"Gemini Man": Das Kino-Experiment mit einem doppelten Will Smith

Das Experiment des Jahres: So wollen Will Smith und Oscar-Preisträger Ang Lee in ihrem Actionfilm "Gemini Man" mit 120 Bildern pro Sekunde das Kino revolutionieren.

Mit Peter Jacksons "Der Hobbit: Eine unerwartete Reise" (2012) hatte es begonnen, Ang Lee treibt es mit "Gemini Man" (Kinostart: 3. Oktober) auf die Spitze: die Idee, dem Kinopublikum mit der Kombination aus 3D und HFR das Gefühl zu vermitteln, Teil des Geschehens auf der Leinwand zu sein. HFR bedeutet High Frame Rate, dabei werden mehr als die üblichen 24 Bilder pro Sekunde wiedergegeben. Jacksons "Hobbit"-Filme hatten 48 Bilder pro Sekunde, Ang Lee arbeitet jetzt mit 120!

Featurette zu "Gemini Man"

Darum geht's in "Gemini Man"

Nach vielen Jahren als Killer für die Regierung hängt der 50-jährige Henry Brogan (Will Smith) den schmutzigen Job an den Nagel. Bald darauf will der Chef des GEMINI-Forschungsprogramms Clayton Verris (Clive Owen) Brogan im Auftrag der Regierung töten lassen – und zwar von dessen 23-jährigem Klon Junior (auch Will Smith im Performance-Capture-Verfahren). Bei seiner Flucht über drei Kontinente bekommt Brogan nur Schützenhilfe von seiner einstigen Kollegin Danny (Mary Elizabeth Winstead) und deren Assistenten Baron (Benedict Wong).

Trailer zu "Gemini Man"

Seit den 90er-Jahren gab es die Idee eines Actionfilms, in dem der Held gegen sein jüngeres Ich antritt, damals aber waren die technischen Möglichkeiten noch nicht so weit. Nun wagt der doppelte Oscar-Preisträger Ang Lee ("Brokeback Mountain" 2006 und "Life of Pi" 2013) mit Topstar Will Smith dieses Experiment.

"Wir entdecken ein neues Konzept des Filmemachens", sagte Ang Lee in einem Interview. "In 500 Jahren werden sie zurückschauen und sagen 'Oh, die ersten 100 Jahre haben sie das gemacht: Stummfilme, Tonfilme, Farbfilme. Aber das da war eine ganz neue Dimension'."

Die Dreharbeiten zu "Gemini Man" liefen so ab: Zunächst einmal spielte Will Smith die Figur des 50-jährigen Ex-Killers Henry Brogan am Set in Georgia und Kolumbien. Bei Szenen mit dessen geklontem Ich Junior sprang ein anderer Schauspieler für Smith ein.

Danach wechselte Will Smith in die Rolle von Junior. Dessen nicht einmal halb so altes Gesicht ist aber nicht etwa das Werk der Effekte-Spezialisten. Smith spielte sein jüngeres Ich mithilfe der Performance-Capture-Technik. Dabei wird durch Punkte auf dem Körper und im Gesicht ein 3D-Modell im Computer hergestellt und darauf das junge Gesicht mittels alter Aufnahmen von Will Smith gesetzt.

Die Tränen von Junior stammen also von Will Smith! "Ich musste sehr viel alten Kram von mir schauen", erklärte Smith lachend. "Und Ang meinte zu mir: 'Ich will, dass du schlechter spielst.' Schließlich war ich mit 23 als Schauspieler noch nicht so gut wie heute."

Vorab veröffentlichte Szenen des Films wurden mit einer Bildrate von 60 statt der finalen 120 Bilder pro Sekunde gezeigt. Dabei zeichnete sich leider der Soap-Opera-Effekt ab, d.h. die Hintergründe wirkten arg flach und das Ganze seltsam steril. Doch egal wie das Experiment letztlich ausgeht – Will Smith sieht sich als Gewinner: "Ich habe jetzt eine 23-jährige Version von mir. Damit kann ich noch viele Filme machen."

Interview mit Will Smith: Anke Hofmann