Mitglieder einer humanitären Mission aus Myanmar). Die Hauptfigur entwickelt sich dabei nicht gerade einheitlich: Im zweiten Film sind die Erinnerungen an Vietnam noch präsent, im dritten Teil jedoch klopfen Rambo und Ex-Ausbilder Trautman (Richard Crenna) blöde Sprüche wie "Ich glaube, wir werden noch soft".

Trailer zum Re-Release der ursprünglichen "Rambo"-Trilogie

Im vierten Film ist dann erneut eine Vietnam-Rückblende zu sehen (darin auch die Szene aus der Urfassung des Finales von Teil 1, in der Rambo von Trautman getötet wird). Rambo gesteht sich ein, dass Töten sein Wesen ausmacht, und er setzt seine Fähigkeiten für das Gute ein. Am Ende kehrt er auf die Farm seines Vaters zurück.

Trailer zu "John Rambo" (2008)

Fans fanden damals, dies sei der perfekte Abschluss der Reihe. Doch Stallone schrieb jahrelang an neuen Plots (einer wurde 2013 für "Homefront" mit Jason Statham genutzt) und überrascht jetzt mit einem fünften Film. "Rambo findet das, was er unter Frieden versteht", erklärt der 73-Jährige seine neueste Idee. Ob der Rache-Plot von "Last Blood" noch mal für 254 Tote reicht? Fans werden auf jeden Fall eine Rückblende und dazu Rambos zerfurchtes Gesicht sehen. Denn längst liebt Sylvester Stallone die Figur wie einst "Rocky".