Til Schweiger: "Ich wäre gern mit einem Wumms weg"

Exklusiv: Til Schweiger über sein Verhältnis zu Kritikern und seine neue Komödie „Die Hochzeit“. die am 23. Januar in die Kinos kommt.

Auf „Klassentreffen 1.0“ – über eine Million Zuschauer im Kino – folgt „Die Hochzeit“: Til Schweiger setzt die tragikomischen Erlebnisse von drei alten, etwas schrulligen Jugendfreunden fort – mit bewährter Besetzung und erneut unter seiner Regie. Dabei geht bei den Hochzeitsvorbereitungen von DJ Tjomas (Til Schweiger) und Linda (Stefanie Stappenbeck) alles schief - Trennungen, Tortenschlachten und Todesfälle inklusive.

Trailer zu "Die Hochzeit"

Til Schweiger spielt die Hauptrolle, schrieb das Drehbuch, führte Regie und produzierte sogar selbst. Wir trafen den 56-Jährigen zum Interview in Berlin und sprachen mit ihm über seine neue Komödie.

Interview mit Til Schweiger

Was ist schwieriger zu schreiben und zu produzieren? Ein guter Krimi oder eine gute Komödie?

Til Schweiger: Eine gute Komödie. Es ist viel schwieriger, jemanden zum Lachen zu bringen, als jemand zu erschrecken oder Spannung zu erzeugen. Denn dafür muss man nur mit einer Steady Cam durch eine dunkle Gasse gehen und dramatische Musik haben und dann noch eine Katze aus der Ecke springen lassen – und schon erschreckt sich jeder.

Warum beschreibt „Die Hochzeit“ das Lebensgefühl der über Fünfzigjährigen auf geniale Art und Weise, und was sind überhaupt die Probleme dieser Generation?

Dass man mit fortschreitendem Alter immer wehleidiger und anspruchsvoller wird und weiß, dass einem nicht mehr Zeit bleibt. Mit 20 glaubt man noch, dass man unsterblich wäre – aber mit über 50 merkt man, dass einem die Zeit durch die Finger fließt.

Midlife-Crisis, Ehe-Therapie, Potenzmittelbedarf - welche der lustigen, im Film gezeigten Problemchen, kennen Sie selbst?

Eine Midlife-Krise hatte ich noch nicht, Ehetherapien habe ich einige gemacht und sonst ist auch alles in Ordnung (grinst).

Was ist Ihre Lieblingsszene in „Die Hochzeit“?

Da gibt es einige, besonders die emotionalen, wenn Samuel Finzi beispielsweise auf der Beerdigung eines Kumpels ausflippt, weil rauskommt, dass der Verstorbene Torben Samuels Gattin gepimpert hat – und die Witwe ihm erklärt, dass der Tote zwar vielleicht ein Arsch war, aber sie wünschte, dass er noch lebte, weil sie nun nie mehr die Chance hat, mit ihm zu streiten, während sich Finzi sehr wohl mit seiner untreuen Gattin, also seinem „Arsch“, zoffen könne. Außerdem gibt es natürlich jede Menge witziger Szenen – beispielsweise, wenn Tom und seine Freunde auf der falschen Beerdigung landen.

Wie war der Dreh?

Mega lustig. Wir hatten ganz viel Spaß. Und obwohl es mit 34 Drehtagen diesmal etwas weniger waren als beim „Klassentreffen“, waren wir alle hoch motiviert, haben sauviel gelacht und hatten bei hochsommerlichen Temperaturen eine supergeile Zeit.

Wieviel Til steckt in der Figur Tom?

In jeder Figur, die ich spiele, steckt ganz viel Til, weil ich die Figur mit meiner Personality fülle. Aber natürlich heißt das nicht, dass ich haargenau so wie Tommi ticke.

Tom wird in allen möglichen Situationen um Selfies mit Fans gebeten. Kennst du das auch? Und machst du das gerne auch jederzeit?

Ja, eigentlich immer. Aber wenn ich es eilig habe, und beispielsweise am Flughafen bin, und mich jemand um ein Foto bittet, ziehe ich den Betreffenden immer am liebsten hinter ein Billboard oder in eine Boutique, damit nicht alle anderen Leute ebenfalls ein Foto wollen.

In „Die Hochzeit“ erlebt Tom, dass er miese Kritiken kriegt und fragt sich, warum er plötzlich kritisiert wird. Wie gehst du selbst mit Kritiken um? Wie sehr nimmst du dir davon was an?

Ich bin sehr offen, was konstruktive Kritik betrifft. Wenn ich beispielsweise ein Drehbuch schreibe, schicke ich das erst einmal vielen Leuten und höre mir an, was sie dazu sagen haben. Und wenn ich im Filmschnitt bin, zeige ich den Film vielen Leuten - und höre mir ebenfalls an, was sie meinen. Aber natürlich muss ich im Endeffekt selbst die Entscheidung treffen, was ich von den Kritiken annehme und ob ich eine Szene wirklich rausschneide oder einen Satz dazu nehme oder alles nochmal überdenke.

Und was Filmkritiker betrifft?

Was Filmkritiker betrifft, kann ich mich deren Meinung ebenfalls durchaus anschließen, wenn sie differenziert argumentieren. Doch meistens ist es so bei meinen Filmen, dass besonders das Feuilleton kollektiv scheiße findet, was ich mache. So was nehme ich mir gar nicht zu Herzen, weil ich zu Filmen, die ich ins Kino bringe, prinzipiell stehe – weil ich sie geil finde. Doch wenn beispielsweise ein amerikanischer Kritiker schreibt, dass ich mich mit „Head full of Honey“ – also der US-Version von „Honig im Kopf“ über die Krankheit Alzheimer lustig machen würde, frage ich mich, was der geraucht hat, das stimmt so ja einfach nicht .

Gibt es nach „Klassentreffen“ und „Die Hochzeit“ einen dritten Teil?

Ja, ich habe schon eine Idee dafür, aber wir müssen erst einmal sehen, wie gut der zweite Teil performt. Wenn er den Kinozuschauern so gut gefällt wie uns, werden wir den dritten Teil bestimmt bringen.

Bildergalerie: "Klassentreffen"