Nicole Kidman: "Ich bin überrascht, wie sehr ich meiner Mutter ähnele"

In der Bestsellerverfilmung "Der Distelfink" spielt Nicole Kidman die Ziehmutter eines traumatisierten Gemäldediebs. Wir trafen die GOLDENE KAMERA-Preisträgerin zum Gespräch über ihre Rolle und erfuhren, warum es nicht nur toll ist, Nicole Kidman als Mutter zu haben.

Obwohl sie gerade noch als "Destroyer" durch das Kino wütete, scheint ihr die Mutterrolle besonders am Herzen zu liegen. Nach ihrem Oscar-nominierten Auftritt im Adoptionsdrama "Lion" glänzt GOLDENE KAMERA-Preisträgerin Nicole Kidman jetzt in der Bestsellerverfilmung "Der Distelfink" (Kinostart: 26. September) nämlich erneut als fürsorgliches Muttertier.

Darum geht's in "Der Distelfink"

In John Crowleys Adaption des Pulitzer-Preis-gekürten Romans von Donna Tartt verliert der junge Theodore (Oakes Fegley) bei einem Bombenanschlag im New Yorker Metropolitan Museum of Modern Art seine Mutter. Der traumatisierte Junge kommt bei der Familie von Mrs. Barbour (Nicole Kidman) unter. Dass Theo im Anschlagschaos das berühmte Barock-Gemälde "Der Distelfink" gestohlen hat, verheimlicht er seiner Ziehmutter ebenso wie seinem plötzlich auftauchenden Vater Larry (Luke Wilson), der ihn zu sich nach Las Vegas holt.

Acht Jahre später macht Theo (Ansel Elgort) der kranken Mrs. Barbour seine Aufwartung, lässt sich auf eine Verlobung mit ihrer Tochter Kitsey (Willa Fitzgerald) ein und muss erkennen, dass sein alter Schulfreund Boris (Aneurin Barnard) aus seinem Distelfink-Geheimnis kriminelles Kapital geschlagen hat.

Trailer zu "Der Distelfink"

"Der Distelfink": Nicole Kidman im Interview

GOLDENE KAMERA: Welche Beziehung hatten Sie zu Kunst und Kunstwerken vor diesem Film?

NICOLE KIDMAN: Ich bin mit Kunst aufgewachsen. Meine Mutter malt. Ich habe leider dieses Talent nicht geerbt, aber Galerien und Museen waren mein zweites Zuhause. Auch Opern und Konzertbesuche gehörten zur Tagesordnung. Das hat mich als Kind geprägt und mir meine Liebe für die Kunst geschenkt. Sobald ich alt genug war, bin ich ins Flugzeug nach Italien gestiegen, um die Sixtinische Kapelle zu sehen und die alten Meister zu entdecken.

Dieses Jahr habe ich den Louvre in Paris besucht, um meinen Kindern die Mona Lisa zu zeigen. Zuerst haben sie über die nackten Statuen gekichert, was typisch für eine Acht- und eine Elfjährige ist. Aber dann wurden sie immer mehr von den atemberaubend schönen und zeitlosen Gemälden verzaubert.

Apropos atemberaubend schön und zeitlos: Sie scheuen nie davor zurück, für eine Rolle zu transformieren. Was oder wen sehen Sie, wenn Sie sich auf alt geschminkt im Spiegel oder auf der Leinwand begegnen?

Meine Mutter! (lacht) Ich war überrascht, wie sehr ich auf alt geschminkt meiner Mutter ähnelte. Aber das hat mir auch gefallen. Ich liebe es, wenn eine Rolle mir die Möglichkeit gibt, mich wie ein Chamäleon zu verwandeln. Genau das ist meine kreative Mission als Schauspielerin: sich zu verändern und die Welt mit anderen Augen zu sehen.

Erkennen Sie Ihre Kinder, wenn Sie sich für Ihre Rollen so verändern?

Ich habe meine Kinder immer zu den Dreharbeiten mitgenommen, sie sind praktisch am Set aufgewachsen. Am Anfang waren sie ein bisschen geschockt, aber jetzt sind sie fasziniert. Und meine älteste Tochter ist zu einer kleinen Filmemacherin geworden, die am Wochenende mit Kamera und einer ganzen Crew voller Mädchen herumrennt und einen Film dreht, den sie dann selber schneidet und dem Lehrer vorführt. (lacht) Sie spart jeden Pfennig dafür und auf ihrer Wunschliste stehen jetzt Kameraausrüstung und Requisiten. Wer weiß, ob sich das wirklich zu einer lebenslangen Liebe und Karriere entwickelt, aber ich unterstütze sie von ganzem Herzen.

Es ist also toll, Nicole Kidman als Mutter zu haben?

(lacht) Ja, wenn es um schwer zu bekommende Tickets fürs Theater geht. Aber es ist weniger toll, wenn ich mit der Familie in Florida Disneyworld besuchen und anonym sein möchte. Es ist meinen Kindern peinlich, wenn Leute auf uns zukommen, weil sie mich erkannt haben. Sie bestehen darauf, dass ich einen Hut trage, damit ich nicht so auffalle. (lacht)

Hilft dieser Trick?

Nicht wirklich, weil ich so groß bin und dadurch schon automatisch heraussteche. Aber zum Glück zeigen die meisten Menschen Respekt, wenn sie mich mit meinen Kindern sehen, und gönnen mir meine Zeit mit der Familie.

Interview: Anke Hofmann