Hugh Grant spielt in "The Gentlemen" wieder den Bösen

Superstar Hught Grant spricht im Inteview mit GOLDENE KAMERA über seinen Film „The Gentlemen“ und seine Vorliebe für fiese Rollen.

Hugh Grant hat ein Problem mit seinem Image. Jahrelang spielte der Brite auf der Leinwand den liebenswerten Frauenversteher: treuherzig, charmant und meist auch einen Hauch naiv. Dabei war er privat genau das Gegenteil. Grant pöbelte gegen Paparazzi, ließ sich beim öffentlichen Sex mit einer Prostituierten erwischen, galt als ewig feiernder Junggeselle. Trotzdem: Für seine Fans blieb er auch abseits der Leinwand der smarte Liebhaber. Doch von diesem Image hat der Schauspieler längst genug. Spät, sehr spät entdeckte er seine Begeisterung fürs Familienleben. Und im Kino wird aus dem einstigen Charmeur immer öfter der gerissene Ganove.

In seinem neuen Film „The Gentlemen“ (ab 27. Januar im Kino) etwa schlüpft der 59-jährige in die Rolle des zwielichtigen Detektivs Fletcher. Der Privatermittler versucht, den Assistenten des Drogenbosses Mickey Pearson (Matthew McConaughey) zu erpressen. Dabei schreckt Fletcher vor nichts zurück. Das gefällt Hugh Grant. „Diese intrigante Person zu spielen war großartig“, sagt der GOLDENE KAMERA Preisträger von 2003 und ergänzt: "Wie Sie vielleicht wissen hatten ich Unannehmlichkeiten mit Privatdetektiven, die für die Klatschpresse arbeiteten. Sie hackten mein Telefon und brachen in mein Apartment ein. Sie waren meine Basis, und dann habe ich das mit Sonnenbrille und passendem Haar- und Kleidungsstil kombiniert."

Grundsätzlich hat Grant ein Faible für Fieslinge: "Ich fühle mich mehr und mehr zu abstoßenden Figuren angezogen. Je ekeliger die Rolle, desto besser. Es steckt in der menschlichen Natur, böse zu sein. Warum lieben wir die Filme von (Quentin) Tarantino oder (Martin) Scorsese? Weil in ihnen eine gewisse Realität und Wahrheit stecken. Die Kamera fängt diese Wahrheit auf, sie ist praktisch eine Art Lügendetektor. Deswegen erfordert es wesentlich mehr schauspielerisches Können, einen netten Menschen zu spielen als einen Bösewicht darzustellen (lacht)." Kein Wunder also, dass der Londoner neuerdings häufiger als übler Charakter zu sehen ist.

Trailer: "The Gentlemen"

Mehr Spaß auf der Seite der Bösen

Im Kinderfilm „Paddington 2“ verkörperte er den intriganten Gegenspieler des sprechenden Bären. Und in der BBC-Miniserie „A Very English Scandal“ nach einem realen Fall aus den 70er-Jahren beeindruckte Grant 2018 als schwuler Politiker Jeremy Thorpe, der von seinem ehemaligen Geliebten unter Druck gesetzt wird. Der Lohn für seine intensive Performance: je eine Emmy- und Golden-Globe-Nominierung. „Ich habe nie verstanden, warum die Leute mich früher auch privat für den lieben Kerl aus den Komödien gehalten haben“, sagt Hugh Grant: „Ich bin nicht nur der nette Typ.“

Auch politisch hat Hugh Grant klare Positionen

Privat ist der Schauspieler dagegen mittlerweile zur Ruhe gekommen. Aus dem einst umtriebigen Junggessellen ist ein glücklicher Familienvater geworden: „Wenn du mit 59 Jahren fünf Kinder im Haus herumhüpfen hast, solltest du morgens nüchtern sein“, schmunzelt Grant. „Die Kleinen sind eine ganz neue Erfahrung. Ich fühle mich durch sie viel gelöster als früher.“ Als mehrfacher Papa sorgt er sich um die Zukunft seiner Kinder. Auch in politischer Hinsicht: Mit großem Einsatz kämpfte der Brite gegen Premierminister Boris Johnson und den Brexit. Er zog sogar von Tür zu Tür, um an die Wähler zu appellieren. Vergeblich: „Wir können nichts mehr tun“, so Hugh Grant. „Aber ich werde weiterhin präsent bleiben und meine Meinung dazu sagen.“

Im September diesen Jahres feiert der überzeugte Europäer seinen 60. Geburtstag und Hugh Grant hat schon konkrete Pläne, wie sein Ehrentag aussehen soll: "Mein Plan ist es, in eine Klinik namens „Dignitas“ in der Schweiz zu gehen und mein Leben zu beenden. Ich habe gehört, dass sie es dort sehr human und schmerzfrei machen (lacht). Aber leider habe ich Freunde – vor allem politische Freunde, die auf eine Party bestehen – ob ich will oder nicht! Ein Freund insbesondere lädt zu diesen Partys immer Leute ein, die mir Schlimmes angetan haben. Auf einmal steht er also mit einem Ted vor meiner Tür und stellt ihn als den Typen vor, der 1995 mein Apartment ausgebraubt hat. Anstatt zu sagen „Get the fuck out!“ bin ich doch tatsächlich zu höflich und heiße Ted in meinem Haus willkommen: „Komm rein. Fühle dich wie zu Hause. Du kennst dich ja hier aus!“

GOLDENE KAMERA Kino-Tipp, weil...

Coole Story, skurrile Gangster: Guy Ritchie zurück in Topform. Hugh Grant hat spürbar Spaß als schmieriger Privatschnüffler.