Deutscher Filmpreis 2020: Die "Lola" setzt ein Zeichen

Moderator beim 70. Deutschen Filmpreis: Edin Hasanovic.
Moderator beim 70. Deutschen Filmpreis: Edin Hasanovic.
Foto: Filmakademie
Erst abgesagt, jetzt sogar live und mit Hund: GOLDENE KAMERA Preisträger Edin Hasanović wir den 70. Deutschen Filmpreis im Ersten moderieren (24. April, 22.15 Uhr) und bekommt dabei vierbeinige Unterstützung.

Die große Gala mit Gästen im Palais am Funkturm kann dieses Jahr aus bekannten Gründen nicht stattfinden, doch der 70. Deutsche Filmpreis wird trotzdem in einem würdigen Rahmen gefeiert. Unter der künstlerischen Leitung von Regisseurin Sherry Hormann wird die Preisverleihung als glamouröser TV-Abend inszeniert, bei dem Moderator Edin Hasanovic nicht allein bleiben wird: Viele Filmschaffende, Musikerinnen, Laudatoren und ein Känguru werden das deutsche Kino an diesem Abend trotz räumlicher Trennung gemeinsam feiern und live zugeschaltet.

"Während alle Grenzen schließen, wir in einem Ausnahmezustand sind, uns schützen wollen und müssen, werden wir trotzdem einen Weg finden, die Nominierten und Preisträger zu feiern und etwas auf die Beine zu stellen. Es wird live sein. Einzigartig wird es sowieso", freut sich die Deutsch-Amerikanerin Hormann auf die Veranstaltung. Die Deutsche Filmakademie hat sich entschieden, die Vergabe der "Lolas" nicht zu verschieben und schon gar nicht ausfallen zu lassen, um eine Zeichens des Mutmachens, der Zuversicht und der Solidarität für die Branche zu setzten, wie Akademiepräsident Ulrich Matthes betont.

Edin brennt für seinen Einsatz

Dabei setzt die Akademie mit Edin Hasanovic auf einen topmotivierten Presenter, der schon bei der GOLDENEN KAMERA 2016 (Gewinner Nachwuchspreis) und beim Filmpreis 2018 eindrucksvoll bewiesen hat, dass er die große Bühnen aufgrund seiner Energie ohne weiteres im Alleingang bespielen kann. Eine Absage war für den 28-Jährigen keine Option: „Ich hab doch nicht acht Wochen lang Hüttenkäse gegessen, um jetzt abzusagen. Wisst ihr, wie lange ich für die Choreo gebraucht hab? Das findet statt. Basta!“

Teaser Deutscher Filmpreis 2020

Hasanovic hat die 2400 Quadratmeter große Studiohalle in Berlin fast für sich allein und wird den Abend gemeinsam mit einem DJ und einem Hund namens Wilma gestalten. Ein paar Laudatoren wie Iris Berben, Anke Engelke oder Charly Hübner sind aber zur Verstärkung auch dabei. Wir sind gespannt auf die besondere Jubiläums-Show. Kleiner Tipp von uns an Edin: Noch ein paar Leckerlis mehr einstecken, falls ihr überzieht... ;-)

GOLDENE KAMERA Nachwuchspreis: Dankesrede Edin Hasanovic

"Berlin Alexanderplatz" und "Systemsprenger" die Top-Favoriten

Die Lola 2020 wird ein Rennen zwischen Filmemachern, die dort bislang noch nicht groß triumphieren konnten: Die meisten Nominierungen erhielten in diesem Jahr Burhan Qurbanis Neuverfilmung von "Berlin Alexanderplatz" (der in elf Kategorien vertreten ist und eigentlich jetzt im Kino laufen sollte) und Nora Fingscheidts zehnmal nominiertes Spielfilmdebüt "Systemsprenger": Darin geht es um ein wildes Mädchen, das nicht ins System zu passen scheint und vom Jugendamt ständig in neue Wohngruppen oder Kinderheime geschickt wird. Dabei will die neunjährige Benni doch nur zu ihrer überforderten Mutter. Der Film lief mit großem Erfolg in den Kinos und ist jetzt im Angebot von Netflix zu sehen.

Unser aktueller GOLDENE KAMERA Preisträger Albrecht Schuch könnte gleich zweimal triumphieren: Er ist sowohl als Hauptdarsteller in „Berlin Alexanderplatz“ nominiert, als auch als Nebendarsteller in „Systemsprenger“. Regisseur Bora Dagtekin wird, wie schon für seine „Fack ju Göhte“-Filme, in diesem Jahr auch für „Das perfekte Geheimnis“ die Lola für den besucherstärksten Film entgegennehmen. Der große Kassenerfolg taucht sonst allerdings in keiner der 18 anderen Kategorien auf.

Preisträger Albrecht Schuch im Interview
Preisträger Albrecht Schuch im Interview

Trotz ihrer großartigen Leistungen sind weder Corinna Harfouch (GOLDENE KAMERA 2007) für „Lara“ noch Nina Hoss (GOKA-Preisträgerin 1997) für „Pelikanblut“ als beste Hauptdarstellerin nominiert. Auch nicht "Bad-Banks"-Star Paula Beer, die auf der Berlinale für „Undine“ den Silbernen Bär gewann. Hier treten Anne Ratte-Polle für „Es gilt das geschriebene Wort“, die noch weithin unbekannte Alina Serban für „Gipsy Queen“ und die erst elfjährige Helena Zengel für „Systemsprenger" gegeneinander an.

Gemäß Zeitgeist präsentiert sich die Akademie also offener, diverser und die 70. Filmpreis-Verleihung dürfte ein spannendes Event werden. Das Wichtigste aber: Sie findet trotz Corona statt und das vor einem breiten Publikum!