Happy Birthday, Clint Eastwood!

Hollywood-Ikone, Oscar-Regisseur, Sturkopf: Clint Eastwood wird am 31. Mai 90 Jahre alt - und ist nicht zu stoppen!

"Clint hat genau zwei Gesichtsausdrücke: einen mit Hut auf und einen ohne.“ Ein Zitat von Regisseur Sergio Leone, der dieses Gesicht 1964 weltberühmt machte: Seit Jahren war Clint Eastwood durch die Serie „Tausend Meilen Staub“ geprescht, als er für den Spaghettiwestern des (damals) unbekannten Italieners Leone unterschrieb. Namhaftere US-Kollegen wie Charles Bronson hatten naserümpfend abgelehnt, Eastwood aber wollte gern mal nach Europa.

Moderner Revolverheld

Der Fremde ohne Namen in „Für eine Handvoll Dollar“ wurde der Durchbruch des Minimalmimen. Den Typ grimmiger, kaltschnäuziger Einzelgänger hat er seitdem bis zur Legende kultiviert. Temperamentsausbrüche waren nie sein Metier. In der Ruhe liegt die Kraft: Eastwood, der am 31. Mai 90 Jahre alt wird, definierte Coolness neu – auch als moderner Revolverheld „Dirty Harry“ mit der 44er-Magnum.

Oscarverdächtig war das allerdings nicht, ein Gesicht zu haben gilt noch nicht als Kunst. Dabei lohnte es sich damals schon, genau hinzusehen: Ein Beispiel, das zeigt, wie viel der wortkarge 1,93-Meter-Mann allein mit Blicken auszudrücken vermag, ist „Flucht von Alcatraz“ (30. Mai, 23.15 Uhr, Servus TV).

Glück und gute Gene

Der Filmstar aus San Francisco, der einst als Rettungsschwimmer jobbte und bereits 1967 eine eigene Produktionsfirma gründete, um seine Karriere selbst mitzubestimmen, blieb als Charakterdarsteller dennoch unterschätzt. Bis er das eigene Image des harten Kerls systematisch demontierte und dabei vor allem auch hinter der Kamera ungeahnte Sensibilität und Vielseitigkeit zeigte – bis hin zur Musical-Verfilmung „Jersey Boys“ (2014).

Für sein Wildwest-Requiem „Erbarmungslos“ und das ergreifende Boxerdrama „Million Dollar Baby“ (2004), in dem es um so viel mehr geht als Boxen, wurde Clint Eastwood schließlich doch als bester Hauptdarsteller nominiert – und gewann je zwei Oscars für die beste Regie sowie den besten Film.

„Das Filmgeschäft ist ein Glücksspiel. Und ich hatte das Glück, die richtigen Drehbücher gewählt zu haben“, sagt Eastwood zu GOLDENE KAMERA. „Deshalb bin ich Regisseur geworden: Wenn ich es satt habe, mich selbst auf der Leinwand zu sehen – und dieser Zeitpunkt ist so was von gekommen –, kann ich tolle Schauspieler bei der Arbeit beobachten und sie in die richtige Richtung lenken. Und für mich gibt es nur eine Richtung: vorwärts.“ Da bleibt er stur.

Eastwood, der Macher

Trends oder Effekte interessieren ihn herzlich wenig, für ihn zählen starke Geschichten und Charaktere. Für anspruchsvolle Meisterwerke wie „Mystic River“ (2003), die kaum zu Blockbustern taugen, musste er bei den Studios kämpfen. Und setzte sich durch, weil er so effizient arbeitet: In der Regel liefert der Macher Eastwood preiswerter und schneller ab als kalkuliert.

Seit seinem Regiedebüt „Sadistico“ (1971), Vorbild für „Eine verhängnisvolle Affäre“, verging zwischen zwei Filmen selten mehr als ein Jahr, in manchen Jahren lieferte er gleich zwei Stück ab. „Gran Torino“ von 2008, sein größter Kassenhit, sollte Eastwoods Schauspielabschied werden. In seiner 38. Regiearbeit „The Mule“ trat er als „Packesel“, der für ein Kartell Drogen schmuggelt, dann doch wieder vor die Kamera.

Aktuell aber ist zum ersten Mal seit Jahrzehnten nichts Neues angekündigt. Geht die Legende in Rente? Von wegen: „Es gibt mehrere Projekte, ich habe mich nur noch nicht entschieden.“ Neue Herausforderungen halten ihn fit. „Ansonsten baue ich auf meine guten Gene und viel Schlaf“, so Clint Eastwood. „Mein Geheimnis ist: Lass den alten Sack außen vor! Ich mache einfach weiter