"Nightlife": Simon Verhoevens schrille Berlin-Komödie

Auf ins „Nightlife“! In der neuen Komödie von Simon Verhoeven erleben Elyas M’Barek und Palina Rogjinski das wohl schrägste Date der Welt. Im Interview mit GOLDENE KAMERA spricht Verhoeven über die Idee zum Film und den Reiz des Nachtlebens.

Glitzernde Sterne am Himmel, ein lauschiger, abgelegener Spielplatz und eine Traumfrau an der Seite: Klingt nach dem perfekten Date! Fast. Wären da nicht wütende Drogenhändler, die jede Sekunde um die Ecke kommen können. Milo muss zugeben: Diese Verabredung läuft doch nicht ganz nach Plan. Rasante Verfolgungsjagden, skurrile Charaktere, viel Gefühl: Nach dem Erfolg von „Willkommen bei den Hartmanns“ (mit 3,8 Millionen Kinobesucher erfolgreichster deutscher Kinofilm 2016) stürzt sich Regisseur Simon Verhoeven (47) mit seiner neuen Komödie ins „Nightlife“. (ab 13. Februar im Kino)

Trailer: "Nightlife"

„Ich fand Nachtleben schon lange ein spannendes Filmthema, weil es so viele Facetten birgt“, so Verhoeven. „Es geht um Abenteuer, Begegnungen und darum, das Leben zu feiern. Gleichzeitig ist die Unterwelt nie weit entfernt.“ Mit seinen Hauptdarstellern Elyas M’Barek, Palina Rojinski und Frederick Lau greift er auf drei der aktuell populärsten Gesichter der deutschen Filmszene zurück. „Ich hatte beim Drehbuchschreiben von Anfang an diese drei im Kopf“, verrät Verhoeven.

Simon Verhoeven im Interview zu "Nightlife"

GOLDENE KAMERA: Wie ist die Idee zu „Nightlife“ entstanden?

Den Wunsch, einen Film über das Nachtleben zu drehen, trage ich schon lange mit mir herum - das Thema birgt einfach so unendlich viele Facetten: Träume, Romantik, Spaß, aber eben auch Abgründe in sich. Im Grunde ist es genauso wie Elyas M‘Barek es im Film sagt:“ Schon in der Steinzeit haben die Menschen nachts ums Feuer getanzt und das Leben gefeiert.“ Gleichzeitig fand ich an dem Thema aber auch spannend, dass es eine dunkle Seite hat. Die Unterwelt ist ja auch immer Teil des Nachtlebens.

In dem Film geht es auch um ein Date, das völlig nach hinten losgeht.

Simon Verhoeven: Ja, der Film handelt von einem ersten Date, das schiefläuft und zu einer verrückten Reise durch die Nacht wird. Dabei wird dann die junge Beziehung von Elyas und Palina direkt auf eine sehr harte Probe gestellt wird. Und auf dieser Reise durch die Nacht wird der Film zu einer Liebeserklärung an das Nachtleben, von der Currywurstbude, über den Technoclub bis zum altmodischen Tanzcafe.

Die Szenen im Film sind humorvoll und basieren im Grunde auf sehr genauen Alltagsbeobachtungen. Zu Beginn der Komödie bekommt eine Figur beispielsweise die Folgen des Dating-App-Wahns zu spüren.

Viele Ideen für Szenen entstammen Beobachtungen oder Erzählungen aus meinem Umfeld. Wir leben heutzutage immer mehr in einer Art Wegwerfgesellschaft, auch im Datingbereich. Alles wird inflationär und schnell wieder verworfen. In Zeiten von Dating-Apps ist das selbst bei Verabredungen der Fall. Das ist das Schöne am Nachtleben: Da sind Begegnungen wirklich analog, ganz im Gegensatz zu der digitalen, anonymen Tinder-Welt. Man muss sich direkt ins Gesicht sehen. Man weiß nie, was passiert, welche Menschen einem begegnen. Alles kann passieren. Und ich kenne Menschen, die sich im Nachtleben kennengelernt haben und heute eine sehr solide Beziehung führen.

„Willkommen bei den Hartmanns“ ist mit fast vier Millionen Besuchern durch die Decke gegangen. Wie groß war der Druck nach einem solchen Erfolgsfilm?

Nicht so groß. Wenn ich mit dem Hintergedanken rangehen würde, dass es wieder vier Millionen Zuschauer sein müssen, kann ich nicht kreativ sein. Für mich ist es erstmal nur wichtig, dass ich ein Projekt finde, in das ich maximal meine eigene Leidenschaft reinstecken kann. Das ist schwer genug. Ich gebe einfach mein Bestes und dann hoffe ich, dass das viele Zuschauer das sehen wollen. Es müssen ja nicht immer so viele wie bei den „Hartmanns“ oder „Männerherzen“ sein. Aber ich glaube schon, dass wir wieder etwas abgeliefert haben, was den Zuschauern großen Spaß macht. Und natürlich haben wir auch wieder einen großartigen Cast dabei.

Mit Palina Rojinski, Elyas M’Barek und Frederick Lau sogar drei der beliebtesten deutschen Darsteller derzeit. Stand von Anfang an fest, sie zu besetzen?

Ich habe den Film extra für sie geschrieben. Wenn man beim Schreiben einer Szene keine anonyme Figur, sondern direkt Elyas oder Frederick als liebenswerte Chaoten vor Augen hat, erleichtert das die Arbeit ungemein. Seit 2015 sitze ich an dem Projekt und habe die Figuren und Dialoge genau auf die drei zugeschnitten. Wir sind auch privat befreundet – deshalb weiß ich auch sehr genau, wie sie im realen Leben reden.

Im Film geraten die Figuren in eine skurrile Situation nach der anderen. Wie bleibt man dabei am Set ernst?

Für mich sind die Dreharbeiten ein Rush, immer Adrenalin pur, weil es ständig neue Herausforderungen gibt. Ich bin so konzentriert darauf, dass der Humor präzise gelingt, die Texte ineinanderfließen und es vom Timing her stimmt, dass ich meistens erst in den Drehpausen richtig lachen kann. Für mich ist die Arbeit an einer Komödie eine sehr ernste Angelegenheit. Die Darsteller mussten aber schon sehr oft lachen. Als Freddy beispielsweise in einem Elfenkostüm vor ihnen stand, fiel es Elyas und Palina schon sehr schwer, ernst zu bleiben.

Stichwort Elfenkostüm ­- haben Sie einen Moment am Set, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Es gibt eine Szene, in der die drei in Kostümen mit einem Kanu über die Spree flüchten. Es war drei Uhr nachts, bitterkalt, und plötzlich fing das Boot mitten auf dem Wasser an, voll zu laufen und zu sinken. Ich habe den Schreck meines Lebens bekommen. Das Boot ging unter und die drei waren plötzlich im eiskalten Wasser. Rettungsschwimmer haben sie rausgefischt. Erst dachte ich, die Schauspieler würden schreien, dann habe ich erleichtert festgestellt, dass sie von Lachkrämpfen geschüttelt werden. Wenn man selbst in solchen Momenten Spaß hat, sagt das einiges über den positiven Spirit am Set aus.

GOLDENE KAMERA Kino-Tipp, weil...

Diese Verfolgungsjagd ist ein Angriff auf die Lachmuskeln: turbulent, bunt und irre witzig!