Roland Emmerich: "Gerade heute sollten wir daran erinnern, dass Menschen für die Demokratie ihr Leben geopfert haben"

In "Midway - Für die Freiheit" verwandelt Roland Emmerich eine entscheidende Seeschlacht im Zweiten Weltkrieg mit viel Hollywood-Starpower in ein Leinwandspektakel. Warum sein Kriegsepos zur rechten Zeit kommt, verrät uns Deutschlands einziger Blockbuster-Regisseur im Interview.

Seit dem patriotischen Science-Fiktion-Spektakel "Independence Day" (1996) und dem Bürgerkriegsdrama "Der Patriot" (2000) gilt der in Stuttgart geborene Filmemacher Roland Emmerich als Experte für amerikanisches Heldenkino. In dieser Tradition steht auch sein Weltkriegsepos "Midway - Für die Freiheit" (Kinostart: 7. November), das dem GOLDENE KAMERA-Preisträger von 1999 aus unterschiedlichen Gründen besonders am Herzen liegt...

Darum geht's in "Midway - Für die Freiheit"

Nach dem Überraschungsangriff der Kaiserlich Japanischen Marine auf Pearl Harbour im Dezember 1941 brennen die überlebenden US-Soldaten um Kampfpilot Dick Best (Ed Skrein) auf Vergeltung. Ihre Chance kommt, als Edward Layton (Patrick Wilson) vom Militärgeheimdienst die Flottenführung davon überzeugen kann, dass der nächste Angriff der Japaner der amerikanischen Aufklärungsbasis auf den Midway-Inseln im Nordpazifik gelten wird. Ein Drohszenario, das Oberbefehlshaber Admiral Chester W. Nimitz (Woody Harrelson) mit einem Gegenschlag im Keim ersticken will...

Trailer zu "Midway - Für die Freiheit"

"Midway"-Regisseur Roland Emmerich im Interview

Im Video-Talk mit der GOLDENEN KAMERA verrät Roland Emmerich, warum er "Midway - Für die Freiheit" schon seit 20 Jahren verfilmen wollte. Außerdem hat der schwäbische Blockbuster-Regisseur erste Informationen über sein neues Science-Fiction-Projekt "Moonfall" im Gepäck...

Roland Emmerich über "Midway - Für die Freiheit"

GOLDENE KAMERA: Was war die größte Herausforderung für das Drehen eines historischen Films?

ROLAND EMMERICH: Der Dreh war extrem schwierig, weil fast nichts mehr aus der Zeit existiert. Ich konnte also nicht einfach einen Flugzeugträger ausleihen und mit ihn auf dem Ozean herumfahren. (lacht) Wir mussten also kreativ werden. Außerdem standen mir nur 65 Drehtage zur Verfügung und keine Second Unit, ich musste also alles selber drehen. Aber die größte Herausforderung war das Flugdeck. Wir hatten sehr viele Diskussionen darüber, ob wir draußen mit echten Hintergründen drehen sollten oder im Studio mit Greenscreen. Wir haben uns für das Letztere entschieden und ein Flugdeck nachgebaut, was sich als richtige Entscheidung erwies.

Inwieweit war der gleichnamige Film von 1976 ein Einfluss für Sie?

Ich habe „Schlacht um Midway“ als Kind gesehen. Es war ein spannender Film mit vielen Kampfszenen aber auch einem gehörigen Anteil an Hollywood-Kitsch. Er erklärt nicht, warum Midway geschichtlich so relevant war und zeigt auch die Perspektive der Japaner nicht wirklich. Mein Film ist also auf keinen Fall ein Remake! Meine Motivation war es, daran zu erinnern, wie der Aufschwung von Nationalismus zum Zweiten Weltkrieg führte und wie wir heute diesen Fehler wiederholen.

Trailer zu "Schlacht um Midway" (1976)

Der Angriff auf Pearl Harbor ist weltweit bekannt – im Gegensatz zur Schlacht um Midway. Wie viel wussten Sie darüber?

Als ich 1997 an „Godzilla“ arbeitete, sah ich spätabends eine TV-Dokumentation über die Midway-Schlacht und dachte sofort, dass dies ein interessantes Thema für einen Film sein könnte. Ich habe mir dann noch einmal den Film von 1976 angeschaut. Es war mir von Anfang an sehr wichtig, auch den Angriff auf Pearl Harbor zu zeigen, um die Signifikanz von Midway wirklich verstehen zu können. Pearl Harbor war das erste Mal, dass amerikanisches Staatsgebiet angegriffen wurde – und die USA waren darauf völlig unvorbereitet. Die Japaner waren in allem überlegen und Amerika war der Underdog! Es gab also wirklich eine Zeit, in der Amerika nichts zu melden hatte. (lacht)

Featurette über die reale Schlacht von Midway (1942)

Inwieweit passt „Midway“ in Ihre Filmografie?

Je älter ich werde, desto mehr interessiere ich mich für unsere Geschichte. Und visuelle Effekte sind ein tolles Hilfsmittel, um geschichtliche Ereignisse zu verfilmen. „Midway“ ist allerdings der erste Film, in dem ich mir kein eigenes Ende ausdenken konnte. (lacht) Ich habe die Verantwortung, so authentisch und akkurat wie möglich zu sein, sehr ernst genommen. Deswegen hatten wir viele historische Berater am Set.

Vor 20 Jahren hatten Sie schon davon geträumt, diesen Film zu drehen. Wie waren Sie als Regisseur damals und wie sind Sie heute? Und wie sehen Sie Ihre Zukunft?

Damals war ich ein Idiot! (lacht) Nein, ich habe mich nicht viel verändert, abgesehen davon, dass ich jetzt ein bisschen älter und verheiratet bin. Ich habe jetzt eine andere Perspektive und verstehe das Leben besser. Ich nehme alles nicht mehr so ernst wie früher. Aber meine Leidenschaft für das Filmemachen ist die gleiche geblieben. Ich liebe und lebe Film! Und wenn ich eines Tages meine Arbeit nicht mehr finanziert bekommen sollte, werde ich einfach mit dem iPhone in meinem Garten drehen!

Apropos Garten, ich bin heute bei Ihnen zu Gast. Wie haben Sie Ihr Zuhause gefunden?

Ich habe mich schon immer in Los Angeles wie zu Hause gefühlt, selbst als ich noch in Deutschland lebte und nur geschäftlich in die USA reiste. Als ich dann hier hinzog, lebte ich zuerst am Fuße der Hollywood Hills. Dann bekam ich den Tipp, dass dieses Grundstück zum Verkauf stand – und darauf dieses Haus, das von Jesse L. Lasky erbaut wurde, der als Produzent zusammen mit Cecil B. DeMille Hollywood weltberühmt gemacht hat. 1914 wurde „The Squaw Man“ hier gedreht. Aber der Grund, warum ich mich gleich in dieses Anwesen verliebt habe, war der Garten, der jetzt mehr wie ein Dschungel aussieht. Ich stamme ja aus einer Familie, die Gartengeräte herstellt. Vielleicht wollte ich einfach nur meinen Vater beeindrucken. (lacht)

Interview: Anke Hofmann